China boomt ungebremst und Kostyas Pechsträhne beginnt

Während ich knapp zwei Wochen aus der laufenden Tour rausgeflogen bin – nur physisch, nicht gewollt metaphorisch… – haben alle ATWler viel erlebt, über Steinwald bei Kunming, Bergpasspassagen bis zur Schneegrenze am Rande von Osttibet und der Stadt aller Städte – Chongqing und Vororte mit knapp 35 Millionen Einwohnern! Unglaublich.

Da komme ich aus dem beschaulichen Deutschland, meinem Bingen am Rhein und dem Weltfußballclub Mainz 05, und nun das. China boomt, sie ziehen Autobahnen auf Luftlinie quer durch das bergige Land.

Im Süden boomts und brummts. Gebaut wird wie der Teufel, wer weiß, für wen. Denn so viele Kinder kommen gar nicht mehr nach. Die Chinesen sollten sich mal ein Beispiel an mir nehmen, dann wären diese Bauvorhaben auch gerechtfertigt. So sind sie vielleicht nur ein Teil der markoökonomischen Blase, die irgendwann platzen wird.

Fertiggebaute Städte und Verkehrsnetze beeindrucken uns genauso wie das,…

… was wir tagein tagaus an Verkehr und Transportgut auf den Autobahnen erleben.

Schaut euch mal an, wie sie bauen. Teuer ist das, keine Frage. Nur Fliegen ist noch höher.

Chinesische Welle: Extrabreit.

Teuer, aber dafür kerzengerade.

Was machen die Chinesen, wenn ihre Einwohner keinen Durst mehr nach Blechkühen haben?

Keine Sorge, der Hunger ist ungebrochen, dieser Boom wird noch so viele Jahre lange andauern, wie die Länge der Transportfahrzeuge in Metern ist…!

Gerade durch zum Wasserfall, voll touristisch erschlossen.

Man kann hinter dem Fall durchlaufen, alles ist voll touristisiert.

So tolle ist er gar nicht, wir hatten ich erst gar nicht im Programm, da das Wasser recht wenig sein sollte.

Aber die Rolltreppe zum Wasserfall ist schon eindrucksvoll. Es soll die längste sein, die gebaut wurde. Voll touristisiert eben. Seit China existiert dieses Verb: touristisieren. So perfekt ausstrukturierten Tourismus werden wir in keinem weiteren Land treffen.

Etwas weniger gut strukturiert – das Dasein im Cockpit unseres Teamfahrzeuges. Aber einmal Putzen lassen – das muss einfach sein.

5 Chinesen wienern was das Zeug hält. Der gesamte Schmutz und 50 Euro sind danach weg. China ist schon lange kein Billigland mehr. Alle Anrainerstaaten können vieles billiger produzieren. Milch wird sogar aus Australien importiert. Billiger, als im eigenen Land. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Alte Klimaanlage runter, neue rauf. Es wird bald so heiß und schwül, dass das Ding laufen muss.

Kurs auf die Karstberglandschaft von Guilin.

Das Wetter spielt nicht mit – unerwartet für diese Zeit. Ein großer Zyklon hat die gesamte Region fest im Griff. Mystisch und beeindruckend sieht es trotzdem aus.

Im Herzen der Karstlandschaft.

Reich ist China geworden und leistet es sich, die Umgebung zu illuminieren. Sieht auch toll aus – keine Frage. Ab Mitternacht wird es wieder dunkel, solange genießen wir das ungewöhnliche Ambiente.

Die Karstlandschaft stellt eine der wohl spektakulärsten Bühnenlandschaften der Welt dar.

Meine Fotokamera habe ich im Reisemobil gelassen – ich will einfach nur genießen. Danke dir, lieber Dieter, dass ich deine Fotos nehmen durfte.

Richtig ernst mit den Fußgängern meinen sie es anscheinend nicht. Nach wie vor muss man in China als Fußgänger mehr über- als nur leben.

Das wäre bei uns im europäischen Westen auch nicht drinnen. Stolperfalle am Zebrastreifen – immerhin steigert das die Aufmerksamkeit im Alltag für Fußgänger. Also doch gut gemeint!

Ihr, liebe Fernreisefreunde zuhause, kennt mich als den immer wieder erstaunten Modebeobachter des Ostens. Meist war Russland und seine Nachbarstaaten im Fokus. Schließlich gab es dort am meisten zu sehen in Sachen frecher fescher Mode. Nun muss ich euch sagen, dass China ganz schön nachgelegt hat. Schaut mal selbst.

Chinesische Städte schlafen nie oder nur ganz wenig. Das gilt auch für Nanning, unserer letzten Großstadt auf unserer Reise durch Südchina. Für ein paar Stunden stürzen wir uns hinein in das Nachtleben von Nanning.

Schau mal, Schatz, dahinten das pinkfarbene in Reihe 68 ist meins.

Einfach Stehen bleiben und beobachten, was da auf den Vespas spzierengefahren wird.

Essen hat in Südasien einen ganz anderen Stellenwert als in Westeuropa. Auf den Straßen wird zelebriert, bis tief in die Nacht hinein. Uuh, da kann man sich ja was holen und den Magen verderben.. Quatsch, wir haben Indien überstanden und bisher offensiv alles gegessen, was sich nicht selbständig von uns entfernen konnte. Uns geht es übrigens blendend.

