Wieder in der Zivilisation.

Liebe Freunde des eiskalten Abenteuers!

Ja, ihr könnt euch denken, dass wir auch das letzte Stück Tundra überstehen. Was ist die Freude groß, als wir endlich die Indigirka und die an ihr liegenden Siedlungen erreichen. Das Wetter bleibt friedlich, Eugen findet mit verblüffender Sicherheit das richtige Tal, welches zum Hauptfluss führt.

Damit ist die Messe für uns gelesen. Vor uns liegen nun noch einige hundert glatte Kilometer auf der Indigirka, was aber nach dem Erlebten und Überstandenen fast als TUI-Reiseprodukt durchgehen könnte – aber nur fast. In der Hoffnung, dass euch auch ohne größere Anspannung im Nacken die Bilder gefallen mögen:


Geschafft! Es gibt wieder Schilder, die im Eis der Indigirka verankert sind.


Ein Polarfuchs wird von uns überrascht und rennt in Fahrtgeschwindigkeit vor uns her, bis er nach einem zwei Kilometer langen Sprint über den Rand springt und in der weißen Weite verschwindet.


Endlich wieder Siedlungen. Selten haben wir uns so gefreut, als Gebäude am Horizont auftauchen.


Auch wenn, ehrlich gesagt, auch hier viel Schrott herumliegt und durch das maritime Klima mit Raureif überzogen ist, kommen bei uns warme Gefühle auf.


Selbst die Leninstatue ist kräftig vereist. Früher hat man sie wohl saubergeputzt, heute muss das der späte Frühling mit milden Temperaturen besorgen.


Der Motorschlitten ist hier eines der beliebtesten Transportmittel und fungiert auch als Taxi.


Schneehasen mitten in der Zivilisation. So schön ist der Norden


Ja ist denn schon Frühling? Die Jungs freuen sich über die Begegnung mit uns Außerirdi- äh Ausländern.


Kindergarten auf Nordjakutisch. Da nur milde 28 Grad Frost vorherrschen, ist Leben im Reich der Kleinen ausgebrochen. Endlich wieder ausgiebig draußen spielen.


Und sind die Kleinen nicht fotogen?


Geschafft! Martin übergibt Rosa einen Sack mit Fußbällen für die Schulkinder. Im Gegensatz zu den Siedlungen entlang der Westroute sind die Dörfer entlang der Indigirka mit Leben erfüllt. Oder ist einfach nur unsere Sinnes- wahrnehmung getrübt nach 2 Wochen Extremtrip im wildesten Reisemobil der Welt?


Silbersträhnchen für die Haarpracht? Hier oben kein Problem. Martin rennt einige Minuten in der Kälte herum und schon kommt er recht modisch daher.


Ausgelassene Stimmung auch bei Eugen. Er demonstriert uns gerade, wie man ein hartgekochtes Ei von seiner Schale frei bläst. Die Schale zerdrücken, an einem Ende ein großes Loch, am anderen ein kleines, da dann kräftig hindurchgeblasen und schon glubscht das Ei nach vorne heraus. Ich habe es auch ausprobiert und werde damit bald meine Familie und den Freundeskreis beeindrucken. Diese Methode ist nun von mir patentiert worden und das Nachahmen ohne meine Genehmigung ausdrücklich verboten. Wer es doch macht…


…muss Eugen bei einer seiner unzähligen Reparaturen helfen. Radlagerschaden auf dem Weg nach Süden. Wir müssen am morgigen Nachmittag den Flughafen von Belaja Gora erreichen. Unsere Erlebniszeit ist nämlich fast abgelaufen und wir wollen es nicht riskieren, die Flüge von Jakutsk Richtung Heimat zu verpassen.


Aber Eugen ist ein Flickmeister der Sonderklasse. Von Schadensfeststellung bis Herausziehen des Radlagers hat Eugen 15 Minuten gebraucht! Inklusive Wagenheber im vollkommen in Unordnung geratenen Reisemobil suchen! Wobei letzteres am meisten Zeit einnahm!!!


