Der letzte Streich in Asien! Timor und ab aufs Schiff

Liebe Mitreisende!

Nun habt ihr Zuhause den großen Asienabschnitt fast geschafft. Fast 11 Monate mitgefiedert und gelitten und geträumt. Nur noch eine Fähre, nur noch eine indonesische Insel, nur noch ein asieninterner Grenzübergang. Nur noch ein .. Wie bitte? Was heißt hier „nur“? Es ist zum Ende der Asiendurchquerung noch mal ein ganzes Paket an Herausforderungen zu bewältigen. Das Visum und Erlaubnis für die Einreise über Land nach Timor Leste, dazu die letzte innerindonesische Fähre – allein das hält mein Team und mich ganz schön auf Trapp. Dazu kommt die ansehende Verschiffung von Dili, Timor Lestes Hauptstadt, nach Darwin. Es ist für uns Organisatoren neben der ostindisch-burmanesischen Abschnitt und der Fährpassage von Malaysia nach Sumatra der heftigste Teil der Reise. Aber gerade von diesen Erfahrungen lebt ja das Abenteuer. Und gerade diese spannenden Rahmenbedingungen werde ich auch in dem nächstes Jahr herauskommenden Buch erzählen.

Doch nun zurück zur Abenteuerfront, die letzte Fähre steht an.

Es wird wie bei der Charterfähre von Sumbawa nach Flores wieder ein unendliches Rangieren und Rechnen, bis alle Fahrzeuge an Bord sind. Das ist unsere längste und auch teuerste indonesische Fähre, wir sind mit mehr als 1000 Euro dabei, doppelt so teuer wie die offizielle Fährfahrt – allerdings mit Planungssicherheit – und unendlich Zeit haben wir nicht. Bald läuft auch das Visum für Indonesien aus. Die Fährauffahrt ist wieder nichts für Tieflieger. Am neuralgischen Knick werden Taue ausgelegt, um das Aufsetzen zu mildern. Die meisten von uns kommen aber glatt durch, die anderen zumindest unbeschadet. Wir sind nach den letzten 45000 Kilometern Asien doch schon recht abgezockte Fahrer.

Die heißesten Bilder dieser Fährpassage zeige ich euch, liebe Abenteurer, in meinen nächsten Vorträgen auf den Seabridgetreffen und in Düsseldorf. Auf jeden Fall ist es für mich ein tolles Gefühl, nun in Timor zu fahren. Ali, der Teufelskerl hat es doch tatsächlich geschafft, die Dokumente in Kupang/Timor soweit vorzubereiten, dass wir nicht warten müssen. Jeder, der über den Landweg von Indonesien nach Timor Leste, unserem letzten asiatischen Reiseland, kommt, wird dieses Problem haben. Es gibt nur in Bali eine Konsularabteilung – und diese erteilt Visa für Überlandeinreise nur unter strengen Auflagen. Ach, wie war und wie ist das alles so kompliziert. Wir benötigten z.B. Passbilder mit rotem Hintergrund. Alle die, welche sich mit dem Gedanken tragen, diese Reiseroute allein zu fahren, dürfen sich auf einen bürokratischen Marathon einstellen. Ich habe noch nie in meinem Reiseleben zuvor soviel Administrativ-Organisatorisches an der Backe gehabt, wie auf dieser Tour. Das hat mich geschafft und räumlich oft von der Gruppe getrennt. Gerne hätte ich abends mit der ATW-Bande zusammengesessen und ein Bier geschlürft. Das kam einfach sehr selten vor, ich kam oft zur Geisterstund erst an, weil fast jeder Tag Herausforderungen bereit hielt. Der Lohn war immerhin, dass wir an den Grenzen überall glatt hereinkamen und niemals irgendwo warten mussten – abgesehen von Kambodscha und Jawa, wo wir zwischen die Fronten gerieten und 1 bzw. 3 Tage brauchten, um weiter zukommen. Arthur und ich denken darüber nach, einen Ratgeber Reisetechnik Asien herauszugeben. Wäre was für verrückte Selbstfahrer. Das könnte ähnlich gut laufen wie das Buch Russland per Reisemobil. Mal sehen. So viele Ideen und Vorhaben – das Leben ist einfach zu kurz für diese interessante Welt.

