Ein schwerer Start

Liebe Reisefreunde!

Vielleicht habt Ihr euch schon gewundert, dass erst so spät die Berichterstattung anfängt. Immerhin sind wir nun schon knapp eine Woche unterwegs. Nun, es ist einiges passiert. Leider nicht nur Gutes. Es ist eben das richtige Leben mit seinen Überraschungen, die keinem erspart bleiben. Doch der Reihe nach!

Nach einem wahren Vorbereitungsmarathon von Oliver, mir und allen weiteren unter mir Leidenden ist mein Weltreisemobil von Oliver nach Riga gefahren worden. So habe ich noch wertvolle Zeit gewonnen, die unter anderem für die Ausstellung der Visa benötigt wird. Meine Partner haben da ein wahres Vorvisierungskunstwerk konstruiert. Am Freitag letzter Woche sind die Pässe eingetroffen, am Sonntag früh sitze ich im Flieger von Frankfurt/Hahn (es ist eigentlich Hunsrück/Hahn) nach Riga/Moskau (Nein! Es ist Riga/Lettland) und bin am Vormittag bereits in Riga. Mit allen Unterlagen und jeder Menge Zuversicht, dass wir auch diese Reise zu einer traumhaften, erfolgreichen und einmaligen werden lassen.

Am Folgemorgen starten wir Richtung russische Grenze und stehen ab 11 Uhr bereits in der Abfertigungsschlange. Es läuft erst zäh, dann gut und zum Schluss richtig locker. Ich schäkere mit den
Grenzbeamten, besonders den weiblichen, und Wohnmobil für Wohnmobil rutscht durch das Grenzprozedere. Hilfreich und zeitverkürzend ist, dass wir nicht mehr eine Haftpflichtversicherung für Russland abschließen müssen, da das Land seit Anfang des Jahres auch in der Grünen Versicherungskarte aufgeführt wird. Nach 4 Stunden Grenzprozedur und ein paar Schokoriegeln für die Beamten – die Zeit entspricht einem hervorragenden Wert – stehen wir alle in der Russischen Föderation.

Jetzt bekomme ich mit Sergej, Natascha und Juri Verstärkung. Sergej aus Moskau ist für Sicherheits und Geldfragen zuständig, Natascha aus Irkutsk unser zweiter Generaltourguide und Juri aus Lemberg der Mechaniker (u.a. ausgebildeter Elektriker).

Jetzt sind wir bereit, das größte Land der Erde von West bis fast ans Ostende zu durchfahren. Bevor wir in die Mongolei einreisen, werden wir 7 Zeitzonen von Deutschland entfernt sein. Doch dahin ist es ein weiter Weg. Und wie weit der werden kann, zeigt uns der Schlaglochteppich in der Straße nach Pskow, unserem ersten Nachtplatz in Russland. Gefühlte 200 Kilometer bis Pskow – in Wirklichkeit sind es 60! – und schon stehen wir im Wäldchen nahe des Ufers der Welikaja – übersetzt „Der Großen.“, dem Fluss, der durch Pskow führt. Am Platz kein Strom, kein Wasser, aber viel Natur.

Der nächste Morgen gehört einer Stadtexkursion mit zwei blutjungen Tourguides, die sich nach langer, eigener Vorbereitung und mit viel Lampenfieber ausgerechnet eine Gruppe Weltreisender als erste Aufgabe in ihrer Laufbahn ausgesucht haben. Nun, wir sind ja lieb und haben uns ganz friedlich durch das beschauliche Pskow mit seiner Militärkirche und dem Kreml führen lassen.

Am 20. mittags geht es nun gen Südosten bis in die Kleinstadt Welikie Luki. Wir stehen auf dem Basketballplatz des Sportklubs Welikie Luki und werden am Abend ins Vereinsheim des Klubs eingeladen. Eine nette, ausgelassene Stimmung – russische Sportler und westeuropäische Reisemobilisten erleben schöne Momente.

Am nächsten Morgen folgt der Schock. Eine unserer Reiseteilnehmerinnen ist plötzlich und unerwartet verstorben. Wir bekunden hiermit unser tiefstes Beileid und bitten darum, die Privatsphäre der Familie zu wahren.

Sergej und Natascha sind weiter nach Moskau gefahren, während ich mich um die Formalitäten kümmere und erst am Abend weiter reisen werde. Vielen Dank an dieser Stelle auch für die rege Unterstützung und tröstenden Worte der Reiseteilnehmer/Innen.

