Fische bis zum Dach

Fast jeden Abend lassen wir es irgendwo knallen. Die Mitarbeiter in der koreanischen Sauna in der jakutischen Hauptstadt der russischen Autonomen Republik Sacha sind ausschließlich Chinesen und stehen für den fernöstlichen Internationalismus. Sie haben Dima, unseren Nordkoreanischen Jakuten und mich gut durchgeknetet und meine Erkältung mit diesem Feuerwerk an Dampfbädern, Schrubbereien und Peelings binnen 4 fulminanter Stunden vertrieben – Sensationell!

Immer wieder probieren wir Dinge, vor denen wir im normalen Leben einfach nur weglaufen würden, wir saunieren, dinieren und staunen über eine Welt, die sich sehr von der unseren im Westen unterscheidet.

Dann ist es endlich soweit. Eugen Guterow, einer der besten Eisfahrer Russlands, ist eingetroffen. Er soll für uns extra einen LKW hergerichtet haben. Dachten wir. Aber dann sehen wir, dass Eugens Fracht aus 5 Tonnen gefrorener Fische besteht. Die Fische haben wir ausgeladen, nun tauen wir das Auto auf und werden es mit Möbeln bestücken und dann darin leben. Dort, wo vorher die Fische drin waren. Ihr glaubt mir nicht? Ach, schaut doch einfach, wie es uns bis zum Eintreffen Eugens ergangen ist.

Könnt ihr erraten, was das ist? Nun, Martin hat es probiert und…


… es hat ihn sichtlich beeindruckt. Es ist Pferdeblut in Pferdemagenhaut. Die weißliche Farbe kommt durch die Zubereitung mit Milch. Man nehme dazu noch etwas starken Senf, und dann schmeckt es fast wie Weißwurst. Fast…


Das jakutische Regierungsgebäude, davor die Stiere aus Eis, die noch einige Wochen auf ihr Abschmelzen warten müssen.


Unsere Troika ist guter Dinge, auch wenn wir länger als gewollt in Jakutsk sind.


Irgendwann kommt der erste Mensch mit Handy am Ohr auf die Welt. Hier wird trotz Kälte genauso hemmungslos häufig telefoniert, wie in den übrigen 198 Staaten der Welt.


Ja, auch im März ist es noch kalt, viele Autobusse tragen eine Schutzschürze um den Motor vor Unterkühlung zu be- wahren.


Wir kaufen Walenki, die bewährten Filzstiefel, die nach wie vor besser die Füße warm halten als die abgedrehtesten high-tec-Schuhe. Preis für ein Paar: 10 Euro.


Ah, der große Moment. Eugen ist aufgetaucht. Wir stecken die Köpfe zusammen und schauen, was wir in der übriggebliebenen Zeit noch machen können. Wir sind alle gut drauf und wollen versuchen, trotz der Verspätung den ganzen Kurs zu fahren.


Das ist unser, äh Eugens Auto, also verübergehend unser Allradeiswohnmobil.


Beim genaueren Hinschauen stellt man schnell fest, dass das Innenleben nicht ein typisches für Reisemobile ist.


Ja gibt’s denn so was. Das Reisemobil von innen – als Fischtransporter missbraucht. Dank der Innenraum- temperatur von Minus 30 Grad riecht es aber gar nicht. Riechen wird es erst, wenn wir drinnen leben und uns dann nur selten duschen können. Das sind aber Sorgen von morgen. Jetzt müssen erst mal die Fische raus.


Und da kenn ich nix, damit es schnell geht, …


…legt der Chef selbst Hand an. In zwei Stunden haben wir die Kiste von 5 Tonnen leckerem Speisefisch befreit.


Und das ist mein Lohn für die Arbeit. Den kapitalen Burschen werde ich gegen einen kleineren eintauschen und dann heute abend in gemeinsamer Runde verspeisen, roh versteht sich!


Ganze Arbeit, nicht wahr. Jetzt ist unser Womo fast bezugsfertig. Sozusagen die Entkernung vollzogen. Die Nacht über wird das Ding in einer warmen Garage aufgetaut und dann Möbel reingebaut. Endlich geht es rund.


Noch ein Blick sei gestattet auf die Fischladung, die locker einen Wert von 10.000 Euro hat. Aber damit ist jetzt Schluss. Statt Fischen werden Menschen reisen – so unser Plan.


Was ist das für ein erhebendes Gefühl nach einer deftigen Sauna mit Birkenreisig und Schneewälzen bei 35 Grad Frost – Wir sind wie neugeboren.


Jetzt wird mein Tageslohn verspeist. Für mich der Höhepunkt des Tages. Ach, was wird mir das in Deutschland fehlen. Oder kennt einer von euch einen Laden, wo man Stroganina bekommt?


In geselliger Runde sitzen wir zusammen bei rohem Fisch, leckerem Wodka und einer glutheißen Bouillon. Wir sind fit für den nächsten Tag, der ganz im Zeichen der Vorbereitung steht.



Euer Kostya


03 Schlaflos in Jakutsk
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01 Auf der Kälteleiter nach unten
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