Wenn der Anhänger zum Überholen ansetzt!

Liebe Nochimmernichtreisemüden!

Das Kaspische Meer haben wir so ruhig überstanden wie nie zuvor. Nicht mal die Fahrzeuge hatten sie festgezurrt, so glatt war die See. Drüben auf der Aserbaidschanischen Seite brauchen wir wieder viel Geduld. Um alle Papiere auszufüllen, stehen wir solange, dass wir uns gleich entschließen, auch in der Grenzanlage zu übernachten. Doch zunächst gilt es profanere Probleme zu lösen. Die Hydraulik der Fährenklappe versagt. Nur unter Einsatz aller meiner Kräfte kann ich die tonnenschwere Klappe halten:

Oh, auch das war ein Scherz, der letzte dieser Gattung, versprochen


Warten, bis wir ausfahren dürfen. Eine leichte Übung für uns nach diesen 5 Monaten Abenteuer.


Er lächelt bereits, der LT, denn er ahnt wohl, dass es hier in Baku gute Werkstattmeister geben soll, die dem Motor wieder leben einhauchen werden.


In der tat, wir finden bald einen guten, sogar deutsch sprechenden Meister. Alles könnte jetzt klappen, wenn….


…ja, wenn da nicht die unendliche Geschichte mit dem Zoll wäre. Unser Reisebüropartner Aydin hat sich mit den Zöllnern in die Wolle bekommen und diese rücken nun nicht die längst bereitliegende Nockenwelle heraus. 2!! Tage verhandele und bitte und flehe und schimpfe ich, bis das Teil freikommt.


Siehe da, Heinemann überwacht uns in Baku. Viele der hier laufenden Autos stammen aus Deutschland und haben noch die alte Werbung drauf.


Wenn nicht mal die Polizistin über den Zebrastreifen kommt, kann sich jeder ausrechnen, wie viel Rechte hier die Fußgänger haben. Baku ist in dieser Hinsicht ein ganz gefährliches Pflaster.


Die 4-Millionenstadt wächst rasend, der Wohnraum ist teuer geworden.


Karabach gehört uns und nicht den Armenien, so der Tenor praktisch aller Aserbaidschaner und natürlich auch unseres lokalen Guides in Baku. Der Konflikt um Karabach, in dem beide Seiten Gebietsansprüche stellen, belastet alle. Wer mit armenischen Karten, wo der Grenzverlauf anders dargestellt ist, nach Aserbaidschan kommt, bekommt diese eventuell abgenommen.


Vor dem Parlamentsgebäude stand früher Lenin, dessen Sturz wir 1991 live miterleben durften.


Heute ist Aserbaidschan fest in den Händen der Familie Alijew. Vater und Sohn, Ex-Präsident und Neu-Präsident sind überall auf Plakaten präsent. Fast fühlen wir uns an Turkmenistan erinnert.


Das Volk ist aber besonders mit Alijew Junior nicht zufrieden, die Löhne der einfachen Arbeiter, Lehrer und Ärzte ein Witz.


Viel Holz muss der alte PKW sowjetischer Bauart tragen. Das Leben ist unheimlich teuer geworden, die Löhne sind nicht schnell genug mitgewachsen.


Aserbaidschan hat Ölreichtum, aber die Menschen partizipieren daran sehr ungleichmäßig.


Es ist schon ein unbehagliches Gefühl, wenn einem der Anhänger abreißt


Aber endlich weiß ich, wie sich so etwas anfühlt


Wir erleben den Vorfall gelassen, die Deichsel war wohl einfach müde von den zurückliegenden Belastungen, obwohl sie das aushalten hätte sollen. Es ist ja schließlich ein Offroad-Anhänger


Zunächst wollen wir ihn weiterschleppen und binden die Deichsel mit Gurten und Seilen


Wir setzen Sascha aufs Dach des Pössl, der von dort aus die Angelegenheit beobachten soll. Dann fahren wir langsam weiter, sehen aber, dass das Stützrad keinen weiteren Kilometer aushält


Wir besorgen uns schließlich einen Schweißwagen


Vor Ort wird geschweißt


Nach 2 Stunden ist der Spuk vorbei, wir rasen weiter Richtung Sheki, wo wir morgen eine Exkursion haben. Noch in der Nacht erreichen wir unser Ziel


Gute Laune im Exkursionsbus in Sheki, einer der ältesten Städte in Aserbaidschan


Die Karawanserei von Sheki. Wir genießen die lockere Exkursion und auch das Gefühl, auf der anderen Seite des kaspischen Meeres unterwegs zu sein


Ja, er ist wieder unter den Lebenden. Der LT läuft endlich. Einer der vielen Ahnungslosen in Usbekistan hatte zu allem Unglück die Leitungen am Tank vertauscht, was erst einmal herausgefunden werden musste. Aber nun läuft er wieder, nichts ist unmöglich, wir haben jede Panne gemeistert.


Die letzte Nacht in Aserbaidschan bricht an, wir wählen nach Einverständnis des Besitzers Jusif die Wiese als Standplatz.


Jusif ist zwar klein im Wuchs, aber er ist ein ganz Großer für uns und sein Dorf. Auch für ihn ist es eine große Sache, Gastgeber zu sein.


Stolz präsentiert er seine und des Nachbarn Kinder.


Zum Drücken süß sind Jusifs Töchter, ebenfalls klein im Wuchs. Aber ganz intelligent und gar nicht scheu. Sie sind die Schulbesten und überall akzeptiert


Nachts tauchen noch jede Menge Uniformierte auf, die auch von unserer Ankunft Wind bekommen haben. Sie laden uns zum Wodka ein und bewachen uns selbstlos die ganze Nacht, auch wenn das gar nicht nötig ist.


Am Morgen nehmen wir Abschied, Jusifs Kinder schauen uns nach und werden den Tag genauso wenig vergessen, wie wir sie und ihre großen Herzen.


Berittene Händler bringen Öfen von Georgien nach Aserbaidschan. Wir sind also bereits im nächsten kaukasischen Staat



Cheers Kostya

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