Eine Zeitreise durch die 5000-jährige Geschichte

Liebe Oman-Freunde,

Wir haben den Kurs zurück in den Norden genommen! In wenigen Tagen schließen wir unsere unglaubliche Abenteuerreise durch das Heimatland vom Sindbad dem Seefahrer ab. Shisr und auch das Wadi Dawqah mit seinen Weihrauchbäumen sind seit 2000 UNESCO-Weltkulturerbe. Damit wurde der historischen Bedeutung dieser Orte, die alle Teil der Weihrauchstraße waren, Rechnung getragen. Im Wadi Dawqah hat man geschafft, junge Bäume in großer Zahl anzupflanzen und zu kultivieren. Es gibt etwa 25 verschiedene Arten von Weihrauchbäumen.





Im Dhofar, wo die riesige Rub al-Khali auf das karge, von ausgetrockneten Flussläufen durchzogene Dhofar-Gebirge trifft, ist die Spezies „Boswellia sacra“ weit verbreitet. Die Ernte des Weihrauchs geschieht heute noch wie vor 3000 Jahren. Die Rinde des Weihrauchbaumes wird am Stamm und an dicken Ästen mit einem spitzen Messer fast waagerecht eingeritzt. An dieser verletzten Stelle „blutet“ der Baum ein Harz aus. Zunächst ist es weiß, doch dann wird es hellgelb, und nach dem Trocknen ist es durchsichtig wie Bernstein. Der Saft dieses ersten Schnittes ist allerdings wertlos und wird weggeworfen. Drei Wochen später wird die Rinde wieder vorsichtig angeritzt, und nach weiteren drei Wochen Trocknen wird dieses Weihrauchharz abgeschlagen. Allgemein gilt, je heller die Farbe, desto besser die Qualität, da der Weihrauch dann weniger verunreinigt ist.


Die Kamelkarawanen passierten Handels- und Lagerstationen, auch das legendäre von „Lawrence von Arabien“ als das „Atlantis der Wüste“, bezeichnete Ubar. Im Koran wird in der 89. Sure erwähnt, dass die Stadt von der Erde verschlungen worden sei, da sie zu reich und lasterhaft geworden war. Mitten im Ausgrabungsgelände befindet sich ein großer, etwa zwölf Meter tiefer Krater. Es handelt sich dabei um eine Kalksteinhöhle, deren Decke eingebrochen ist. Falls dies passiert sein sollte, während die Stadt voller Menschen war, so könnte dies die Grundlage für die Berichte über eine Untergangskatastrophe sein. Aufgrund der Wasservorkommen bei Shisr entwickelte sich der Platz schon vor mehr als 5000 Jahren zu einem Zentrum der Region. Zur Blütezeit des einträglichen Karawanenhandels mit Weihrauch war Shisr der letzte Ort vor der wasserlosen Wüste, an dem die Karawanen ihre Vorräte auffüllen konnten.













Wir wollen die Heldentaten von Winfried Thesiger und Lawrence von Arabien nicht wiederholen, da unsere Wohnmobile den Kamelen als bekannten „Schiffen der Wüste“ nachgeben und trotzdem drängen wir 80 km weiter bis Hashman in die größte zusammenhängende Sandwüste der Welt. Durch die extremen Tagestemperaturschwankungen und das fast völlige Fehlen von Oasen gehört die Wüste zu den einsamsten Regionen der Erde, was ihr den Namen gab: Rub al-Khali, das „Leere Viertel“. Mit Geländewägen fahren wir bis in die ersten, schon sehr mächtigen Dünenketten hinein, denn dieses abgelegene Gebiet gehört zu den schönsten und eindrucksvollsten Landschaften Omans. Im Nejd-Gebiet leben, im Gegensatz zu den sesshaften Viehzüchtern in den Bergen des Dhofar, hauptsächlich Beduinen, die ganz einzigartige und seltene schwarze Dromedare züchten. Die Gegend rund um Hashman ist ein El Dorado für Mineralienjäger. Man vergisst die Zeit beim Suchen von Geoden, kartoffelgroße Feuersteinknollen und Quarzdrusen, deren Innenwand mit kleinen glitzernden farblosen, milchigen, hellgelben oder hellblauen Quarzkriställchen ausgekleidet ist.










