Vom Winde verweht – Wir stecken in der Tundra fest

Liebe Abenteuerfreunde!

700 Kilometer Off-Road ohne einen bewohnten Punkt habe ich euch versprochen – und so soll es auch kommen. Nach 150 Kilometern auf dem Fluss erreichen wir Omtschikandja, ein vor 15 Jahren verlassenes Dorf, in dem unter anderem Wolfram abgebaut wurde.

Eine gespenstische Stimmung liegt nun über dem toten Dorf. Seine Einwohner wurden in einer groß angelegten Umsiedlungsaktion sehr schnell umgesiedelt. Anscheinend so schnell, dass vieles hier zurückblieb. Geistert ein bisschen mit uns durch Omtschikandja, bevor wir dann endgültig in der Einsamkeit von Tundra und Taiga verschwinden werden.

Das einst 3000 Einwohner zählende Dorf ist zur Sowjetzeit aus dem Boden gestampft worden. Nun liegt es fast unversehrt vor uns, weit abgelegen von Verkehrswegen. Nicht einmal die Jäger mit ihren Motorschlitten verirren sich hierher. Die Fenster sind oft noch erhalten, auch alles Andere erscheint wie konserviert.


Tapeten, Poster, Teller, Bücher.


Wohnzimmerpflanzen, die seit 15 Jahren nicht mehr ge- gossen wurden.


Die Bar lädt zum Verweilen ein. Aber nur einen ganz kurzen Augenblick, denn die Flaschen sind leer.


Weihnachten in der Kantine mitten in der Abgeschiedenheit. Auch das Bäumchen ist stehen geblieben.


Bücher im Regal – das oberste trägt den Titel „Vom Winde verweht“.


Im ehemaligen Dieselheizkraftwerk. Welch ein Material hier verheizt wurde!


Die Fuhrparklagerhalle ist noch voller ungebrauchter Ersatzteile.


Eugen bedient sich, nimmt einige Sicherungen mit.


Genug Gruselkabinett. Die Kälte erscheint in den Häusern noch grimmiger, beißt im Gesicht und an den Händen. Als ob sie uns sagen will: Haut ab, Omtschikandja möchte allein gelassen werden. Diesem Wunsch kommen wir nach, wir starten nun in den ersten Tundraabschnitt – eine der schwierigsten, wie Eugen meint.

Die Weite der Tundra übertrifft alle unsere Vorstellungen. Eisige Winde lassen hier nur niedrige Pflanzen wachsen.


Jetzt wird unser Wohnmobil richtig gefordert. Der starke Wind hat an vielen Stellen zu Schneeverwehungen geführt. Aber noch bricht der Ural den vom maritimen Klima verdichteten Schnee.


Der Ural ist ein wahres Monster und schiebt sich unaufhörlich Meter für Meter wie ein Eisbrecher durch die weiße Eiswüste.

Wir werden im Auto hin und hergerüttelt, jetzt wird ein Weg geschlagen, wie das die LKW-Fahrer nennen. Ruckweise geht es manchmal nur Zentimet voran.


Aber dann passiert es doch. Auch das Monster scheint an seine Grenzen gestoßen zu sein. Der Schnee ist einfach zu hart. Fast einen halben Meter hat sich unser Fahrzeug in das feste Weiß eingefressen.


Wir stecken fest und blicken in eine sorgenvolle Miene von Eugen. Haben wir uns nun doch zu weit aus dem Fenster gelehnt? Schließlich sind wir dort unterwegs, wo vorher keine anderen Fahrzeuge gefahren sind. Drückt uns die Daumen ganz fest, die Technik darf uns nun nicht im Stich lassen.

Eisige Grüße aus der endlosen Tundra

Kostya



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