Rauschendes Bergfest im Kaukasus

Heute liegt die längste Fahretappe mit knapp 500 Kilometern an. Normalerweise fahren wir 200 bis 300 Kilometer an einem klassischen Fahrtag. Aber so recht klassisch ist eigentlich nichts auf unserer abenteuerlichen Tour. Die Straßen geben es heute einfach her, so weit zu fahren. Zumal der landschaftlich reizvolle Teil erst hinter Maikop, der Hauptstadt der autonomen Kaukasusrepublik Adygea, anfängt.
Auf dem Weg dahin durchqueren wir das Stawropoler Gebiet, welches in unmittelbarer Nachbarschaft von Tschetschenien liegt. Aaaaaahhhh!Kaukasus! Tschetschenien! Kidnapping!! Anarchie!!! Krieg!!!! Bären!!!! Mafia!!!!! Bomben!!!!!! Marodierende Banden auf der Straße!!!!!! Unsere Autos sind schon so gut wie verloren!!!!!! Werden wohl zu Panzern umgebaut!!!!!!! Die Biotoiletteninhalte zu chemischen Waffen umfunktioniert!!!!!!! AaaAaaAhhhh!!!!!!!!!….

Jo! Wer den Unsinn glaubt, sollte einmal selbst ins Stawropoler Gebiet kommen. Ich will nichts schön reden, aber vieles, was über den Kaukasus berichtet wird, ist blanker Unsinn und entbehrt so jeder sachlichen Einschätzung der Lage. Wir wissen, dass wir in genauso sicherem und unsicherem Gebiet unterwegs sind wie in Deutschland oder Frankreich. Einzige Unsicherheit sind die Fahrer, die hier und da schon mal einen Unfall verursachen können.

An großen Polizeistationen werden die geschrotteten Autos als Abschreckung zur Schau gestellt. Aber es hilft gegenwärtig wenig – die Russen und anderen Völker fahren hier nach wie vor wie die Henker. Wie gut, dass wir auf einer Strecke unterwegs sind, die kaum Verkehr hat. Außerdem fahren wir prinzipiell passiv und gehen so fast jedem Ärger aus dem Wege. Der Klügere gibt nach – wir fahren damit schon seit Jahren gut!


Die Versorgungslage in Russland ist hervorragend. Überall gibt es Tankstellen, die nicht nur Benzin und Diesel verkaufen, sondern auch Gas. Die klassischen 11kg-Flaschen werden hier problemlos befüllt.


Vorbei geht´s an riesigen Melonenfeldern, typisch für die flacheren Kaukasusregionen.


Auch typisch für die gesamte GUS. Zu hoch angebrachte Bänke. Wie die Hühner auf der Stange warten die Leute auf den Bus. Oder einfach darauf, dass etwas passiert. Oder eben nicht. Sie haben die Zeit, wir das Geld! Wer ist besser dran?


Wir sind am Ziel, stehen hinter Maikop auf der Wiese meines Freundes Zhabrail. Am Folgetag nach der Fahretappe stehen die Räder still. Zumindest die unserer Wohnmobile. Andere müssen für uns rollen und lenken. Drei Kleinbusse, sogenannte Marschroutkas, sollen uns in höhere Regionen und zu einer großen Tropfsteinhöhle bringen. Auf geht´s!


Noch sind wir alle guter Dinge….


Ein erster Stopp an der Klamm. Die meisten Berge des Kaukasus sind bewaldet. Bären gibt es, hauptsächlich sind es Himbeeren, die am Rand der Straße verkauft werden. Die russischen überall vermuteten haarigen Genossen sind fast alle schon erschossen.


Kaukasischer Honig wird gerne mit Nüssen zusammen im Glas verkauft. Lecker, wenn die Nüsse frisch sind.


Anne mag’s nicht ganz so puschelig. Erscheint angesichts der hohen Temperaturen auch eher angemessen.