Wir setzten unseren Weg aber am Rande der Sandwüste fort und überqueren das 40.000 qkm große Gebiet der Kieswüste Jiddat al-Harasis, benannt nach dem Stamm der Harasis, der hier lebt. In scheinbar leblosen und flachen Steinwüste gibt es überraschend viel Leben: wie dieser Kegelkopfschrecken der Art Poekilocerus bufonius in der Nymphen Phase auf den Blüten des hochgiftigen Wolfsmilchgewächses. Die Jiddat Al-Harasis ist auch der Lebensraum der arabischen Oryx-Antilope. Nachdem diese Rasse in der freien Wildbahn fast ausgerottet war, hat man es durch ein groß angelegtes Projekt geschafft, ihnen hier wieder eine Heimat zu geben. Das Auffälligste an den edlen Tieren ist ihre schwarze Kopfzeichnung und ihre spitzen knapp einen Meter lang und spiralförmig gedrehten Hörner. Oryx können besser als jedes Kamel sehr lange ohne Wasser leben. Ihnen reicht die Feuchtigkeit, die sie durch die Nahrung und den Morgentau aufnehmen – der längste bekannte Zeitraum ohne zu trinken beträgt elf Monate. Heute leben etwa 350 Oryx-Antilopen in der Jiddat al-Harasis. Die Sandgazellen und syrische Steinböcke sind auch ein Teil des Projekts zur Population-Wiederherstellung der bedrohten Spezies in Oman.







Kurz vor Nizwa besichtigen wir noch eine Oasensiedlung Al-Faiqain, deren ungewöhnlich geformtes Fort aus dem 16. Jh. man schon von weitem erkennen kann. Auffallend sind zum einen die Höhe der flächenmäßig eher kleinen Anlage und zum anderen die zwei schlanken eckigen Türme an den Seiten des Forts. Rundherum stehen die Ruinenlabyrinthe des 300 Jahre alten Ortskernes. Nicht weit weg bei dem Örtchen Zuakait sieht man eine Reihe von Bienenkorbgräbern, die von den westlichen Grenzen der Verbreitung der uralten Umm-an-Narr-Kultur zeugen.












Auch Nizwa, die wohl touristischste Stadt des Oman, bleibt nicht ohne unsere Aufmerksamkeit. Diese geschichtsträchtige Oase war vor allem im 17. Jahrhundert blühendes Zentrum von Religion, Philosophie, Kunst und Handel. Schon im 8. Jahrhundert wurde Nizwa zur Residenz des 1. ibaditischen Imams und somit zur Landeshauptstadt ernannt. Das architektonisch einmalige Fort mit seinem monumentalen 35m hohen runden Turm, der allwöchentliche Tiermarkt und die Souqs bieten eine abwechslungsreiche und überschaubare Palette an Sehenswürdigkeiten. Für die traditionelle Silberschmiedekunst ist Nizwa ein wichtiges Zentrum, sozusagen die „Silber-Hauptstadt“.








Wir verlassen Nizwa am Freitag und haben eine gute Möglichkeit den örtlichen Tiermarkt mit all seiner Hektik und Rummel zu erleben. Etwa ab 8 Uhr treffen sich Händler und Kunden auf dem gepflasterten Areal unter Schatten spendenden Palmen. Die zu verkaufenden Tiere – meist Ziegen, Schafe und Kühe– warten auf den im Wadi geparkten Pick-ups oder werden an die Pfosten auf dem Platz angeleint. Wenn es soweit ist, werden sie von ihren Besitzern geholt und in einem Kreis auf der Mitte des Platzes herumgeführt. In und um dieses Rondell sitzen die potenziellen Käufer. Diejenigen, die am Kauf interessiert sind, winken den Besitzer heran, unterziehen das Tier einer kurzen „Fleischfestigkeits-Kneif-Prüfung“ und versuchen den Preis herunterzuhandeln. Am Rande des Kreisels warten in unauffälliger Zurückhaltung die Frauen, denen offensichtlich oftmals die letztendliche Kaufentscheidung und die Verwaltung des Geldes obliegen.














Die malerische Oase mit dem treffenden Namen Birkat-al-Mawz, was übersetzt „See der Bananen“ heißt, besitzt alte Ortsteile aus Lehm, die gut versteckt im Palmenhain und oberhalb der Oase auf einem Felsen liegen. Die Bewässerung der Gärten erfolgt wie seit Jahrhunderten mit dem Wasser, das der 36 km lange Falaj Khatmayn aus den Bergen bringt. Wir bleiben über Nacht im Wadi Muaydin, das ideale Möglichkeiten zum Wandern bietet und erkunden am nächsten Tag das Saiq-Plateau des Jebel Akhdar. Der Name „Grüner Berg“ verdankt vielmehr der Tatsache, dass die Region zu den fruchtbarsten des Landes gehört. In den Obstgärten und auf den ausgedehnten Terrassenfeldern gedeihen Mais, Granatäpfel, Aprikosen, Pfirsiche, Mandeln, Walnüsse, Weintrauben und Rosen – aus denen das berühmte und teure Jebel Akhdar-Rosenwasser destilliert wird. Wir gehen durch die Terrassenfelder spazieren und erreichen einen der schönsten Aussichtsplätze auf dem Jebel Akhdar, der auch als „Diana’s Point“ bekannt ist, da hier Prinzessin Diana zu einem Picknick verweilt haben soll. Auf dem gegenüberliegenden Berghang sind unzählige kleine Terrassenfelder angelegt. Wenige Meter bis zur Abbruchkante, wo sich ein fantastischer Blick auf die umliegende Bergkulisse und die Terrassenfelder an den Hängen bietet, gibt es in Felsenschichten zahlreiche Fossilienabdrücke, in welchen Ammoniten, Würmer, Algen, Schwämme und andere Lebewesen zu erkennen sind – Ein Paradies für Geologen und Paläontologen!



