Am 21.05.09 stehen wir mit unseren 18 Reisemobilen und den Fahrzeugen des Teams im Norden Moskaus. Ich muss mich nun mit Behördenkram herumschlagen, während Natascha und Vera die Gruppe durch Moskau führen. Juri löst viele elektronische Probleme und bringt wieder die Begrenzungsleuchten an, die ich für die TÜV-Abnahme im Vorfeld der Reise demontieren musste. Zwei schöne, meist trockene Moskautage gehen schnell herum genauso wie meine wenigen Schlafstunden, was am Anfang so einer riesigen Reise aber immer der Fall ist, bis alles eingespielt ist. Natascha, Sergej und Juri machen bisher einen ganz tollen Job, sind voll im Einsatz und haben fast so wenig Schlaf wie ich.

Apropos Schlaf. Jetzt bin ich reif dafür, ich wünsche allen eine gute Nacht und melde mich aus Suzdal wieder.

Euer Kostya

Riga, der Anfang von allem. Wir sind längst reif fürs Abfahren. Lange schon haben wir uns auf diese Reise vorbereitet.


Auf, schnell zum ersten gemeinsamen Briefing. Erwartungsfroh, dass wir auch alle unsere…


…Pässe bekommen. Diese habe ich zwei Tage zuvor aus der Botschaft bekommen, versehen mit jeder Menge Visa für die GUS-Länder, China, Mongolei und den Iran.


Was da Oliver und ich zu später Stund noch gemacht haben? Hmm, Not macht erfinderisch. Und schweigen müssen wir trotzdem noch eine Weile, aber es war eine heiße Geschichte mit letztlich gutem Ausgang.


Begrüßung. Carmelita lernt Sergej, unsere ruhende und starke Hand, kennen.


Das Team. Sie werden mir helfen, alle von uns gut durch das Land zu bringen. Juri aus Lemberg, der Mechaniker und Elektriker zur Rechten, Natascha aus Irkutsk, Dolmetscherin und zweite Reiseleiterin sowie Sergej aus Moskau, verantwortlich für viele administrative und sicher- heitstechnische Fragen.


Herzliche Begrüßung, schöne Momente. Wolfgang und ein russischer Reisender freuen sich über die erfolgreiche Einreise nach Russland.


Am Abend stehen wir am Ufer der Welikaja am Rande der Stadt Pskow. Letztes Mal schüttete es in Strömen, dieses Mal scheint uns die Sonne.


Ausgelassenes Anstoßen auf unseren ersten erfolgreichen Reisetag.


Angler am Ufer der Welikaja. Angeln ist eine der Lieblings- beschäftigungen der Russen.


Zu Fuß geht es über die Welikaja zum Pskower Kreml.


Die Kirche im Kreml mit viel Fotografierfreiheiten. Im Moskauer Kreml wird sich das ändern…


Die moderne Zeit macht auch nicht vor der gläubigen Ikonenverkäuferin in der Kirche halt. Im heiligen Gebäude Kunden bedienen und gleichzeitig telefonieren – klar geht das. Wir haben das 21. Jahrhundert und doppelt soviel Handyanschlüsse wie Festnetznummern in Russland! Jetzt sind es übrigens noch 19 mehr, wir alle haben je eine russische Handykarte.


Ahh! Das sind Arbeitsbedingungen! Unsere ersten Tourguides sind erleichtert, ihre erste Führung überstanden zu haben.


Pilzekauf unterwegs. Natascha prüft sorgfältig die Frühjahrsmorscheln, die wir anschließend in die Pfanne gehauen haben.


Ja, jetzt haben sie uns wieder, die russischen Straßen. Schlaglöcher en masse, da hilft auch das bisschen Flickschusterei der Straßenarbeiter nicht. „Wir wären schön blöd, würden wir alles richtig nachhaltig reparieren. Dann hätten wir ja bald keine Arbeit mehr.“ lassen sie uns wissen.


Der Moment der Betroffenheit.


Morgen schlagen wir ein neues Kapitel auf. Es geht um Geld und Moskau und Staus und so weiter.



Euer

Kostya


002 Im Konsum- und Kaufrausch
Aufgrund der Geschehnisse der letzen Tage komme ich und zwei weitere Reisemobilbeatzungen erst am Morgen des 21.05. in Russlands… < mehr



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