Zwei Paschas und nur ein Harem. Nun, ich hoffe, Hubert und Gerhard geraten sich nicht in die Wolle, was angesichts der haarigen Kopfbedeckungen der Frauenwelt kein unwahrscheinliches Szenario darstellt.


Heidi im Bergrausch…


Das steckt an. Auch Lotti kann nicht widerstehen.


Und Angelika erst! Wilde kaukasische Gefühle. Es sind traditionelle adygeische Kopfbedeckungen, die auch im Sommer von den Hirten getragen wurden.


Die erste Marschroutka ist ausgefallen. Wir nehmen es locker und laufen schon mal vor.


Als wenige Minuten später auch die zweite streikt, sollten wir eigentlich nachdenklich werden. Aber stattdessen finden wir’s nur amüsant. Oh, wir sind schon genug ans Abenteuer Osten gewöhnt, haben die nötige Gelassenheit entwickelt. Super!


Denn wir wissen ja, irgendwie geht es immer weiter. Nach 10 Minuten haben die Jungs ihre fahrbaren Untersätze geflickt, es kann weiter gehen. Was freuen wir uns nun, so viel Spaß hätte es im High-Tech-Bus nicht gegeben.


Gerhard Hahn ist im Korb. Oder ist Gerhard der Hahn im Korb? Mit seiner Ruth zwischen lauter jungen Pfadfindern aus dem Kaukasus.


Hans im Glück. Mit jungen PfadfinderInnen werden Fotografien und Sympathien ausgetauscht.


Ab unter die Erde! Auf einer steilen Eisentreppe geht es runter in die faszinierende Tropfsteinhöhlenwelt.


Stalagtiten hängen wie Dolche über uns…


…während wir uns immer weiter ins Höhleninnere vorarbeiten.


Das ganze Höhlenmassiv ist inmitten des bewaldeten Westkaukasus gelegen. Alle haben das Höhlenabenteuer überstanden und sind nun gespannt, wie der Abend verlaufen wird. Es ist immerhin Bergfest, wir sind nun mehr als die Hälfte der Gesamtstrecke gefahren.


Zhabrail hat für uns ein adygeisches Tanzensemble engagiert. In den nächsten Stunden erleben wir ein rauschendes Fest aus Musik, Gesang, Tanz und Lebensfreude pur. Bilder, die eigentlich keiner Kommentierung benötigen. Wir haben zusammengefunden, alle politischen, geografischen und sprachlichen Grenzen überwunden.


Es ist nicht zu glauben, dass mal unsere Väter im Krieg mit den Menschen Russlands standen. Und wie gut, dass wir uns längst verziehen haben. Wir wissen, dass wir kleine Leute nicht schuld sind am Krieg. Wir genießen die heutige Zeit. Und wollen gar nicht verstehen, dass in Südossetien wieder unnötig Zivilisten, junge unschuldige Menschen wie hier, mit denen wir getanzt haben, ums Leben gekommen sind. Die Welt können wir nicht ändern, aber sie ein bisschen besser machen – das klappt schon. Wir haben es heute geschafft.
Als Belohnung….


gibt es ein Küsschen von der Chefin.


Damit ist der Abend aber noch lange nicht rum. Kolja und Zhabrails Frau schmettern russische Melodien in den kaukasischen Nachthimmel.


Wir genießen die schöne Festtagsatmosphäre.


Zhabrail ist der Besitzer der Wiese und des angrenzenden Molkereibetriebes. Er muss eigentlich morgen weg und will daher an diesem Abend trocken bleiben, doch so ganz hat er es nicht hinbekommen. Seine Freunde sind gekommen, aus Deutschland, Österreich, Niederlande. Da kann er nicht widerstehen und feiert mit. Bis tief in die Nacht…Oh je, wehe dem nächsten Morgen. Doch der ist noch weit weg, hoch die Tassen, es ist Bergfest.


Hicks! Euer – hicks – Kostya


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