Zauber auf gefrorenem Eis!

<-- HOLGER, EISKALT ERWISCHT 2006

Liebe Mitreisenden, lieber Holger!

Der folgende Bericht ist insbesondere Dir gewidmet, lieber Holger, erreichen wir doch heute die Wetterstation. Aber auch ihr übrigen Nicht-Eisweg-Erfahrenen werdet eure Freude an unseren Erlebnissen auf dem Eis haben. Holger war 2006 die gleiche Strecke mit mir gefahren.


Jetzt läuft er rund und fühlt sich wohl. Das Monster von Eugen, für uns in den nächsten Wochen unser Reisemobil- wird über Tausende Kilometer gefrorene Flüsse, Seen und Sümpfe fahren.


So schön kann die Flusswelt sein. Dort, wo der Schnee vom schneidend kalten Wind weggeblasen wird, liegt das Eis blank unter unseren Rädern.


Neueis, das gefürchtete Flussphänomen, macht den Fahrern immer wieder zu schaffen. Der Fluss ist an einigen Stellen bis zum Boden durchgefroren, das nachkommende Wasser tritt nach oben aus und gefriert erneut. Erst nach einigen Tagen ist die Eisschicht so dick, dass sie auch schwere Fahrzeuge trägt. Meist ist Neueis nicht sehr tief, wie in diesem Fall. Es kann aber auch bis zu 2 Metern tief sein. Und dann bekommt selbst unser Reisemobilmonster ein Problem.


Begegnung mit Rentieren. Es sind sogenannte domestizierte Rentiere, die wenigen noch wilden Tiere sind sehr menschenscheu.


Asymmetrische Eisrüttelpiste. Das ist brutal. Mehr als 5 Kilometer in der Stunde fährt hier nicht einmal das Monster.


Nach zwei Tagen Fahrt erreichen wir eine neue Wetterstation am Rande des großen Sees, über den wir mit 70 Sachen hinweggebraust sind. Im Gegensatz zu Flüssen gefriert das Eis auf Seen glatt und sehr dick.


Spontan haben uns die Jungs von der Wetterstation zu einem Mahl mit Rentierfleisch eingeladen. Sie berichten von einem kalten Winter, in welchem sie knapp 64 Grad unter Null gemessen haben. Jetzt ist es ca. 40 Grad. Draußen Minus und drinnen Plus! Tatsächlich heizt man hier seine Behausungen auf Sommertemperatur, was uns wie eine Art sanfter Dauersauna vorkommt. 80 Grad Unterschied zwischen 5 Metern Strecke. Das ist schon beeidruckend.


Lieber Holger, als wir hier fuhren, gab es diese Wetterstation noch nicht. Sollten wir wieder einmal hier unterwegs sein, werden wir auch bei den Jungs stoppen.


LKW-Fahrer sind tagein tagaus am Reparieren ihrer Fahrzeuge. Sie sind wahre Helden, bei den extremem Bedingungen so klaglos zu arbeiten.


Ein Blick in die dunkelsten Zeiten der Sowjetunion. Ihr seht die Gebäude einer Goldmine, einem GULAG, in dem bis in die 50er Jahre Gefangene beim Gewinnen des edlen Metalls in einer der abgelegensten Regionen der Welt verschlissen wurden.


Rentiere werden auch als Transportmittel eingesetzt. Die Kälte macht ihnen herzlich wenig aus.


Wilderer oder legale Selbstversorger? Stolz präsentiert der angetrunkene Jäger seine gerade geschossene Beute, einen kapitalen Steinbock.


Jetzt müsstest du dich doch wieder heimelig fühlen. Wir sind an deiner Lieblingswetterstation. Und wir lassen es wieder richtig knallen. Sauna, roher Fisch und eine nächtliche Runde. Aber es gibt Neuigkeiten. Die beiden Alten sind nun in Rente und leben in Nowosibirsk. Bogdan ist nun mit der Praktikantin von 2006 verheiratet, nachdem er sich von seiner Frau in Nowosibirsk geschieden hat. Außerdem lebt nun noch ein zweites junges Pärchen im Nachbargebäude, Stas und Lena. Allerdings haben die jungen Frauen schon Sehnsucht nach Zivilisation, während die Jungs gerne hier bleiben wollen. Neu ist auch, dass es nun eine Satellitenschüssel gibt, die unzählige Programme in die Einsamkeit der Wetterstation bringt. Auch das dürfte dazu beitragen, dass die zwei Mädels, beide Geologinnen, hier wohl nicht sehr alt werden. Die kleine Irka, die Frau von Bogdan, erzählte uns davon, dass sie beim letzten Stadtbesuch feststellen musste, dass sie es verlernt hat, in Stöckelschuhen zu laufen, weil hier nur Pantoffeln und Filzstiefel angesagt sind, sogenannte Kottreter (Es gibt im russischen für plumpes Schuhwerk den Begriff Gownodawy=Kottreter).

Und das ist ein wahrhaftiges Alarmsignal für die entbirkenstockte Damenwelt Russlands.


Zurück zur eigenen Realität. Nach drei duschfreien Tagen kommt so eine Sauna richtig gut. Eugen und Martin genießen die kostbaren Minuten, während draußen der 40er steht.


Eugen in seinem Element. Er könnte als Akkordfischschneider arbeiten. In Windeseile hat er den Chir in dünne Scheiben zerlegt, die wir in rohem, gefrorenen Zustand gleich essen werden.
Die Hündin darf im Warmen zuschauen, weil sie vor einigen Tagen zwei Welpen geworfen hat, die nicht in der Kälte überleben würden.


Generell schlafen alle Hunde aber draußen, egal wie kalt es ist. Ihr müsst uns weiter die Daumen drücken, dass wir nicht wie jakutische Hunde leben müssen.


Die spektakulärsten Momente dieser Extremwohnmobiltour werde ich auch auf der Hausmesse Kerkamm in Elmshorn zeigen. Wer im Norden Deutschlands wohnt, sollte sich das genauso wenig wie die anderen Live-Vorträge entgehen lassen.

Bis bald

Euer mittlerweile mit rohem Fisch vollgefressene Kostya

Dir, lieber Holger eine gute Zeit in Deutschland. Viele Menschen fragen nach dir, man kennt dich nicht nur in Mainz sondern auch in Jakutien sehr gut!!!!

Dein noch immer fischessender und wieder gut riechender Kostya


05 Endlich ein halber Hunderter!
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03 Schlaflos in Jakutsk
So hat sich das unser lieber Eugen sicherlich nicht vorgestellt. Auf Grund seiner Verspätung schafft der Teufelskerl nun rund um die Uhr, damit das Allradfisch- äh Reisemobil wenigstens möglichst schnell wieder startklar für unsere Expedition ins… Mehr >



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