Der Blick vom Reisemobilfester auf die Schilder nach Timor Leste, einem Staat am Ende der Welt und bis vor 11 Jahren in blutigen Bürgerkrieg verwickelt. Ein für mich historischer Moment.

Der vorletzte Grenzstreich – die Ausreise aus Indonesien. Alles korrekt, alles recht einfach – keiner wird hier hochgenommen, jeder fährt selbständig über die Grenze. Unser indonesisches Team im Hintergrund wird heute nicht gebraucht – im Gegensatz zur Einreise und bei Unfällen auf Sumatra und Flores. Da wären wir allein ziemlich schlecht dran gewesen.

Raus aus dem riesigen Inselreich rein ins neue Land mit neuer Grenzstation. Auch die Grenzer von Timor Leste behandeln uns völlig korrekt – vorausgegangen waren aber ein Dutzend Schreiben an die Regierung von uns und unseren Partnern aus Dili, der Hauptstadt des Landes.

Welcome to Timor Leste. Die Menschen winken uns freundlich zu und rufen laut wie in Indonesien auch: „Hello Mister“ „Ich bin nicht der Mister, ich bin der Melker“ schrieb ich einst ins Roadbook als angemessene Reaktion auf die lauten Zurufe…

Timor Leste ist ein armes kleines Land, die Spuren des Bürgerkrieges sind noch zu sehen. Der US-Dollar ist Landeswährung. Er wird von den Timoresen direkt auf der schwitzigen Haut getragen und mutiert damit zu den schmutzigsten Greenbacks auf diesem Planeten.

Die Fahrt entlang der Nordküste von Timor Leste wird noch einmal zu einem heißen Ritt. Die Straßen fast so schlecht wie im Pamir, aber dafür viel wärmer. Uns kann das nicht mehr umhauen. 150 Kilometer noch, dann ist die Messe in Asien gelesen.

Der Hahn schreit es vom Käfig. Wir sind am Ziel. Dili, Timor Leste! Alles selbst gefahren. Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis zum Frachthafen. Was nun bis zur Abfahrt des Containerschiffs nach Darwin folgt, ist….

…eine beispiellose Reinigungsaktion.

Die Fahrzeuge müssen für die strenge Einreise nach Australien supermegasaubersein. Supernmega, wie gesagt. Und so putzen wir, was das Zeug hält. Tagelang, wochenlang!!!

Blätter, Pflanzen- und Insektenreste und ähnliches organisches Zeug… das geht gar nicht. Die Quarantänevorschriften für die Einfuhr von Fahrzeugen nach Australien gelten als die strengsten der Welt.

Auch Roman reinigt wie ein Wilder. Sein T4 wird bald in unerwartet neuem Glanz erleuchten.

Unter dem Schmutzfänger ist in Schlammschichten die gesamte Reisehistorie sedimentiert

Wir konnten Franz gerade noch davon abhalten, die Innenwände des Motors zu reinigen.

Das Inferno Totale: Alles muss raus und gereinigt werden. Im Teamfahrzeug finden wir Sachen, die wir seit Einräumen nicht mehr auf der Platte hatten… Leider haben wir die Taka aus Bangladesch nicht wieder gefunden. In Dhaka hatte ich eine größere Summe Taka verloren – nun ist gewiss, dass ein andere mit dem Geld shoppen gegangen ist.

Ja Ali –da bekommen wir wieder Ordnung hinein. Ohne Dich und Chris hätte das alles so nicht geklappt. Danke an mein Team und meine Kollegen.

Einen letzten gemeinsamen asiatisch-ozeanischen Ausflug starten wir mit zwei Bussen aus Dili. Wer möchte, kann noch einmal abenteuerliches Mitfahren erleben und auf dem Dach Platz nehmen.

