Betroffenheit im Kessel von Stalingrad

Irgendwie haben wir alle die letzte Nacht noch im Blut oder in den Knochen. Herzlich haben wir mit den Kosaken gefeiert, keine Spur von Ressentiments beiderseits. Russen und Deutsche – eine Seele. So der Stand der Dinge im August 2008. Aber es war nicht immer so. Vor mehr als 60 Jahren haben unsere Väter und Großväter gegeneinander gekämpft.

In einem wahnsinnigen und damit auch unnötigen Krieg. Am schlimmsten war es in Wolgograd, einst Stalingrad. Diese Stadt liegt als nächstes auf unserer Marschroute, wie der Russe zur Wegstrecke sagt. Einige Kilometer vor Wolgograd beginnt schon die Steppe. Hier haben erbitterte Kämpfe stattgefunden. Auf dem Soldatenfriedhof Rossoschka legen wir zwei Kränze ab. Einen für die russischen Kameraden, einen für die Deutschen.

Wir sind betroffen, gerührt, als uns der Steppenwind um die Ohren bläst und wir die abertausend Namen der Gefallenen lesen. Meist nicht älter als 21, 22 Jahre sind sie geworden. Und dann so sinnlos gestorben. Nicht allen von uns gelingt es, die Tränen der Rührung zu verbergen. Aufnahmen hierzu habe ich weggelassen. Das ist nur etwas zwischen uns und den Kameraden vor Ort.


Wolgograd erreichen wir mit friedlichen Absichten auf eher mäßigen Straßen.


Überlebenskampf Wolgograd heute. Ein Fußgänger hat selbst auf dem Zebrastreifen keine Rechte. Oft werden die armen Fußgänger gesandwiched, stecken zwischen den fahrenden Autos auf dem Zebra fest.


Modernes Wolgograd. Im ganz neu eröffneten Realmarkt decken wir uns kräftig mit Lebensmitteln ein.


Auch das ist neu. Statt der Deutschen sind nun die Chinesen da. Ein Golden Dragon Bus made in China ist unser Fahrgerät für die Stadtrundfahrt in Wolgograd. Chinesische Fahrzeuge werden bald den gesamten Markt bestimmen. Weltweit. Ob wir es wollen oder nicht.


Galina, unsere Reisführerin, ganz vom alten Schlag, genau richtig für eine Stadt wie Wolgograd, führt uns die nächsten Stunden.


Der Sowjet-Heldenstern ist in der Stadt sehr häufig anzutreffen. Hier sieht vieles so aus wie zu Zeiten der Sowjetunion.


Auch Lenin prangt hier häufiger von Häuserwänden als in anderen russischen Städten.


Die alte Mühle, völlig zerstört, wie eigentlich die ganze Stadt während des Krieges, ist als Mahnmal stehen geblieben.


Dralle Figur. Die Frau legt in der Stadt einen Kranz am ewigen Feuer ab. Die ganze Stadt ist mit Gedenktafeln durchzogen. Galina weiß zu jeder etwas zu sagen.


Es ist unendlich heiß und schwül. Geschafft von der Exkursion kommt die Parkbank gerade recht. Und von hier aus sieht man jede Menge interessanter Dinge…


…Zum Beispiel die Schuhmode, die oft der Hingucker für uns Wessis (und alle Ossi-Wessis) ist.


Hopperla, die sind mir glatt vor die Linse gelaufen…


Lauftechnisch genauso geschult wie die moderne modebewusste Wolgograder Damenwelt sind die Soldaten, hier auf dem Weg zu Wachwechsel am Hügel Mutter Heimat.


Das Cafe Blindazh lädt ein zum Tee mit Uniform und Knarre. So was zieht nur in der altgebliebenden Stadt Wolgograd.


Ein Präsident zum Kaufen. Neue Zeiten, neue Gesichter und alte Gesichter. So ganz ist Medwedew noch nicht alleine akzeptiert. Putin, sein großer Schatten ist in der Politik genauso wie am Verkaufsstand immer dabei.


Endlich am Hügel der Mutter Heimat, dem größten Kriegsdenkmal Russlands.


Gewaltig, ja fast bedrohlich schreit Mutter Heimat in den Himmel von Wolgograd.


Unglaublich die Größe des Denkmals. Allein das Schwert misst über 18 Meter, die ganze Figur ist 85 Meter hoch!


Im Innern der Gedenkstätte. Wir laufen vorbei an unzähligen Namen der Gefallenen. Gerührt und erstaunt von der Größe der Anlage gehen wir weiter.


Immer weiter weg von der Mutter Heimat, immer weiter nach unten bis an den Lauf der Wolga, führt uns die Exkursion durch die monumentale Gedenkstätte.


Über unzählige Treppen, die wir aber Dank klugen Exkursionsaufbaus nur von oben nach unten bewältigen müssen, erreichen wir wieder unseren Standplatz direkt am Ufer der Wolga. Von unten betrachtet sehen die Treppen durchlaufend aus, haben aber immer wieder Plattformen dazwischen. Potemkinsche Treppen werden wir noch genauer in Odessa unter die Lupe nehmen. Nun sind wir aber erst einmal von dem Erlebten ergriffen.
Auch die Temperaturen haben uns fest im Griff. Locker 37 Grad sind es.


Die Nacht ist so schön warm, da schläft sogar der Chef draußen.


Aber am nächsten Morgen hat es abgekühlt. Bald sind wir schon auf dem Weg raus aus der längsten russischen Stadt mit offiziell über 80 Kilometern Länge. Wir sind selbst immerhin 45 Kilometer im Stadtgebiet unterwegs, bis wir wieder in der freien Natur des unendlich weiten Russlands sind.


Nun wollen wir entlang Wolga und Stepp weiter Richtung Südosten, fast bis zur Kasachischen Grenze vorstoßen. Darauf freuen wir uns gemeinsam mit euch. Fahrt weiter mit, ihr werdet es nicht bereuen, mein Wort. Es wird bald richtig heiß!!!


Euer Kostya

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