Nordöstlich von Al-Hamra liegt das kleine Bergdorf Misfat al-Abriyeen, das sicherlich zu den schönsten Dörfern Omans zählt. Der alte Ortskern von Misfah ist vollständig aus Natursteinen gemauert und klebt förmlich an einem steil abfallenden Berghang, wohingegen am Nordrand die Flanken des Jebel Akhdar steil ansteigen. Hinter dem Stadttor finden in den engen Gassen nur Fußgänger ein Durchkommen. Unterhalb der Häuser sind die Gartenparzellen und Falaj-Kanäle kunstvoll in den terrassierten Hang eingearbeitet. Südöstlich von Al-Hamra bestaunen wir die vielleicht schönsten Felsgravuren Omans „Hassan Bin Sult“. Hier sind mehrere menschliche Figuren zum Teil erstaunlich detailgetreu eingraviert. Am besten sind die Gravuren am frühen Morgen zu sehen, wenn die Sonne von der Seite da rauf fällt (danach nur noch mit viel Fantasie). Die alte Lehmsiedlung Al-Hamra selbst besteht aus mehrstöckigen Ziegelhäusern aus dunkelrotem Lehm, die über einem Steinfundament errichtet wurden. Im Museum Bait al-Safah, das in einem alten typischen Lehmhaus unterbracht ist, pflegt man liebevoll Traditionen und Kultur der hiesigen Menschen. Hier erleben wir live, wie das omanische Brot gebacken, Kaffee geröstet bzw. gemahlen wird, sowie Früchte des persischen Wachholders zum Öl verwertet werden. Anschließend machen wir noch einen abendlichen Spaziergang durch die Lehmstadt, wo wir die einzigartigen Türen bewundern.




















Oman zu verlassen ohne “Berg der Sonne“, den höchsten Berg Omans zu besuchen, wäre sehr schade. Das Plateau liegt unmittelbar oberhalb einer gewaltigen durch Wadi Ghul gebildeten Schlucht, die zu Recht der „Grand Canyon“ Omans genannt wird. Auf dem Weg sieht man den Bergdorf Ghul aus Lehmziegeln und groben Steinen. Links vom Ort zieht sich eine alte Steinmauer den Berg hinauf, auf dessen Kamm die Reste eines noch älteren Dorfes aus der frühislamischen Zeit liegen. Die Häuser bestanden aus Naturbruchsteinen, die völlig ohne Mörtel aufgeschichtet wurden. Die Bewohner dieser Region sind bekannt für ihre Webkunst, vor allem die aus Ziegen- und Schafwolle gewebten Decken Saha. Sie wurden ursprünglich zu Satteltaschen vernäht, werden heute aber als Teppich genutzt. Das Weben in dieser Region ist selbst reine Männersache. Am fast senkrechten Hang hinunter in die Schlucht sind sogar einige Terrassenfelder angelegt, obwohl es unmöglich scheint, dorthin zu gelangen. Wir gehen stets am Canyon entlang, der uns fantastische Ausblicke bietet. Nach der ausgiebigen Mittagspause besichtigen wir noch ein paar schwererreichbare Plätze und kehren zu unserem Stellplatz auf dem Plateau und beobachten den herrlichen Sonnenuntergang. Vonhier sehen wir die Jebel Mischt-Spitze, dort bleiben wir über unsere letzte Nacht in Oman.









Aber bevor wir endgültig Abschied von Oman nehmen, besuchen wir noch das größte Lehmfort Omans Hisn Tamah (17. Jh.), das im 17. Jahrhundert auf den Resten einer älteren persischen Anlage erbaut wurde und als erhaltenswertes Weltkulturgut in die Liste der UNESCO eingetragen ist. Die Außenmauern sind ungewöhnlich hoch und bestehen zum Großteil aus Lehmziegeln, die im unteren Bereich durch Natursteine stabilisiert werden. Im Inneren ist die Anlage noch etwas karg, doch trotzdem macht es Spaß, in ihr auf Entdeckungstour zu gehen. Deutlich ist zu sehen, dass das Fort über viele Epochen in unterschiedlichen Bauabschnitten entstanden ist. Die ältesten stammen aus vorislamischer Zeit.












