Den Tschetschenen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert

Auauauau. Was brummt die Birne nach diesem feuchtfröhlichen Intermezzo in Adygea. Schnell wird einem klar, was hier abging, wenn man einen Blick auf den Tisch der Reiseleitung wirft.



Aber wir sind auf der sicheren Seite. Zhabrail, der ebenfalls gut mitgefeiert hat ist hier ein wichtiger Mann, er kennt alle Polizeichefs und sichert uns zu, bei jedem erdenklichen Ärger behilflich zu sein. Na, dann kann ja nichts mehr passieren. Auf geht’s, rein in die Wälder voller Bären, Räuber und anderer Gefahren

Sieht gar nicht so bedrohlich aus, wie die Menschen hier wohnen. Und es ist auch nicht bedrohlich, wir reisen sicher durch den westlichen Kaukasus und genießen die malerischen Häuser:


Eins kann ich aber nicht genießen. Den Zustand dieses Autos, das einfach nicht anspringen will…


Ein Dutzend Kilometer, die es in sich haben. Wir müssen über den Schawrman-Pass, dessen 400 geografische Höhenmeter 2000 Gefühlten gleich kommen. Der grober Kies- und Schotterbelag macht uns zu schaffen. Aber eben nur ein Dutzend, das kann aushalten, zumal der ganze Rest der über 6000 Kilometer langen Fahrstrecke asphaltiert ist.


Meist geht es auf Asphalt durch den Kaukasus. Alles ist bewaldet, so viel Grün tut gut.


Angekommen am Lagerplatz am Schwarzen Meer. Wir stehen schön schattig unter Platanen – so lässt es sich aushalten.


Ungläubige Blicke auf die Karte. Sind wir wirklich schon soweit gekommen?


Da wir nun mindestens 2 Tage am Schwarzen Meer stehen werden, gibt es genug Zeit für die alltäglichen Dinge im Camperleben: Wäsche waschen macht so zusammen Spaß. Zumal mir die Frauen der Tour meine Wäsche gleich mitgewaschen haben. Ein ganz großer Zug – das hat mir gefallen und sollte eine lebenslange Lösung sein.


Die ganze Schwarzmeerküste in Russland ist gnadenlos zugebaut und auch übervölkert. Schicke Hotels kleben an der Küste und warten auf zahlungskräftige Kunden. Für mein Team ist es ein wahres Kunststück gewesen, hier einen vernünftigen Standplatz zu finden. Aber sie haben einen gefunden. Und was für einen. Direkt am Schwarzen Meer mit schönem Kieselstrand. Im Rücken die Hänge des Kaukasus.


So lässt sich’s leben. Für drei Tage wollen wir hier Meer und Sonne satt tanken.


26 Grad warmes Wasser! Es ist ein toller Bilderbuchsommer. Für uns übrigens seit St. Petersburg.


Anke in Not. Eine kräftige Welle verabreicht eine Freimassage auf den tellerglatten Kieselsteinen. Es ist gar nicht so leicht, hier an Land zu kommen.


So genießen wir das Leben am Meer, während ihr zu Hause keine Ahnung davon habt, dass wir unter der Kontrolle von mehr als 100 Tschetschenen stehen. Wir sind im Elitelager der staatlichen Ölindustriehochschule Tschetscheniens gelandet. Und uns werden hier die Augen geöffnet, wie es die oft einseitige Presse im Westen nicht annähernd schafft. Junge gebildete Tschetschenen aus Grosny erzählen uns ihre authentische Geschichte der Gegenwart.

So sehen sie aus. Echte Tschetschenen. Ganz normal, oder?


Am Abend sitzen wir zusammen. Wir und die Lehrerinnnen von Grozny. Hübsch sind sie, sehr hübsch. Und nun erfahren wir aus erster Hand, wie das Leben heute in Tschetschenien, 9 Jahre nach dem Krieg, läuft. Viel normaler, als wir es für möglich halten würden. Eigentlich ganz normal. Viel Geld wurde in den Wiederaufbau der von Krieg geschundenen Region gesteckt. Alles ist ganz normal, nur wenn es einmal nachts hagelt, dann fühlen sich viele an den Krieg erinnert. Aber sonst ist man über den Berg.


