Indian Summer in Armenien

– Eine märchenhaft schöne Fahrt durch das uralte Land

Ja, mit dem Iran ist es nun tatsächlich vorbei. Zumindest innerhalb der nächsten 45 Sekunden, denn die nächsten zwei Aufnahmen stammen noch aus Persien, das uns einfach nicht loslassen will. Dabei sollen auch die nächsten Fahrtage durch den bergigen Kaukausus in nichts den Erlebnissen im Iran nachstehen.

Die Berge liegen schon in Armenien, wir aber befinden uns noch südlich des Flusses Aras, der Armenien von dem heutigen persischen Reich trennt.


Grenzprozedere auf der iranischen Seite, welches aber relativ locker vom Hocker von der Bühne läuft. Man kennt uns und wieder schafft es mein tolles Team Hossein, Ali und seine Leute, uns ohne Fahrzeugkontrolle durch den iranischen Zoll zu schleusen. Dann aber kommen die Russen. Die Russen sichern die GUS-Außengrenzen Armeniens, das als christliches Land zwischen Iran, Türkei und Aserbaidschan eingeklemmt ist. Ziemlich streng und sogar provokant ist die Kontrolle, wir sind überrascht. Nach dem armenischen Grenzprozedere kommt dann das, was ihr ja schon von der letzten Reportage her kennt. Wir plündern alle Geschäfte des ersten Ortes, versorgen uns nach langer Zeit wieder mit alkoholischen Getränken.


Wie ungewohnt! Unverschleierte Frauen lächeln uns auf den Werbeplakaten entgegen.


In Armenien gilt noch der österreichische Schilling, wir hatten uns die in der Europäischen Union längst abgeschaffte Währung im Vorfeld der Reise besorgt und können nun auch tanken….

Schilling in Armenien? Nein, es sind nur die Zapfsäulen, die aus Österreich stammen und nun armenischen Diesel für armenische Drams in die Tanks der Fahrzeuge befördern.


Bitte vergesst nicht, dass auch der Kaukasus ein Teil der Seidenstraße ist. Und den lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Auf geht’s in die letzten Abschnitte unserer Reise auf den Fährten des alten Handelsweges. Wir haben dafür seit Xian ein Vierteljahr gebraucht. Früher ging es per Kamel, Pferd und Maultier von Ost nach West und zurück wohl noch etwas langsamer.


Wenn es nicht Neuseeland gäbe, hätte man hier zumindest die Szenen für Tollkiens Mordor drehen können.


Die südliche armenische Bergwelt ist wild, die Pässe gehen bis auf knapp 3000 Meter hoch.


150 Kilometer am Tag haben wir angesetzt und daher genügend Zeit, das herrliche Farbenspiel des armenischen Herbstes auf der spektakulären Strecke zu erleben.


Auf Johan, drück drauf! Die Steigung hat es nämlich in sich.

Die Straße zum Kloster Tatev ist nicht wiederzuerkennen. Es wurde überall Schotter aufgefüllt und die Straße verfügen nun über einen tadellosen Anfahrtsweg. Kein Vergleich zum Vorjahr, als es noch richtig zur Sache ging.


Fantastisch gelegen ist die Klosteranlage Tatev.


Was ist das für eine Stimmung, was für ein Licht! Am späten Nachmittag statten wir dem Kloster einen Besuch ab.


Diran ist nicht nur Guide, sondern auch begnadeter Sänger. Noch jetzt beim Schreiben bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an den Klang der Stimme und dieses Ambiente denke. Wer das nicht gehört und erlebt hat, hat definitiv etwas verpasst.


Auf dem Weg zur uralten Sternwarte. Nur die letzten Hundert Meter sind etwas schwierig.


Stone Henge auf Armenisch. Was für ein Land, was für eine Geschichte! Vor 7000 Jahren haben die Menschen hier die Steine errichtet und Berechnungen angestellt.


Gespannt lauschen wir den Ausführungen von Diran.


Auf dem Weg zum Kloster Noravankh. Selbst die „Nicht-Klosterfans“ sind jedes Mal von der tollen Lage der alten Kirchen beeindruckt.


Na, ziemlich riskant, dieser Treppenaufstieg, da ein Geländer fehlt und die Stufen ziemlich hoch sind.