Bahla war einst das Zentrum des Töpferhandwerks, dessen Produkte im ganzen Land berühmt waren, doch in der heutigen Plastik- und Aluminiumwelt hat die Nachfrage sich verringert. Um die Töpferkunst vor dem Aussterben zu bewahren, wurde in Bahla eine Keramikfabrik gegründet, wo ausschließlich nur Omanis ausgebildet und angestellt werden. Die alten, mit Reisig und Holzabfällen befeuerten Brennöfen haben nur noch Nostalgiewert, heute sorgen Strom oder Gas für die Hitze.




























Das historische Gebäude des Palastes von Jabrin gehört zu den schönsten und interessantesten Omans und war ursprünglich kein Fort, sondern ein Wohnschloss. Die Einrichtung mit traditionellen Gegenständen und antiken Möbelstücken vermittelt einen besonders lebendigen Einblick in das höfische Leben des mittelalterlichen Oman. Der Palast, der eigentlich ein Ort des Wissens und eine prachtvolle Wohnresidenz sein sollte, wurde mit Wehrmauern und Kanonentürmen aus zwei Meter dicken Wänden befestigt. Mit all ihren gestalterischen Details zählt die Innenarchitektur zu den Glanzstücken traditionell omanischer Wohnkultur. Besonders erlesen sind die zahlreichen Gemälde an den Holzdecken, die aus einer Vielfalt feiner, formreicher und farbenfroher Blütenketten, Blattranken, Ornamentmustern und arabischen Schriftzügen bestehen. Mehrere Regalbretter unterteilen die Nischen, die dadurch als Schrankersatz und Abstellfläche für traditionelle Gebrauchsgegenstände dienen.




















Unsere letzte Station in Oman ist die Oase al-Ayn. Die Menschen, die schon ab Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. in diesem Tal lebten, gehörten der Umm-al-Nar-Kultur an. Wegen ihres Kupferhandels mit den frühen Reichen jenseits des Persischen Golfes stellt sie einen ersten Höhepunkt in der Geschichte dieser Region dar. Allerdings ist noch nicht geklärt, warum die bedeutende Oasenstadt gegen Ende des 3. Jahrtausends so plötzlich unterging. 21 dieser sogenannten Bienenkorbgräber stehen in einer Kette aufgereiht vor dem markant zerklüfteten Gipfelmassiv des Jebel Misht, dessen südöstliche Flanke fast senkrecht in die Tiefe abbricht. Die deutsche Übersetzung des Namens – „Misht“ = „Kamm“ – beschreibt die Gestalt dieses Kolosses nur allzu treffend. 18 Stück haben noch ihre ursprüngliche Gestalt, lediglich drei sind zu Steinhaufen zusammengefallen. Sie bestehen aus grob behauenen Steinen, jeder Bau ist drei bis vier Meter hoch und hat einen bogenförmigen Eingang. Manche haben mehrere Mauern, die die Grabkammer wie eine Zwiebel umschließen. Die Eingänge sind alle nach Osten ausgerichtet. Im Inneren sind die Gräber leer, doch Archäologen fanden Keramikreste, an denen man das Alter der Gräber genau festmachen konnte.



Auf dem Weg zur Grenze machen wir noch einen kurzen Stopp im malerischen Ort Al-Sulaif, der vollständig aus Lehm erbaut ist und der Bam-Festung im Iran sehr ähnelt. Wegen seiner fruchtbaren Lage am Zusammenfluss von Wadi Al-Ayn und Wadi Sanasyl weist er eine lange Besiedlungsgeschichte auf. Zum Schutz vor den Wadifluten wurde Al-Sulaif auf einem sanft ansteigenden Felshang gebaut, und um Angreifern das Eindringen zu erschweren, ist es vollständig mit einer Stadtmauer umgeben und durch Wehrtürme gesichert. So konnte der Ort auch den wahhabitischen Truppen, die im 19. Jahrhundert von Buraimi aus alle umliegenden Orte besetzten, Widerstand leisten.

Es war eine abenteuerliche und unglaublich schöne Reise in den bezaubernden Orient! Und es war für mich eine Ehre mit Euch durch dieses märchenhaftes Land zusammenzureisen. Weiter geht es in das Emirat Abu Dhabi und an dieser Stelle nehme ich Abschied von Euch und gebe das Wort an Kostya und Arthur. Und wir sehen uns wieder irgendwo in Asien!

Euer Artem

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