Seidenstraße und ihre sandige Seite

Ja, Ihr Lieben! Wir holen auf. Sind bald wieder up to date. Müssen nur erst noch durch 3000 Kilometer Seidenstraße pur, bevor wir in Kirgistan einreisen. Jetzt sind wir im autonomen Gebiet Uigurien, dem westlichsten Teil Chinas.


Seit 2009 besuchen wir diesen Platz. Hier würden wir, reisten wir zur Zeit der Qin-Dynastie und Seidenstraßenhändlern, von den Wächtern bewacht oder verhaftet werden. Werden wir aber nicht, weil es erstens vor 600 Jahren noch keine Reisemobiltouren gab und zweitens heute, also 600 Jahre später, der Wachturm nicht mehr besetzt ist. Noch einmal Glück gehabt. Ohnehin bisher ein glücklicher Platz – weit weg von dem Stadttrubel in Hami.


Yong Zhi ist so ziemlich das Beste, was China an Guides zu bieten hat. Was der Bursche für uns allein an Hintergrundarbeit leistet, ist einsam Spitze. Auch seinetwegen dürfen wir immer wieder draußen statt ausschließlich in Hotelhöfen stehen.


Keine Berührungsängste bitte bei der Anfahrt zum Standplatz. Ich kann euch versprechen, dass noch kein Auto auf so einer Reise jünger geworden ist. Aber seit wir fahren sind auch alle Wohnmobile wiedergekommen und munter weitergefahren. Deswegen haben wir sie auch, um schön mobil zu sein.


Oh, der Staub und die Flügeltüren beim Kastenwagen. Sind natürlich unschlagbar, wenn man am Standplatz ankommt und einfach beide Türen aufreißen kann. Mit etwas Tape im Türenschlitz halten wir etwas Staub ab. Etwas.


Die moderne Seidenstraße läuft da, wo auch die alte lief. Nur dass es in vielen Abschnitten nun ganz glatt geht. China baut auf beiden Seiten des Tarimbeckens eine 3000 Kilometer lange Autobahn. Das geht so schnell wie es bei uns braucht, die Schimmel zusammenzutreiben, damit im Bauamt jahrelang gewiehert werden kann. Sorry, ich weiß auch, dass unsere Entscheidungslahmheit viele Vorteile hat und viele dabei schützt. Es ist mir nun mal eben so rausgerutscht…


Windparks, keine Parkchen, die hier gebaut werden. Die sind ganz schön modern hier im Westen der Volksrepublik.


Dick bepackte LKW versorgen Städte und Bauprojekte. Das einzig unwirtschaftliche an diesen LKW sind die Außenspiegel, die bei dieser Fahrzeugbreite nur Blick auf die Vorderfront der eigenen Ladung erlauben.


Der weltweite Hunger auf fossile Brennstoffe ist grenzenlos und kaum zu stillen. China erschließt das Tarimbecken mit der zentralen Taklamakan in atemberaubender Geschwindigkeit.


Am Nordrand der Wüste liegt der Pappelwaldgürtel. Das Holz dieser Pappeln hält sich viele Jahrtausende, lassen sie uns wissen.


Bruchteile dieser Ewigkeit brauchten sie, um quer durch die Wüste drei Straßen zu treiben. Wir nehmen die mittlere und teuerste Straße der Welt: Schwimmender Asphalt im Wüstenboden und links und rechts neben der Strecke Wasserleitungen und alle 5 Kilometer ein Pumpenhaus mit 2 Mitarbeitern.


Öde und Verlassen ist der Sand – aber unser Leben ist interessant – haben die Chinesen geschrieben. Wir aber finden, dass dieser öde Sand für uns eine der spannendsten Dinge ist. Schaut selbst:


In Jahrmillionen von Flüssen der Hochgebirge eingeschwemmte Sedimente bilden die Sandwüste aller Wüsten: Die Taklamakan. Trotz Straßen und Ölförderung sind riesige Gebiete unberührt.


Die Sanddünen sind imposant steil aufgetürmt. Runterspringen macht einen Heidenspaß, auch wenn man tief fliegen kann. Ärgerlich, wenn man dann barfuß in einem Skorpion landet. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für so ein einprägsames Erlebnis sehr gering.


