Abreise unter schlechtem Stern. Motorbrand stoppt Weiterfahrt!

Liebe Leserinnen und Leser,

so haben wir uns den Start nicht vorgestellt. Verspätet noch in der Nacht des Sonntags auf Montag starteten wir die Tour in den Osten. Es ging 19 Kilometer über die zugefrorene Lena und dann auf den Föderalen Weg Kolyma, eine raue Trasse bestehend aus Schotter, Eis und Schnee.

Nach 3 Stunden Fahrzeit, in denen wir knapp 100 Kilometer Fahrstrecke bewältigten, suchten wir einen Nachthalteplatz. Neben einem Straßenrestaurant standen bereits andere Fahrzeuge, die hier ebenfalls übernachteten. Holger schlief auf der linken Seite des Innenraums, ich quer über die Vordersitze mit direktem Blick auf die Instrumentenanzeigen. Das Leben im UAS zu zweit ist sehr beengt. Unsere Ausrüstung wird durch die kräftige Schüttelei während der Fahrt gut durcheinander gebracht.

Das Fahrzeug lief die Nacht sauber durch, es wurde sogar so warm, dass wir ab und zu das Heizgebläse für den Innenraum ausschalten mussten. Es war über Nacht allerdings nur 40 Grad kalt geworden. Wir starteten am nächsten Morgen und fuhren gerade einige Kilometer, als unser Fahrzeug zu stottern anfing, Fehlzündungen aufwies, schließlich ausging und sich nur noch schwer starten ließ. So suchten wir im nächsten Dorf eine Werkstatt auf, ließen den Verteiler ausbauen und einen neuen installieren. Gegen Mittag fuhren wir weiter und konnten immer wieder beobachten, wie Jakuten aus Seen herausgesägte Eisstücke per Pferdeschlitten zu ihren Wohnhäusern brachten. Auf dem Land gibt es nun mal kein fließendes Wasser. Selbstredend, dass auch eine Kanalisation fehlt. Die Toiletten sind auf der Straße, man muss sich beim Verrichten der Notdurft beeilen, um sich nicht zu verkühlen. Ja, das Leben hier ist sehr entbehrungsreich, 8 Monate herrscht Winter, nur einen richtig warmen Monat, den Juli, gibt es.

Im Laufe der Weiterfahrt bemerkten wir einen Spannungsabfall der Batterie, der Regler schien ausgefallen. So fragten wir nach der nächsten Werkstatt und wurden nach 30 Kilometern fündig. Wir tauschten den Regler, die Spannung war wieder normal. Frohen Mutes und in der Hoffnung, dass dies nun alles sei, fuhren wir weiter; keine 500 Meter, dann rochen wir Rauch. Ich entdeckte den Schein von Feuer, vermutete einen Brand im Innenraum durch das Heizgebläse. Aber das Feuer war im rechten Motorraum ausgebrochen. Ich schaltete den Motor ab, wir rissen die Motorhaube, welche sich zwischen den beiden Vordersitzen befindet, auf. Sofort schlugen uns Flammen entgegen. Die Isolierung, teils aus Pappe, brannte. Holger schmiss Schnee aufs Feuer, aber es wollte nicht ausgehen. Überall war Rauch. Ich griff in den Motorraum um riss mit bloßen Händen die brennenden Schläuche und Isolierungen raus. Die Zeit schien mir zu knapp, um Handschuhe anzuziehen. In dem Rauch hätte ich sie auch gar nicht so schnell gefunden. Holger suchte im Innenraum den Wasserkanister, als plötzlich das Fahrzeug wieder anfuhr. Ich trat auf die Bremse. Kabelbrand, Kurzschluss. Oh Gott! „Wir kriegen das nicht aus“, rief ich. Da kam Holger mit dem Wasserkanister und goss den Inhalt über den Brandherd. Das Feuer war aus und wir um einen großen Schrecken reicher. Der Feuerlöscher war zwar an Bord, aber wir hatten Angst, ihn nicht schnell aktivieren zu können. Es ist nicht so einfach, einen kühlen Kopf in so einer Situation zu bewahren.

Unverzüglich riefen wir Aleksej, so heißt der Werkstattmeister unseres gerade zurückliegenden Reparaturstopps, an. Er schleppte uns 10 Minuten später in seine Werkstattgarage, damit unser Auto nicht gleich einfriert. In den nächsten Stunden analysierten wir den Schaden, das Hauptstromkabel muss einen kapitalen Kurzschluss ausgelöst haben. Viele Kabel und Schläuche sind verbrannt, wir müssen hoffen, dass wir das wieder hinkriegen. Die UAS-kritischen Stimmen häufen sich. Das was heutzutage in Uljanowsk an Neuwagen herausgegeben wird, sei immer schlechter geworden. Wir haben ein Fahrzeug, das gerade ein halbes Jahr alt ist, haben dasselbe zudem technisch überprüfen lassen, aber sind vor dem Pfusch der Hersteller und wohl auch einiger Meister nicht gefeit.

Tankstellen gibt es noch genug.



Wasserholen auf Jakutisch! Trinkwasser in Scheiben.



Der Dachgepaecktraeger muss runter, sonst passt das schnell auskuehlende Auto nicht in die Garage.



Ob wir den UAS jemals wieder zum Laufen bringen?



Haben wir einen Montagswagen erwischt? Zur Zeit versuchen wir, das Auto wieder auf Vordermann zu bringen. Sollte uns dies gelingen, fahren wir wie geplant weiter, werden allerdings aufgrund der hohen Ausfallquoten das absolut bevölkerungsfreie Stück nur gemeinsam mit mindestens einem anderen Fahrzeug fahren.

Drückt uns die Daumen, dass es in naher Zukunft besser läuft

Kostya und Holger

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