005 Lagerfeuer, Lieder und Wodka am Onega

Liebe Reisefreunde,

Natürlich erzähle ich die ganze Geschichte der Reise durch den Norden fertig. Dazu war sie einfach zu schön. Nur haben mich aktuelle Ereignisse weiter in den Osten gespült, sodass ich erst jetzt Luft holen kann. Tue ich hiermit: Auf geht’s, immer gen Norden bis ans Ende des großen Onega.

Wenn der Bus nicht kommt, … na, dann gehen wir halt! Selbst ist die Kuh!

Jetzt gebt es doch zu: So schön bunt bemalt sind unsere Häuser nur allzu selten. Natürlich ist das auch in Russland nicht an der Tagesordnung. Aber man finden mehr und mehr Bewohner des russischen Landes, die Pinsel und Farben sprechen lassen…

…und Ideen haben. Statt Altreifenschrott Schwimmvogelglück im Datschavorgarten. Das sollte auch mal bei uns eingeführt werden. VHS-Kurse für Altreifenschnitzerei!


Auf geht´s, noch knapp ein Tausender bis Murmansk. Das wäre in zwei Tagen möglich, wir machen aber fast 8 daraus, da wir mehrfach Abstecher nach links und rechts machen. Meist nach rechts, weil dort Meere und die Seen sind. Einer der Abstecher führt zum größten Wasserfall Europas. So wird er jedenfalls gepriesen, der Kiwatsch-Wasserfall in Karelien.

Und das ist er. Der Größte Europas? Ja, wenn man nicht Norwegen und die ganzen Staaten unterhalb Finnlands sowie Schweden mitzählt. Oder wenn der Begriff Europa nur auf wenige Quadratkilometer rund um den Kiwatsch bezogen wird. Also, da hat niemand übertrieben, klar?

Wobei, wenn ich ganz ehrlich bin (soll auch mal vorkommen), dann kann ich in dem Gesicht des vielleicht gerade weit angereisten Mannes nicht nur Verzückung lesen. Ich habe immer von weitem gemeckert, der Kiwatsch ist eher eine Strömung als ein Fall. Aber wenn man…

…ihn nur geschickt fotografiert, dann ist er doch ein bisschen groß. Mein Resümee: Die Fahrt dahin lohnt sich, wenn man nicht gerade die Victoriafälle erwartet.

Unser schöner Stellplatz, eigentlich ein richtiger Campingplatz, am Nordufer des Onegasees.

Abends kommen wir spontan am Ufer zusammen.

Lagerfeuer, Wodka, Lieder, der Abend nimmt einen schönen Lauf. Schaut selbst:

Impressionen, wie man sie alleine nur selten erlebt.

Gitarre spielen, bis der Finger blutet. Aber Wodka ist ein Getränk, das Schmerzen in der Gegenwart nicht zulässt.

Ups, das Wässerchen ist heute doch stärker als erwartet.

Ob ich den Bus heute fahren dürfte, – nach gestrigem Abend. An, ich lasse es dann doch.

Es ist ein aus Korea stammender Bus. Plüschig harmonisch gestaltet, wie man es in Fernost liebt.
Wir sind auf dem Weg zu einer traurigen Stelle. Sandomukh, eine Erschießungsstelle Strafgefangener während der Stalinzeit:

Traurig sind auch die Straßen am nächsten Morgen. Auf 15km müssen wir uns da durch arbeiten. Obwohl ich fairerweise sagen muss, dass die Straßen jedes Jahr besser werden und das, was ihr hier seht, wirklich das Schlechteste an Straße auf unserer Reise war. Da kann man 15 Kilometer auch mal aushalten und es schön langsam machen, wie die Igel….

