In Ashrabad ist alles Gold, was glänzt!

Liebe getreue Internetreisende!

Spannender Besuch im Neuzeitreich Turkmenbashis.

Klar wist ihr, dass wir mittlerweile schon viel weiter sind, als es hier im Internet dargestellt wird und unsere Pneus bereits über osttürkischen Asphalt rollen. Aber wer wie was überstanden hat, das wisst ihr nun doch nicht so genau. Und daher müsst ihr weiter mit uns miterleben, mitleiden, mitfreuen, einfach mitreisen durch ganz spannende Flecken unserer Erde. Auf geht´s:

Wir stecken mitten in Turkmenistan, stehen kurz den Toren Ashrabads und freuen uns nach so viel Wüste wieder auf etwas Zivilisation, wie es Hauptstädte immer mit sich bringen. Der glatte Asphalt der neuen Strecke nach Ashrabad lässt uns durch die Wüste schweben, wir haben eine weitere Prüfung also hinter uns.

Turkmenisch-Schweizer-Deutsche Freundschaft. Kamel, Heidy und Brigitte verstehen sich ungemein gut.


Überall prangt das Konterfei des neuen turkmenischen Präsidenten Berdimuhammedow, der erst seit einigen Monaten an der Macht ist. Alles ziemlich unerwartet, da sein Vorgänger Nyasow alias Turkmenbashi sich als Präsident auf Lebenszeit selbst bestimmt hat und dann überraschend im Februar dieses Jahres verstarb.


Die Einfallstraße nach Ashrabad: Grün, sauber und prunkvoll empfinden wir die turkmenische Hauptstadt. Da wissen wir noch nicht, was wir noch alles sehen werden.


Ankunft am Standplatz in Ashrabad. Thomas und Heidys Fahrzeug wurde bereits über 1000 Kilometer durch die Karakumwüste gezogen. Ob wir hier in Ashrabad eine Möglichkeit finden, den Motor zu reparieren? Wir sind jedenfalls moralisch darauf eingestellt, den LT notfalls bis nach Baku zu ziehen.


Ausgabe der Registrierung, Wer in Turkmenistan als Autotourist unterwegs ist, braucht eine Menge Papiere und Stempel, einige können erst vor Ort eingeholt werden.


Ungewohnter Besuch auf dem Parkplatz. Eine Stabheuschrecke krallt sich auf dem Handrücken fest. Dieses Foto ist meinem Sohn Eugen gewidmet, den ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen haben und mit dem ich bald wieder auf Insektenjagd gehen werde.


Gespenstische Ruhe in Ashrabads Straßen bei Nacht. Kein normaler Mensch ist nun auf der Straße, es sind nur uniformierte Turkmenen an Kreuzungen und vor den zahlreichen illuminierten Gebäuden zu entdecken. In Ashrabad herrscht ab 23 Uhr Ausgangssperre für alle außer für die, die sie überwachen.



Der nächste Morgen. Die Sonne lacht, die junge Turkmenin auch. Wir schauen uns die Stadt bei Tag an.


Ja, da lacht das Camperherz. Endlich wieder ein Supermarkt ganz nach westlichem Muster. Und ganz nach den Vorstellungen von mir. Nutella zum Abwinken, das Glas gerade mal 63.000 Flöhe (turkmenische Manat sind gemeint) teuer.


Damit es dem Volke Turkmenistans gut ergeht, ließ dieser eine ewig lange Treppe ins Stadtnahe Bergmassiv des Koped Dag einbauen. Über zig Kilometer zieht sich das Bauwerk, dass jeder Turkmene mindestens einmal begangen haben muss. Das trägt zur Gesundung des turkmenischen Volkes bei, meint man.
Wir geben uns keine Blöße und steigen zumindest einen halben Kilometer das bauwerk empor und sind dadurch sicherlich etwas gesünder geworden und auf jeden Fall…


…auch etwas durstiger.


