Immer noch in Jakutsk! Kater Almaz begleitet uns.

Liebe Leserinnen und Leser,

da sich unsere Abreise weiter verschiebt, möchten wir Jakutsk, unserer Basissstation, ein paar Worte widmen. Immerhin leben hier eine Viertel Millionen Menschen unter klimatisch extremen Bedingungen.

Kaum zu glauben, dass es hier im Sommer wie jetzt auch 40 Grad hat, nur mit einem anderen Vorzeichen. Die extreme Kontinentalität des Klimas mit langen, eiskalten Wintern und kurzen, sehr heißen Sommern macht sich auch in der Bauweise bemerkbar.

Alle großen Gebäude werden aufgeständert, es gibt keine Keller. Nur so kann vermieden werden, dass der permanent gefrorene Boden durch die Abwärme der Häuser aufgetaut wird.


Über die Jahre hat das Haus sein Fundament aufgetaut. Das Haus wird bald abgerissen.


Aufgeständerte Bauweise ist nur ein Beispiel für den großen Aufwand, der betrieben werden muss, um das Leben aufrecht zu erhalten. Z.B. werden die Motoren der Autos nicht ausgemacht, wenn sie unter freiem Himmel stehen. Keineswegs umweltfreundlich und ökonomisch, aber man hat keine Wahl.

Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, dass hier im kalten Teil von Russisch Fernost so viele Menschen leben, lässt sich hinterfragen. Jakutien, eine der 21 autonomen Republiken Russlands, hat hier sein Verwaltungszentrum aufgebaut. Viele wichtige politische und wirtschaftliche Fragen werden hier entschieden. Jakutsk besitzt eine Vielzahl von Forschungseinrichtungen. Rohstoffe in nenneswertem Umfang gibt es in der näheren Umgebung kaum, aber das weiterverarbeitende Gewerbe (Holz, Pelze, Diamanten) sorgt für Arbeitsplätze. Angenehm aufgefallen ist das friedliche Miteinander der Russen, Jakuten und den Minderheiten (Tadschiken, Chinesen und Kaukasiern), denen man hier oft auf den Märkten begegnet. Jakutsk ist weit abgelegen von großen Zentren, Treibstoff und Lebensmittel sind sehr teuer geworden. Das bekommen auch wir zu spüren und müssen uns auf eine hohe Benzinkostenrechnung für unser Vorhaben, die entlegensten Gebiete im Hohen Norden Jakutsks zu erreichen, einstellen.

Heute haben wir erfahren, dass auf der vorgesehenen Route nach Werchojansk und Deputatskij das von Autofahrern gefürchtete Neueis bereits unerwartet früh aufgetreten ist. Die besagte Strecke führt immer wieder über zugefrorene Flüsse, die sich nun Ende des ganz harten Winters zu bewegen beginnen. Die Eisschicht wird immer dicker und drückt das darunter fließende Wasser nach oben, welches dann sofort wieder gefriert. Gefährlich daran ist, dass die Tiefe des nach oben gedrückten Wassers bis zu 2 Metern betragen kann. Bis die neue Eisschicht Autos tragen kann, muss man ein bis zwei Tage warten, vorher riskiert man das Einbrechen. Wir werden die Neueisstellen zu Fuß abgehen, bevor wir sie mit dem Auto befahren. Auf jeden Fall müssen wir uns auf eine Wartezeit von 2 Tagen einstellen, für die wir zusätzlichen Treibstoff mitnehmen müssen, da wir den Motor nie ausstellen werden. Wir rüsten daher unser Fahrzeug nach, um so einen kritischen 700 Kilometer langen Abschnitt mit vielen Flusspassagen ohne jegliches Dorf oder einen Versorgungspunkt auch bei Neueis passieren zu können.

Das neu angesetzte Startdatum ist der 05.03.2006. Bis dahin müssen wir 10 zusätzliche Benzinkanister auf dem Dach installiert haben.

Seit gestern haben wir einen neuen Passagier an Bord. Kater Almaz haben wir vor dem Erfrieren gerettet. Er lebt jetzt in unserem Auto, bis wir einen guten Besitzer für ihn finden.


Wir sind guter Dinge und genießen weiter die unglaubliche Gastfreundschaft der Jakuten und Russen.

Allen liebe Grüße von Kostya, Holger und Almaz

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