Die lachen immer, egal was für ein Wetter ist. Ja, Leute, ich muss euch sagen, ihr seid immer gut drauf – es macht Spaß, mit euch durch den Norden unterwegs zu sein. Na, meist hat es nachts geregnet, tagsüber sind wir bisher nur einmal im Peterhof erwischt worden. Wobei da schon eine Stunde später die Sonne wieder schien. Heute soll es ein bisschen länger dauern. Aber wir haben ja keine Cabrios mit klemmendem Dachschließmechanismus…

Zu Besuch im karelischen Kleider- und Souvenirgeschäft. Mit Stolz präsentieren die Verkäuferinnen ihre eigens in der benachbarten Fabrik handgefertigten Produkte.

Nach zwei Tagen am Onega-Nordufer kommt die nächste Etappe nach Norden. Wir wollen hoch bis ans Weiße Meer. Dazu geht es über die M18 – meist locker, aber in den wenige Kilomter langen Baustellen erleben wir den Wilden Osten:

Warten, weil…

…sich ein Sattelzug im weichen Unterbau der Straße festgefahren hat. Da hilft….

…nur schweres Gerät. Die Raupe hätte den LKW auch ohne Räder rausgezogen. Unsere Wohnmobile sind übrigens alle durchgekommen – Kompliment, ihr Fahrer.

Ich liebe Ideenreichtum, daher hier nochmal ein Landlebenkurs: Kampf dem Plastikflaschenmüll: Seht ihr die weißen runden Dinger auf den Holzpfosten und dem blauen Fass?

Schweinisch nett, nicht?

Unser Stellplatz an Schleuse 18 am Ende des Weißmeerkanals. Der Platz wird extra für uns zum Campingplatz eingerichtet.

Blühende Umgebung, die nördliche Fauna brennt ihr Feuerwerk ab.

Und wir unseres. Schaschlik, herzhaftes Gemüse, Wodka und andere Getränke im Laufe das Abends. Macht viel mehr Spaß gemeinsam, als wenn ich alleine da eine Feier vom Zaun brechen müsste. Habe ich übrigens auch noch nie gemacht. Alleine eine Schaschlikparty…Und wenn ich das dann doch mal mache, dann sagt mir bitte Bescheid.

Na, richtig wild haben wir es ja nicht werden lassen, denn heute sind wir alle fit. Rauf an Bord des großen Katamarans, der uns….

…über das Weiße Meer bis zur Klosterinsel…

…Solowki bringen wird.

Impressionen der wieder aktiven Klosterinsel. Wir sind hier den halben Tag unterwegs und besuchen das ganze Kloster mit seiner bewegten Geschichte.

Ein trauriges Kapitel ist die Stalinzeit. Statt Glaubensausübung wurden hier Strafgefangene verwahrt.

Vitali besucht zum ersten Mal Solowki. Da sind die anderen nie hingefahren. Kann ich nur den Kopf schütteln, wie man an so viel Schönem vorbeifahren kann. Aber das weiß ja in der Zwischenheit fast jeder, ich bin jetzt still…

Nun noch ein kleines tierisches Erlebnis auf Solowki. Hauptrolle spielt die Weiße. Sie ist – ihr Verhängnis diese Tage – rollig. Das hat sich schnell herumgerochen. Und nun sind die Kater nicht mehr zu halten. Hinterher, egal wohin die Weiße auch flieht.

Dann einkreisen und stellen

Und dann müssen sich die meisten Kater gedulden.

Wir sind längst zurück von unserem Klosterinselausflug. Einige Hundert Menschen leben heute auf der Insel, die trotz ihrer Lage im Hohen Norden ein mildes Mikroklima hat.

Am späten Abend legen wir wieder am Festland in Belomorsk an. Die aus der Sowjetunion stammenden Gebäude in der Umgebung zerfallen, dazwischen steht…

…eine Leninbüste, ein stiller Zeuge des Zerfalls der Sowjetunion. Glücklicherweise hat sich seitdem, besonders in den letzten 10 Jahren, vieles zum Guten entwickelt. Eine gute Versorgungslage, immer besser werdende Straßen, kaum Kriminalität – da ist mancher deutscher Ort viel riskanter. Wie schön und sicher und interessant der Hohe Norden noch ist – das erzähle ich in meinem nächsten Bericht.

Danke für das Warten

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