Wir besteigen den Hügel zur Jesus-Statue und blicken auf über 10 Monate Fahrt in Asien zurück. Wahnsinn, das war ein wahrhaftiges Abenteuer. Danke an alle ATWler, die auf der Reise gut mitgezogen und Fantastisches geleistet haben.

Der Abschlussabend kurz bevor Ali und ich abreisen werden. An dieser Stelle muss ich erneut Danke sagen an mein Team, dass das Wort Feierabend oder Freizeit nicht kennen durfte, an unsere lokalen Partner (die meisten waren gut, manche hätt` ich hängen können…), an meine Leute in dem Büro Zuhause, an alle ATWler, die sich toll für die Gruppe engagiert haben und an meine Familie, die so lange auf mich verzichtet hat. Bisher war das Glück auf unserer Seite – wir haben mit unseren Reisemobilen doch ein wenig Tourismusgeschichte geschrieben und eine Menge bewegt.

Damit ist die Pionierreisemobilistenexpedition bis vor das Tor Australiens vorgedrungen. Damit ist auch eine Soll-Bruch-Stelle erreicht. Schließlich fahren wir in Australien individuell. Einige bleiben fast ein Jahr in Australien, einige werden Ende des laufenden Jahres bereits in die Heimat verschiffen und einige werden wie ich im Februar den Schritt über den großen Teich nach Amerika machen.

Während wir uns nun auf die Verschiffung von Dili nach Darwin vorbereiten, laufen bereits erste Vorbereitungen für die nächste Tour nach Südasien. Es ist dann keine Pioniertour und die Fehlerquote wird nach unten gehen, gleichzeitig werden die Reisenden mehr zu sehen bekommen, weil wir nun vieles erheblich besser kennen und damit den Routen- und Besichtigungsverlauf optimieren können.

Verabschieden möchte ich mich aus dem laufenden Bericht mit einigen Aufnahmen der Verschiffung. Fließend ist die Übergabe der Aufgaben an Marc und Eva, die nun die Geschicke rund um die Frachtpassage leiten.

Wir stellen alle Reisemobile auf sogenannte Flatracks, mit denen das Verladen eine ganze Portion sicherer ist.

Aber sicher ist auch, dass die gesamte Verladeaktion wieder nichts für schwache Nerven ist. Wir haben das nötige Glück, dass auch die doppelt besetzten Racks letztendlich auf- und später wieder abgeladen werden. Alle Glücksfeen haben da noch einmal kräftig geholfen. Das ist natürlich nicht mit den RoRo-Verschiffungen von Seabridge zu vergleichen, wo die Fahrzeuge direkt auf das Schiff gefahren werden und alles ein eingespieltes sicheres Prozedere ist. Aber wir wollten dieses Abenteuer – und Abenteuer birgt immer auch Risiken in sich. Je sicherer, umso weniger Abenteuer – je wilder umso größer das Risiko. Das ist unumstößliches Reisegesetz, meine lieben Mitreisenden.

Goodbye Timor Leste. Ich mache in der Zwischenzeit auf der Messe in Düsseldorf und den Seabridge-Treffen die Welt verrückt und schwärme ganz authentisch von Ländern, die ihr unbedingt einmal selbst sehen und erfahren müsst. Indien, Nepal, Myanmar, Vietnam, Kambodscha, Laos und vieles mehr – es war einfach ultimativ fantastisch und kulturell unglaublich reichhaltig. Es war farbenfroher und intensiver als jede Tour, die ich bisher gemacht habe. Freut euch auf Vorträge in Klüsserath, Bad Dürrheim und in Düsseldorf auf der Messe.

Im nächsten Bericht erzähle ich von der Ankunft in Australien. Ab dann bin ich mit Familie unterwegs und zeige ganz hemmungslos, wie unsere zweijährigen Mädels die Welt auf den Kopf stellen. Also bitte dran bleiben – es verspricht recht amüsant zu werden.

Euer Kostya

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