Die Belohnung nach der Reparatur und erfolgreich durchfahrener Nacht: Der Fisch des Zaren, die Nelma, geräuchert und schön fettig, wird aufgetischt.


Es ist nichts für Sauberkeits- oder Ästhetikfanatiker, eher etwas für kernige Typen, wenn man Eugen beim Zubereiten des Fisches zuschaut. Die dunklen Fingerpartien rechst sind übrigens nicht unterbelichtet. Es handelt sich vielmehr um die Hauptreparaturhand von Eugen.


Wir sind kernige Typen und genießen den zaristischen Fisch königlich. Ist es für uns eine Henkersmahlzeit? Wir fliegen ja gleich von…


…diesem einladenden Flughafen. Aber die Propellermaschine bringt uns schnell in die Lüfte.


Na Martin, schau doch nicht so skeptisch, die letzten Wochen waren viel heldenhafter als dieser Flug. Und runter kommen sie immer, irgendwie…


Wir genießen erst mal die schöne Aussicht. Wie im Zeitraffer erblicken wir die Landschaften, die wir mit so großem Einsatz wochenlang durchreist haben. Irgendwo da unten wird Eugen wieder gerade am Flicken sein oder ein Ei blasen oder einen fettigen Fisch zerlegen. Nur die Reihenfolge ist von hier oben nicht zu erkennen…


Die neue Stewardess macht die Landeansage für Jakutsk. Bald hat uns die echte Zivilisation wieder. Drei Stunden waren wir in der Luft, drei Stunden, um nicht mal die Hälfte einer autonomen Republik Russlands zu überfliegen.


Nein, wir mussten nicht während des Fluges stehen. Wir sind bereist gelandet. Nur Dieter möchte die Leser verschaukeln und imitiert den Haltsuchenden. Die betagten Flugzeuge gelten trotzdem als sehr sicher. Mitte der 90er haben die Chinesen die Baulizenz gekauft, seitdem muss die Luftflotte mit dem vorhandenen Fluggerät zurechtkommen.


Flughafen Jakutsk. Die vorherrschenden -35 Grad hauen uns nun nicht mehr um. „Warm ist es!“ – so unser einhelliger Kommentar. Unsere Wahrnehmungen sind relativ, immer und überall.


Kulturschock Jakutsk. So viel Werbung nach so viel Einsamkeit sticht ins Auge.


Lieber Holger! Wie versprochen übergebe ich in deinem Namen Blumen an Emilia. Mission erfüllt, Emilia ist glücklich – sie wartet auf dich.


Zu Besuch bei unseren Freunden – noch einmal sind wir ganz tief drinnen in der jakutischen Idylle.


Im Wohnzimmer sitzen wir zusammen und lassen die letzten Wochen gemeinsam Revue passieren. Was war das für ein Ritt. Nicht gerade erholsam und auch nicht billig. Aber wir bereuen keine Kopeke für Erfahrungen, die man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Wir waren Pioniere, haben Natur gelebt und erlebt und werden davon sehr lange zehren, vielleicht ein ganzes Leben lang. Mehrfach gab es glückliche Momente, welche die ganze Reise wert waren.


Für euch, liebe Leser, ist nun auch die Messe gelesen. Oder es ist der Anfang zu einer eigenen Reise in das faszinierende Jakutien. Wenn ihr Interesse habt, mit Eugen und meinen Leuten 2010 oder 2011 unterwegs zu sein, ruft uns an oder schreibt uns eine Mail.

Eine gute Zeit und viel Spaß bis zur nächsten Reportage, die Mitte Mai dieses Jahres auf dieser Plattform laufen wird. Dann berichte ich über die große Asienreise – nicht so kalt, aber bestimmt kein Langweiler, mein Wort.

Euer

Kostya


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Vier Tage sind wir bereits am Schlagen des Weges – vier Tage wie gefühlte zehn. Zumindest bezogen auf unsere hygienische Situation. Denn in diesen vier Tagen ist neben…Mehr >



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