Paradiesischer und höllischer Persischer Golf

Liebe Orient-Reisende,

Da ist er, der unbekannte und so weite Persische Golf, vor dem wir so viel geschwärmt haben und den wir nicht richtig ernst nehmen wollten oder konnten. Etwa 70 Kilometer vor dem Golf des Indischen Ozeans, bevor wir den letzten Gebirgszug überwunden haben, gab es die erste Vorwarnung:


45 Grad plus (und das im Oktober). Die erste Akklimatisierungsnacht im Thermalpark Genu ließ uns schwitzen und in feuchte Handtücher einwickeln. Die unglaubliche feuchte Hitze sorgte für eine schlaflose Nacht und selbst Schwefelbäder mit dem 36 Grad warmen Wasser wirkten erfrischend wie ein Labsal.



Die Belohnung für unsere Leiden in der Nacht war aber der Werbeprospekt-Sonnenaufgang und das in den Strahlen leuchtende Meer. Schlafen konnten wir eh nicht und ganz spontan haben wir uns für einen Ausflug von Bandar Abbas auf die Hormoz-Insel mit der Früh-Fähre entschieden. Die Fähre sah etwa moderner aus als die Holzfischerschiffe im Anlegehafen und war sogar klimatisiert. Schon auf der Insel haben wir den zweiten Schock erlebt, den ich nur mit dem Gefühl vergleichen kann, wenn man aus der -35 Grad-Kälte den warmen Raum betritt: Die Brille, Kameralinsen sind in wenigen Sekunden angelaufen und der kalte Schweiß tritt auf.






Unsere Abenteuerlust konnte dies doch nicht stoppen. Wir stiegen ganz schnell in den klimatisierten Wagen ein und machten uns auf den Weg, die nahe liegenden Ruinen der portugiesischen Fortfestung aus dem 16. Jahrhundert zu erkunden. Das Fort wurde aus dem auf der Insel vorkommendem Baumaterial Korallen-, Muschelkalkstein und Roteisenstein gebaut und verfügt über eine unterirdische katholische Basilika. Neben dieser Fortanlage ist ein fortähnliches Haus zu sehen, das nach dem Entwurf von Faradiba, der Frau des letzten iranischen Schahs Pahlavi, und für sie als Winterresidenz erbaut wurde.








Es ist nicht mehr draußen auszuhalten und wir gehen in das Museumshaus von dem weltanerkannten Künstler Dr. Nadalian, der seine Kunst zu einem erfolgreichen Sozialprojekt erklärte. Das Haus selbst war einst das dunkle Reich des Drogenkonsums und ist nach der Restaurierung durch Dr. Nadalian zu einem kunsttherapeutischen Rehazentrum für Drogensüchtige und alleinstehende Frauen geworden.













Eine Rundreise durch die Insel lohnt es sich auf alle Fälle. Bizarre Fels- und Salzlandschaften des mineralienreichen Eilands faszinieren und lassen uns auf die fernen Planeten des weiten Universums reisen.







Malerische Buchten und Katzengoldstrände laden zum Baden ein, Blutsteinwege und Vogelwelt lassen uns einfach nicht los. Nur einsame und fast erschreckende Roteisensteinfabrik, die so wichtig für die moderne Pharmaindustrie ist, bringt uns zurück auf den blauen Planeten und erinnert uns, dass unsere Fähre in 40 Minuten auf das Festland ablegt.







Wieder in die chaotische Welt von Bandar Abbas mit dem Kopf eingetaucht, haben wir auf dem Fischmarkt frischen Fang für den heutigen Grillabend gekauft und beeilten wir uns die riesigen Ölindustrieviertel zu verlassen, um wieder Natur pur zu genießen. Die unglaublichen Landschaften unterwegs erinnerten uns an den kurzfristigen Ausflug in die fernen außerirdischen Welten.










Erst am letzten Tag haben wir endgültig eingesehen, wie schön es am Persischen Golf ist und wie kühl es bald wird. Schroffe Berge, Akazienbäume, Dromedare, Flamingos haben uns bis zum unseren letzten Stellplatz am Persischen Golf begleitet und der einsame Küstenhighway hat uns zum Ziel, einer malerischen Lagune gebracht. Ab ins erlösende frischmilchwarme Wasser, wo wir fast im Nirvana-Zustand den ganzen Nachmittag bis zum Abend verbracht und beim Sonnenuntergang das Wasser-Meeting gemacht haben.

Der Persische Golf hat bei uns ambivalente Gefühle hinterlassen. Es war ein höllisches Paradies oder eine paradiesische Hölle. Auf alle Fälle haben wir uns alle am letzten Tag geeinigt, dass wir nicht wegfahren wollten und gerne hier noch ein paar Tage bleiben würden. Die Reise muss aber weiter gehen und die historische Provinz Pars wartet auf uns!

Bis bald im historischen Persien!

Eure Sirous und Artem

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