Odessa erreicht – da waren es nur noch 17

Liebe Leserinnen und Leser,

puh, den Sturm haben die Bäume unseres Campingplatzes in Sewastopol und damit auch unsere Reisemobile gut überstanden. Die Wellen waren allerdings gewaltig, nur verrückte Kerle sind ins Wasser gegangen.

Zwischen Sewastopol und Odessa liegen ca. 500 Kilometer, welche wir in zwei Tagesetappen zurückgelegt haben. Nachdem wir uns durch Simferopol, der Hauptstadt der Krim, gekämpft haben, folgt die Krimsteppe, in der wir im Dorf Woikowe einen Zwischenstopp einlegten. Dieser Ort, vergessen gelegen zwischen den Großstädten, wurde ausgewählt, um hier unsere humanitären Spenden zu lassen. Der Pfarrer und der Chefarzt des Krankenhauses werden die Verteilung an die ärmsten Familien des Dorfes überwachen und uns eine Dokumentation auf CD zukommen lassen. Für die Besorgung und den Transport der Spenden möchte ich mich im Namen Woikowes ganz herzlich bedanken

Leider ist unsere Reisegruppe nicht mehr komplett und wird es auch nicht mehr werden. Zwar haben Andrey und Sergej, unser Technikerteam, den nötigen Stempel bekommen und uns wieder eingeholt, aber Josepha und Rudi haben die Reise abbrechen muessen, da Rudi sich beim Essenzubereiten Verbrennungen am Bein zugezogen hat und diese nicht auszuheilen sind, wenn er das Auto fährt. Es wird aber alles heilen und das Auto in Simferopol später abgeholt.

Gestern haben wir Odessa erreicht und einen weiteren vorübergehenden Verlust zu beklagen.

Die Bremsen eines Fahrzeuges blockierten 70 Kilometer vor Odessa. Einige Kilometer konnten wir uns noch helfen, dann ging nichts mehr. Unser Technikerteam, noch nicht richtig erholt von den Strapazen der letzten Tage, blieb bis zur Ankunft des Abschleppers dort und ist auch heute beim Havaristen. Wir kriegen das aber schon wieder hin.

Liebe Leser, Sie sehen, es geht nicht immer alles glatt und ich bin als Leiter und Architekt der Tour in diesen Tagen sehr gefordert. Aber ich muss sagen, dass wir eine sehr gut funktionierende Gruppe haben. Wir helfen uns gegenseitig, wir wollen es gemeinsam schaffen. Wir sind nicht allein – das ist ein gutes Gefühl. Und wir haben bisher unglaublich viele tolle Momente erlebt, die einem niemand mehr nehmen kann.

Es ist der 1. September, der Tag des Schul- und Universitätsbeginns. Alle jungen Menschen sind festlich gekleidet, die jungen Damen haben noch schickere Kleider an, noch höhere Absätze als sonst klappern über das Kopfsteinpflaster. Wir staunen über die alte Dame Odessa, die wieder so gar nicht typisch ist und auf uns einen ungeheuren Charme mit ihren alten Häusern und sympathischen Bewohnern ausübt. Die Stadtexkursion führt uns zu den Potemkinschen Treppen, zum Hafen und dem Operntheater.

Plötzlich entdeckt Renate Frau Köhler, die Gattin des Bundespräsidenten. Die Sicherheitsbeamten erkennen uns Reisende, die Präsidentengattin steigt aus und wir finden uns wieder im Gespräch mit Deutschlands politischer Repräsentantin. Frau Köhler ist sehr interessiert an unserer Reise und fragt, wie wir die Ukraine wahrnehmen und was wir bereits vom Land gesehen haben. Sie selbst ist vor Ort, um ein UNICEF-Programm auf den Weg zu bringen. Odessa hat große soziale Probleme. Es gibt viele Straßenkinder, Prostitution und Europas höchste AIDS-Rate.

15 Minuten später haben wir unsere Exkursion fortgesetzt, die Präsidentengattin verschwindet wieder im von Bodygards umgebenen Fahrzeug.

Ja, Odessa ist immer für eine Überraschung gut. Alles bereitet sich auf den Tag der Stadt vor, der am Folgetag stattfindet. Odessa wird dann 212 Jahre alt. Ein rundes Jubiläum, oder? Die Odessiten feiern nun mal die Feste wie sie fallen…

Von der Reparaturfront gibt es keine Neuigkeiten – ich halte es gemäß dem Motto: „Keine Neuigkeiten – gute Neuigkeiten“

Nun machen wir uns auf den Weg nach Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, in der Ende 2004 die Orangene Revolution stattgefunden hat. Wir sind gespannt, was uns erwartet.

Herzliche Grüße auch an die zweite Gruppe, deren technische Probleme mittlerweile auch alle behoben sind.

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Nach der ersten Sturmböe. Wir sind noch guter Dinge.

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Wir standen hier mit unseren Fahrzeugen genau 24 Stunden vor dem Jahrhundertsturm.

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Inkerman liegt in unmittelbarer Nachbarschaft Sewastopols. Orthodoxe Kirchen und griechische Festungen zeugen von einer bewegten Vergangenheit.

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Sturm am Schwarzen Meer. Der Strand steht unter Wasser.

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Die Reisemobile bahnen sich einen Weg durchs lebendige Sewastopol.

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Spätsommerzeit ist Obst- und Gemüsezeit. Unglaublich preiswert sind die leckeren Früchte.

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Ein Ladakofferraum hat ein erstaunliches Fassungsvermögen.

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Gigantische LKW-Schlange. Die Fahrzeuge sind mit Getreide bepackt und warten auf die Einfahrt in den Hafen Odessas.

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Am Campingplatz. Eduard nach oder vor der Dusche…

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1 Uhr Nachts. Überstunden nach Hilfe für Havaristen. Das Team von rechts nach links: Natalia und Oleg, unsere Übersetzer, Sergej und Andrej, unsere Techniker.

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Der schönste Tag im Leben: Hochzeitsglück in Odessa.

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Am ersten September fängt landesweit die Schule und Universität wieder an. Alle sind schick gekleidet, teilweise in Uniform.

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Spontane Begegnung mit der Gattin des Bundespräsidenten, Frau Eva Luise Köhler, die interesseirt nach uns und unserer Reise fragt.

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Odessa ist die Stadt der Gegensätze. Den einen ist alles egal…

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… andere trauern, wie diese Altkommunisten, den alten Zeiten nach und demonstrieren gegen den Plan, ein Lenindenkmal zu entfernen…

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…während die jungen Menschen stolz auf sich und ihre Stadt sind. Ja, liebe Leser, Odessa ist sehr schön.

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Viele der Fassaden sind im Zuckerbäckerstil gehalten, viele benötigen aber dringend eine Renovierung.

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Auch Odessa hat seine Probleme. Die Alten Menschen sind oft bitterarm, die Aidsrate der Stadtbevölkerung liegt bei 5% und ist damit die höchste in Europa.

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Ein alter BMW in den Straßen von Odessa.

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Die odessitische Straßenmalerin – auch auf dem Papier eine Meisterin der Improvisation.

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Carme und Humor – das haben die Menschen von Odessa sich erhalten, so wie diese junge Frau.

Bis bald,
Euer Kostya

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