Schulen, Geschäfte, Straßen, Sicherheit – alles ist in Ordnung. „Kommt her zu uns, ihr werdet aus dem Staunen nicht herauskommen.“ lassen sie uns wissen. Russen und Tschetschenen haben nach einer schlimmen Zeit, deren falsche Logik wohl niemand so recht verstanden hat, zurück in die Spur gefunden. Wir gönnen es den Tschetschenen, besonders den jungen Menschen wie hier, dass für sie das Leben endlich wieder normal geworden ist.


Bei so viel Prominenz der Eliteuniversität Grosnys will auch Gerd gut dastehen. Aber lieber Gerd, so schön du nun auch bist, die Tschetscheninnen sind noch schöner.


Rassig zackig sind die abendlichen Tanztreffen der Tschetschenen. Kein Saufen, kein Raufen, nur Lebensfreude pur. Rhythmisch mit hohem Tempo wird geklatscht, je mehr, umso toller wird getanzt. Wir sind von der Sportlichkeit, Disziplin und Liebe zur eigenen Tradition hoch begeistert. Und wir denken ernsthaft nach, einmal nach Grozny zu reisen. Gäbe es nicht so schrecklich viele einseitige und konservativ gehaltene Vorurteile im Westen, könnten wir Tschetschenien ins Programm nehmen. Aber das wird wohl noch ein par Jahre dauern.


Wir genießen, sicher und schön im Lager der Tschetschenen stehend, drei wunderbare Tage im Kaukasus.

Nicht alles ist wunderbar. Unsere Ruth ist krank geworden, so krank, dass wir sie schnellstens ausfliegen müssen. Da der ADAC mit schnellem Eingreifen in Gebieten wie diesen überfordert ist, nehmen wir die Sache mit unserem Team selbst in die Hand. Oliver in Deutschland, dazu Oleg, Ilia und ich, ausgestattet mit mobilem Internetzugang, starten unsere Arbeit. Binnen 1 Stunde haben wir die nächste Flugverbindung aus dem Kaukasus klargemacht und noch in der Nacht brechen Ruth, ihr Mann Gerhard, befördert und betreut von Ilia und Kolja, zum Flughafen auf.


Damit die beiden die Nacht überstehen, bekommen sie von Heidi noch eine Kanne Kaffee mit auf den Weg. Alle halten wir hier zusammen, gemeinsam ist man stark!


Der nächste Morgen. Mission erfüllt. Ruth ist bereits in Wien gut angekommen, meine Jungs waren nach der Tour so müde, dass sie nicht mal in den Wohnanhänger gekrabbelt sind, sondern im Audi liegengeblieben sind.


Die Wolle muss runter! Als wir erfahren, dass die Tschetschenen eine eigene Friseuse haben, gibt es kein Halten mehr. Selten hat Frisieren so viel Spaß gemacht. Und preiswert obendrein!


Was tut das gut! Ein bisschen Ausruhen. Um die Rettungsaktion genau hinzubekommen, haben wir einen extra Tag am Schwarzen Meer eingelegt. Bei den Tschetschenen ist es einfach so schön. Alle freuen sich drüber, Kolja, der im Schatten in der Zeitung vielleicht wieder irgendein Blödsinn über gefährliche Tschetschenen ließt und Heidi mit Pippo, unserem Gruppensherif. Auch diese beiden genießen den Urlaub.


Nach drei Tagen Erholung sind wir wieder auf der Strecke. Es geht entlang der Schwarzmeerküste bis ans Tjemrjuker Haff zwischen Schwarzem und Asowschen Meer. Vor Noworossisk liegen schwere Öltanker. Das schwarze Gold wird von hieraus per LKW weiter ins Land transportiert. Das boomende Russland hat gegenwärtig einen gewaltigen Energiehunger.


Melonenfelder bei Tjemrjuk. Es sind unsere letzten Kilometer, die wir in Russland zurücklegen. Bald erreichen wir die Grenze, vor der uns Organisatoren schon ein bisschen Bange ist


Ein Nadelöhr zwischen Kaukasus und Krim. Und korrupte Beamte, die nur warten, bei uns einen falschen Stempel oder ein fehlendes Dokument zu finden, um uns dann gebührend abzukassieren. Das ist leider noch nicht besser geworden trotz vollmundiger Ankündigungen von Putin und Medwedew. Seid nun mit uns gespannt, wie wir die Grenzpassage überstehen werden. Auf jeden Fall sind wir gut aufgestellt. Oleg hat Superkontakte im ukrainischen Zoll und ich habe auf der russischen Seite immer ein Moskauer Trumpf in der Hand. Wenn es mal Ärger geben sollte…

Bleibt dran

Euer Kostya


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