Aber zurück zur Mode. Beim nächtlichen Streifzug durch die Märkte stoßen wir auf junge Leute, die modisch viel, fast zu viel riskieren. China ist längst aus seinem Birkenstocktraum erwacht und spielt nun ganz vorne mit bei den topmodischen Ländern der Welt. Mich freuts und euch hoffentlich auc.

Raus aus dem Vespagetümmel und zurück auf die Autobahn. So der aktuelle Plan eines jeden von uns beim morgentlichen Start in Nanning. Aber es soll anders kommen…

Alle ATW-Mobile dürfen auf die Autobahn -außer dem unsrigen. Ein Anhänger ist einer zuviel – sagt der Mautstellenboss!

Der Bappsack will uns einfach nicht auf die Autobahn lassen. Aber wir können auch anders und und ziehen unseren Peking-Joker. Dort ist von höchster Stelle die Route samt Fahrzeugen genehmigt.

Aber es bringt nichts. Der Chef der Mautstelle stellt sich gegen alle. Jetzt läuft Yong Zhi erst richtig heiß. Man muss kein Chinesisch können, um zu verstehen, dass das nicht eine Liebeserklärung ist, die unserem chinesischen Guide über die Lippen gleitet.

Den nachfolgenden Teil des Streits stellen wir aufgrund der Wortwahlen nur als Cartoon, zufälligerweise an der Mautstelle ausgehängt, dar. Aber wir haben verloren. Recht haben und Recht kriegen sind zwei verschiedene Dinge. So trennen wir uns. Yong Zhi zieht weiter mit allen anderen Reisemobilen auf der Autobahn, nur wir mit Hänger müssen es bei einer späteren Autobahnauffahrt versuchen.

Ha, scheint zu klappen. Viel später eine weitere Autobahneinfahrt. Sie lacht, nimmt unser Nummernschild.

Dann der Griff zum Telefon. Der Ar.. von der ersten Mautstation hat gepetzt, alle weiteren Stationen der Provinz sind per Telefon informiert, Kostyas Womo mit Hänger nicht auf die Autobahn zu lassen. Also müssen wir uns per Landstraße weiter bis zur 300 Kilometer entfernten Provinzgrenze durchschlagen.

Und das geht voll in die Hose. Megestaus auf den Landstraßen lassen uns manchmal Stunden lang fest sitzen.

Geduld, Geduld. Wieder ein Stau. Wieder warten. Aber Chris und ich sind im Womo, und mit Jörn und Yong Zhi und Chang ein super Team, das wunderbar alle Orgafragen der Gruppe ohne Captain Kost schaukelt. Klare Sache – so eine Tour kann man nicht alleine schaffen. Weder als Teilnehmer, noch als Reiseleiter.

Ach, ist ja echt der Wurm drinnen. Kaum haben wir´s auf die Autobahn geschafft –BUMM!! Fetter Platzer hinten links, der sogar den Schmutzfänger mitgerissen hat. Wenn ein Reifen mit vollem Druck platzt, kann das schon mal ein Loch in den Boden des Aufbaus reißen. Hat es bei uns aber nicht. Trotzdem ist das Flicken unangenehm an dieser Stelle. Die LKW fliegen wie die Irren vorbei.

Rumms! Der hat nicht mehr bremsen können und raucht in die Notrampe. Auch sein Vordermann steht mit glühend heißer Bremsanlage am Rand.

Vollgepackte überladene LKW die langen Gefällestrecken runter – da kann man als Reisemobilist nur schön ausweichen.

„Rollstuhlfahrer aufgepasst“ – ist fehlinterpretiert. Runterschalten in der langen Gefällestrecke ist gemeint.

Sch.. ein Crash und einer von uns ist involviert. Glücklicherweise keine Verletzten. Aber die Pechsträhne will seit dem Mautdebakel nicht mehr abreißen. Die nächsten Tage sind wir armen Reiseleiter mit Abwicklung und Reparatur rund um die Havarie beschäftigt.

Ich hätte das Schild mit dem Slip mal besser nicht wörtlich verstanden, sondern als ein Hinweis auf jede Menge kleiner und größerer Stellen, an denen ein Reisemobilweltumrunder ausrutschen könnte.

Aber irgendwie lebt ja eine Geschichte von diesen kleinen und großen Missgeschicken – man muss die Ereignisse annehmen, wenn sie denn erst mal geschehen sind. Und das, lieber Leser Zuhause, haben alle Beteiligten super hinbekommen. Immer das Beste draus machen, immer weitermachen, immer wieder aufstehen. Du, lieber Yong Zhi, hast es jetzt geschafft, hast uns durch dein faszinierendes Reich der Mitte geführt du auch alle wieder über die Grenze bekommen. Hut ab, du warst und bleibst ein ganz Großer! Danke von uns allen an dich.

Ihr bleibt uns bitte treu, wir stürzen uns gleich ins nächste Abenteuer. Vietnam mit dem eigenen Reisemobil ist heute nicht so einfach zu stemmen. Eigentlich darf zur Zeit kein Ausländer mit eigenem privaten Fahrzeug rein. Eigentlich…

Ob es bei uns klappt, erfahrt ihr im nächsten Bericht

Euer Kostya

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