Eingeschlossen von Neueis! Kein Durchkommen nach Norden. Noch einmal 800 Kilometer härteste Piste

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist amtlich, wir müssen den weiteren Vorstoß nach Norden abbrechen. Heftige Winde haben Schneewehen hoch aufgetürmt, dazu sind viel zu viele Neueisstellen zu passieren. Da wir bereits gegen den 22. Februar in Jakutsk sein sollen, werden wir nach einem zweitägigen Aufenthalt in Werchojansk wieder gen Süden und dann Westen reisen.

Die Vorstellung, wieder die bisher härteste Straße, die wir jemals erlebt haben, fahren zu müssen, ist eine Belastung. Selten waren wir so gefordert und angestrengt wie auf dieser Piste. Abenteuerliche Lenkmanöver bei fehlender Servolenkung ließen Kostyas Arme zu Muskelpaketen anwachsen. Der Hintern wurde wehgeschaukelt durch die kleinen und großen Sprünge. Es gab Abschnitte, in denen wir nicht schneller als mit 3 km/h vorankamen. Unglaublich, wie viel Unebenheiten sich auf einem Meter Fahrstrecke unterbringen lassen. Und jetzt erwartet uns Neueis auch auf der Route gen Sueden. Es wird hochspannend und knüppelhart.

Spätestens in Jakutsk bekommen wir wieder eine Dusche. Wir konnten glücklicherweise vorgestern im Heizwerk von Werchojansk an einer angezapften Anlage den gröbsten Schmutz vom Körper waschen. Das fließende Wasser vermissen wir doch schon sehr.

Wir haben aus erster Hand erfahren, wie ungeheuer aufwendig es ist, hier einen Warenverkehr aufrecht zu erhalten, haben selbst nur einen Teil der geplanten Route geschafft. Selbst die Profis, die hier tagein tagaus unterwegs sind, scheitern immer wieder auf dieser Strecke.
Aber es gibt auch viele positive Erkenntnisse und Beobachtungen. Allen voran sind es die Menschen, die uns zutiefst beeindruckt haben. Ehrlich und hilfsbereit, hoffnungsvoll und genügsam – sie sind die wahren Helden und nicht wir – das sollten wir alle nicht vergessen.

Positiv zu erwähnen ist die Fotoausrüstung der Firma Leica. Selbst die digitale Kamera Digilux 2 hält bis zu 20 Minuten bei 50 unter Null durch! Die Gehäuse R8 und R9 funktionieren immer, lediglich das Flüssigkeitskristallfeld versagt nach 30 Minuten den Dienst, aber das Fotografieren ist dadurch nicht beeinträchtigt.

Mit dem Werchojansker Pavel habe ich einen tollen Menschen und exzellenten Techniker und Fahrer gewonnen, mit dem ich zusammenarbeiten werde.

Unser Kater Almaz findet es gut, wir sind wieder auf der Piste.


Es erwartet uns ein heißer Tanz auf eiskalter Strecke. Laut örtlichen Milizen seien wir die ersten Ausländer, die per eigenem Fahrzeug ohne Führung Werchojansk erreicht haben. Wir können nun verstehen, warum das so ist.


Für meine Forschungen über die sozioökonomischen Entwicklungen waren die letzten Wochen ebenfalls aufschlussreich, ich werde dazu ein Resümee in Jakutsk ziehen.

Doch nun wartet die wohl schwerste Prüfung des Jahres auf uns – wir müssen den Föderalen Weg Batagai – Khandyka – Jakutsk zum zweiten Mal überstehen.

Kostya und Holger

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