Weiter gen Norden, gen Hauptstadt Erewan, führt uns die Strecke. Der weite Blick in die Ebene und auf den Berg Ararat ist beeindruckend. Und wir sind freeeeeiiii. Jeder kann stehen bleiben wo er will.


Meine beiden Täubchen im milden Abendlicht am Fuße des Ararat, die türkische Grenze nur wenige Kilometer entfernt.


Lieber die Taube in der Hand…

Das weiße Täubchen haben wir für knapp zwei Euro erworben, um es wieder fliegen zu lassen. Dabei dürfen wir uns etwas wünschen.


Das armenische Täubchen… das junge armenische Paar schaut uns gespannt zu. Denn wir sind mit einer Taube noch nicht zufrieden.


Weil es so schön ist, sich etwas zu wünschen, haben wir gleich noch zwei weitere gefiederte Wünscheträger gekauft und bitten um Gesundheit und ein gutes, pannenfreies Nachhausekommen.


Es ist spät geworden, wir haben einen langen Besichtigungstag gehabt und erreichen erst zum Abend die armenische Hauptstadt Erewan. Frage an Radion Erewan: Ist es etwa schon zu dunkel?


Antwort: Im Prinzip nein, es kommt nur darauf an, wo man ist. Auf dem Ararat scheint noch die Abendsonne.


Erewan, 20 Uhr abends. Wir stoßen an auf uns, die Reise, die Welt und was es sonst noch so gibt. Vor uns keine schwierigen Grenzen mehr. Die nächsten Stunden gehören nur uns!


Endlich bin ich in so lange vermissten Händen. Und wenn wir dann heute abend oder morgen früh nach Hause ins Reisemobil kommen, herrscht eine bestechende Ordnung. Alles wieder an seinem Platz, seit Anja das Zepter schwingt.


In diesem Moment wird mir klar, dass ich gegenüber meinem Freund Achim nie mehr besser dastehen werde. Mainz 05 ist wieder mal ganz oben und ich habe meine Frau und Naira an meiner Seite.


Die Gruppe nimmt richtig Fahrt auf, wir rocken bald das ganze Restaurant. Tanzen bis in die Puppen. Das tut gut nach dem tanzfreien Iran, in dem selbst auf Hochzeitsfeiern die Geschlechter voneinander getrennt werden. Wir lassen uns nicht trennen und rocken den Laden.


Der alte Sonnentempel macht seinem Name alle Ehre. Der Indian summer geht weiter.


Eine fantastische An..- äh Aussicht genießen wir.


Stilvoll über Stock und Stein. Jetzt sind die mir schon wieder ins Bild gelaufen. Ich fühle mich wie in Russland, wo modischem Erscheinen ebenfalls eine hohe Bedeutung beigemessen wird.


Spektakuläre Täler durchziehen das Land, keine 50 Kilometer von Erewan entfernt.


Das Felsenkloster Gegard ist eines der schönsten ganz Armeniens.


Ein Großteil der Kirche wurde in den Fels hineingehauen. Eine beeindruckende Leistung der Armenier, die weltweit für ihre architektonischen und Baukünste bekannt sind.


Und wieder dringt Dirans Stimme durch den ganzen Körper. Das Vater Unser auf Armenisch berührt uns alle, egal welcher Konfession man angehört.


Na, Herrmann, wird das noch etwas mit dem Wetter heute? Schließlich stehen wir am Sevansee und hoffen nun auf Petrus Gnade.


Ja, es ist was geworden. Sonnenanbeter Gisela und Ditmar genießen die spätherbstliche Wärme auf fast 2000 Meter über dem Meeresspiegel.


Es reicht sogar zum Wäsche trocknen. Diran hat die Hosen an –denkt er zumindest.


Nach einem langen, arbeitsreichen Jahr gibt es ein paar Momente der Erholung – Diran genießt es sichtlich.


Wir singen am Lagerfeuer mit Diran Lieder und freuen uns über die schöne Welt, in der wir in den vergangenen 160 Tagen so viel Tolles erleben durften. Morgen steht der Grenzübertritt nach Georgien an, und damit wird das letzte Kapitel dieser Reise aufgeschlagen.


Natürlich dürft ihr auch diese Etappe mit uns im Internet erleben.
Bis dahin

euer Kostya


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