Einbruch im Eis – Kamaz-LKW macht den Weg frei – Wir sind nur noch zu zweit

Liebe Leserinnen und Leser,

wir sind seit drei Tagen auf der mörderischen Eispiste, eisiger Wind hat Schneewehen über die Fahrbahn getrieben. Aber unser UAS ist ein Tier – so sagen die Russen – er tankt sich überall durch. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 30 Litern kämpfen wir uns weiter gen Süden, bis wir irgendwann hoffentlich die Kolymatrasse erreichen.

Immer wieder sind wir auf Fahrzeugkonvois gestoßen, deren Fahrer fieberhaft in der Kälte die häufigen Pannen reparieren, zweimal haben wir mit Wasser helfen können.

Beim Verlassen der Flusspassage sind wir im Neueis eingebrochen, der UAS konnte sich aber noch einmal gerade so befreien. Heute wurden wir aber eiskalt erwischt. Kapitales Neueis versperrte uns den Weg. Bereits 10 LKW hatten sich auf beiden Flussseiten gesammelt. Niemand traute sich zu fahren. Wie lange es dauern kann, fragten wir. „Einen Tag oder zwei“ sagten uns die Fahrer, einige waren bereits seit letzter Nacht vor Ort.

Gegen 10 Uhr begann ein Kamaz-Allradfahrzeug eine Passage zu schlagen und zog anschließend den ersten Sattelschlepper durch. Alle brachen ein, konnten sich aber befreien. Mit vereinten Kräften räumten die Fahrer die gebrochenen Eisschollen aus der Fahrrinne. Durchs 50 cm tiefe Wasser fuhren nun die LKW und wir. Der UAS machte es ohne Probleme – eben ein Tier. Freuen Sie sich auf spektakuläre Bilder von einer Neueispassage, wie Sie sie noch nicht gesehen haben. Die Fotos gibt es aber erst in den Diavorträgen (siehe Termine) , das Objektiv der Digitalkamera ist heute bei -45 Grad eingefroren.

Beinahe hätten wir heute auch unseren zweiten Motorbrand erlebt. Ein vom Vorbesitzer ungesichertes Kabel war durchgescheuert und hatte einen Kurzschluss ausgelöst. Wir haben schnell reagiert, die Stromzufuhr am Notschalter des UAS abgeschaltet und dann mit Licht von der Taschenlampe den Fehler behoben. Aber der Schreck bleibt, wir haben den Brand bei Tourbeginn noch nicht vergessen.

In den nächsten Tagen hoffen wir Jakutsk zu erreichen. Hier im Hohen Norden von Russisch Fernost weiß man nie, was der nächste Tag bringt, für uns war jeder mit neuen Überraschungen versehen.

Ach ja, unser Kater Almaz hat ein neues Zuhause gefunden. Wir lernten eine Katzenliebhaber- familie bei der Ausreise aus Batagai kennen. Sweta, die Tochter der dreiköpfigen Familie, hatte Almaz gleich ins Herz geschlossen, Almaz darf im Haus wohnen, die Familie hat alle „Katzeninfrastruktur“ noch von der Vorgängerkatze. Wir denken, Almaz ist dort in guten Händen. Der Abschied fiel schwer, aber wer weiß, was mit Almaz sonst noch passiert wäre.


Panne auf dem Eis. Man muss sich selbst zu helfen wissen.


Ein Dutzend LKWs haben sich gesammelt, keiner traut sich die Flusspassage bei Neueis.


So sieht Neueis aus. Das Wasser wird an die Oerfläche gedrückt und friert sofort wieder zu. Sammelt sich viel Wasser in einer Senke und friert die Oberfläche nicht genuegend zu, kann man beim Überfahren eine böse Überraschung erleben.


Drückt uns die Daumen, dass die Kräfte von Mensch und Technik bis Jakutsk reichen.

Liebe Grüße

Die wie echte LKW-Fahrer aussehenden und riechenden Kostya und Holger

PS: Wir sehnen uns nach einer Dusche. Sehr.

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