Wahrscheinlicher ist es, dass das arme Maultier bei dieser Last bald zusammenklappt. Aber auch darin täuschen wir uns oft. Die sicherlich nicht auf Plüsch und Samt gebetteten Nutztiere sind zäh und übrigens sehr schlau.


Unser alter Wüstenplatz ist zugesandet. Diesmal bleibt uns nur die Übernachtung am Rand eines LKW-Parks. Wahrhaftig kein Platz für einen Schönheitswettbewerb. Aber die Wüste ist kein Spiel und lässt uns diesmal keinen anderen Platz. Man kann dafür unterwegs anhalten und dann einfach in die Dünen laufen.


Nan – das leckere Fladenbrot, das es nun wieder gibt, seit wir in Uigurien sind. Chinesen selbst sind ehr Richtung Gummibrot a la USA-Burger gepolt – für uns Brotbackweltmeister aus Deutschland besteht das Uigurische Brot aber seine Prüfung.


Augen auf und gaaanz vorsichtig hindurch durch die uigurischen Märkte.


Vieles geht hier per Huftier.


Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.


Neugierig beobachten uns die Uigurien…


.. und wir sie….


.. und wir sie nochmal….


…und sie uns.


Trotz Sand und Sturm und Staub lohnt sich die Südroute der Seidenstraße allemal. Das möchte keiner missen und kann uns keiner mehr nehmen.


Kashgar – unsere letzte Station in China


Modernes und altes muslimisch traditionelles trifft aufeinander wie überall in der Welt des Islam.


Die Mehrheit der Marktbesucher und Händler sind muslimischen Glaubens, der aber…


…teilweise sehr liberal ausgeübt wird. Die unbedeckten Beine der Frauen wären in anderen muslimischen Ecken der Welt undenkbar.


Über 40, teilweise echt heiße Hammertage in China gehen zu Ende. Das war keine Kaffeefahrt, das war teilweise eine echte Herausforderung an alle. Die Organisa- toren, die Reisleiter und die Reisenden selbst. Aber wenn ihr zurückdenkt, was man alles erleben, erfahren durfte, dann wird es kaum einen geben, der diese Erlebnisse missen möchte. Großstadt- erholung in den schicken Hotels mit tollem Programm nach Staufahrten durch schwülheißes Ostchina, Hammerstrecken durch die Berge und Traumlandschaften von Qinhai, Wüstenstürme am Rand der Taklamakan – das muss man einfach mal gesehen haben. Jetzt kommt die Ausreise und ich möchte sagen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir überall auf der von uns angedachten Route auch fahren durften. Wie instabil manch eine Lage ist, haben wir durch die behördliche Überwachung im Westen erlebt. Dass wir trotzdem frei fahren durften – liegt an Li und Hu und Yang und Heinrich in Berlin mit seiner CTS-Crew. Und Arthur mit seiner besonnenen Art, die hier so wichtig war. Hut ab vor euch – eine große Leistung.


Goodbye Uiguren – ihr seid Helden, hier am Westende des Tarimbeckens.


Relativ schnell geht es auch über die hervorragende Straße Richtung Torugartpass. Aber das wird sich bald dramatisch ändern. Es wird viel laaangsamer. Die nächste große Herausforderung auf dem rauen Weg entlang der Seidenstraße. Schnallt euch an und schaut nicht zu oft aus dem Fenster – mein gutgemeinter Tipp.


Bis dahin
Euer Kostya


018 Zurück in die Berge
Liebe Leser, Ihr habt vielleicht eine Geduld. Aber ich habe eine doppelte Entschuldigung. Erst waren die Bilder nicht da und dann dafür die Kinder. Ja, so sieht er aus, unser Nachwuchs und ganzer Stolz. Zwei wunderschöne gesunde Mädchen! Mein… < mehr


016 Wilder Westen Chinas
Beim Betrachten der Bilder denke ich manchmal wehmütig an unsere ersten Reisen durch Asien zurück. Da gab es noch kein Roadbook, keine GPS-Daten, kein Chinaatlas mit lateinischem Untertitel, kein Internet oft über Monate, keine Autos… < mehr


Nach Oben - professionelll geführte Wohnmobilreisen in die GUS, China und Iran - Abenteuer Osten