Im Zentrum der Stadt steht Turkmenbashi ganz in Gold auf einem modernen Turm, der die 12 Meter hohe Figur des Vaters aller Turkmenen immer so dreht,…


…dass Turkmenbashi immer der Sonne entgegen die Arme ausstreckt. Ein Personenkult der besonderen Form. Das glaubt ihr nicht? Stimmt aber. Und stimmt es auch, dass man mit einem Fahrstuhl in den Turmunterbau auffahren kann und von dort aus die Kunststadt mitten in der Wüste sehen kann?…


…Ja, auch das stimmt. Wir fahren hoch und bereuen den Ritt im Lift keine Minute. Die Aussicht ist phänomenal, das was wir sehen noch mehr. Ölmilliarden und ein monarchisches autoritäres System machen es möglich, Staatsgelder so auszugeben. Es hat etwas gespenstisches auch am Tage an sich, dieses Ashrabad, dass ich bereits zu Anfang der 90er besuchte und nun nicht mehr wiedererkenne.


Auch der Spaziergang durch die vielen Brunnen,- Park,- und Palastanlagen wirkt wie eine surreale Reise durch ein uns fremdes Reich, Mitten in der Wüste so viel Wasser. Man pflegt mit großem Einsatz die Anlagen, aber wir sehen außer dem Pflegepersonal kaum weiteren Menschen in den Parks, die Sitzbänke bleiben fast immer leer.


Turkmenbashi schrieb ein Buch über das richtige Leben eines Turkmenen. Das Buch ist ähnlich den Präsidentenabbildern omnipräsent, ein jeder Turkmene muss es gelesen haben. Also auch die, die auf dem Land Turkmenistans leben und nicht für länger in die Hauptstadt kommen dürfen.


Sandwichsituation für Brigitte und Co auf Ashrabads Straßen. Ein Fußgängerleben zählt hier genauso viel, wie in der übrigen GUS. Nämlich nichts


Jeder Turkmene soll sich Autofahren erlauben können. Daher ist der Sprit staatlich subventioniert, 100 Liter kosten umgerechnet 1 Euro, ein Liter also 1 Cent. Da Autos aber richtig teuer sind, kommt es für den Ottonormalverbraucher nicht in die Tüte, von so einem fahrbaren Untersatz überhaupt nur zu träumen.


Wir dagegen träumen und freuen uns über den kleinen Preis. Für einen Euro voll tanken – das hat schon etwas. Vollgetankt verlassen wir Ashrabad, eine Stadt, die wir nicht so schnell vergessen werden.


Noch ein Foto für dich, mein lieber Eugen. Wo steckt die gut getarnte Zwergagame?


Von nahem sieht sie groß aus, ist aber gerade mal 5 Zentimeter lang.


Morgenstimmung am Standplatz in der Weite des vorwiegend flachen Turkmenistans.


Starke Winde jagen Sand über die Asphaltdecke. Manchmal wird die Straße in dieser Jahreszeit zugeweht, wir haben aber wie immer mit dem Wetter ein großes Glück.


Großes Glück hat auch Werner, der hier in mitten einer Schar von turkmenischen Mädchen im unterirdischen See Bacharden ein Bad im pudelwarmen Heilwasser nimmt.


Horst kommt, die Mädels gehen. Das ist aber nur rein zufällig. Im Gegensatz zu uns gehen die Turkmeninnen in voller Montur ins Wasser.


Das sind wahre Helden. Der defekte LT wurde von Christian durch ganz Turkmenistan von Nord nach Süd und Ost nach West geschleppt. Ein Hoch auf die Fahrer Christian und Thomas. Eine echte Glanzleistung von euch!


Wir erreiche so alle Turkmenbashi, die Hafenstadt am Kaspischen Meer. Zu sehen ist der alte und neu renovierte Bahnhof von Turkmenbashi, den ich extra für Dich, lieber Heiko, aufgenommen habe.


Vieles hat die turkmenische Regierung reglementiert, aber den Segnungen der modernen Kommunikationstechnologie keine weitere Bedeutung beigemessen. