In Moskau: Eigene Regeln im Behördendschungel

Liebe Leserinnen und Leser,

Moskau hat uns wieder – bei moderaten -16 Grad Tageshöchsttemperatur. Der Temperaturschock ist also nicht so gross, das erwartet uns wohl erst am Freitag in der Frühe. Donnerstag am Morgen fliegen wir von Moskau los. Aufgrund der Zeitzonen, die wir nun im Schnelldurchlauf passieren, kommen wir erst am folgenden Morgen gegen 5 Uhr in Yakutsk an. Zwischen Ihnen und uns liegen dann 8 Stunden, 10.000 Kilometer und jede Menge Schnee.

Heute waren wir während der ersten Tageshaelfte damit beschäftigt, ins Stadtzentrum zu fahren (dauerte zwei Stunden) und mit dem Versuch, eine Registrierung unserer Visa zu erreichen. Innerhalb von drei Arbeitstagen nach Einreise muss sich nämlich jeder Ausländer registrieren lassen. Dafuer muss der Individualreisende auf einige Ämter rennen und dann trotzdem noch drei Tage warten, bis der begehrte Registrationsstempel in die Emigrationskarte gedrückt wird. Moskaus Entscheidungsträger verhalten sich da sehr sensibel. Angst vor Anschlägen und noch eine ganze Portion sowjetischer Mentalität sorgen fuer diesen Genehmigungsdschungel in Moskau. Was wir nun machen? Wir haben uns Bestätigungsschreiben der uns einladenden Organistation besorgt, die um eine Registration in Jakutsk bittet. Dort kenne ich einen Deputierten der Stadtduma, der wird es schon richten…

Uebrigens, wenn Sie als normale Touristen unterwegs sind, werden Sie von diesem Aerger nichts spüren. Beim Wohnen im Hotel wird man automatisch registriert. Dies ist also auch eine Notlösung fuer uns, obwohl wir in den Städten nur bei Privatpersonen wohnen werden.
Nach dem fehlgeschlagenen Registrationsversuch war es äußerst schwierig, eine russische Mobilnetzkarte zu kaufen, weil diese nur an Moskauer Buerger oder Leute mit Registration ausgegeben wird. Und die gibt es ja regulär in frühestens drei Tagen… Nun, ich habe den jungen Leuten im Handygeschäft gut zugeredet; jetzt haben wir eine Karte und können normal telefonieren. Durch die strengen Regeln möchte man illegale Bewohner vom Erwerb einer Netzkarte abhalten. Aber genau diese Leute sind die billigsten Arbeitskräfte auf den Baustellen der wohlhabenden Russen. Sehr kompliziert für alle Seiten, die materiellen Gefälle sind einfach zu groß. 13-15 Millionen Menschen machen das Leben in Moskau zu einem ganz komplexen und russlandeinmaligen Gebilde. Alle Nicht-Moskowiter sprechen von einem Staat im Staat, vielleicht haben sie damit recht.

Der Besuch des Roten Platzes brachte schöne Winterimpressionen und das kurzzeitige Aus des digitalen Fotoapparates. Der Aufenthalt über mehrere Minuten an der kalten Luft waren zu viel des Guten. Da wissen wir ja, was bei dreifachen Minusgraden in Jakutien auf die Digilux zukommt.

Die analogen Fotoapparate (Leica R8/R9) haben, wie zu erwarten war, keine Probleme mit der Kälte, mit ihnen können wir bedenkenlos im Außenbereich arbeiten.



Bitte keine Sorgen machen, sollten wir auch morgen nicht Jakutsk erreichen. Man wurd uns dann in der Diamantenstadt Mirnij, in Nowosobirsk oder in Magadan parken. Einige Passagiere mussten in Mirnij drei Tage auf die Weiterfluggenehmigung warten. Drückt uns die Daumen, dass es bei uns schneller geht oder wir durchfliegen können.



In Jakutsk sind es unter 50 Grad, das bedeutet dichten Nebel durch die Abwärme der Häuser und Auspuffgase der Fahrzeuge. Unser Abflug wurde auf heute verschoben, unsere Fluggesellschaft hat nicht die modernen Flugzeuge für derartige Nebelanflüge. Die Wartenden haben in der Nacht gut gefeiert, wir wurden in einem Kindererholungsheim untergebracht.

Liebe Grüsse und bis bald

Holger und Kostya

003 In Jakutsk. “Es ist wärmer geworden”, nur -45 Grad
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001 Das Abenteuer beginnt
Am Montag (16.01.06) wird es endlich ernst. 14.30 starten Holger Keller-Lux, Geschäftsführer von Foto Oehling Mainz, und ich von Frankfurt/Main nach Moskau/Domodedowo. Im westlichen Russland herrscht… Mehr >



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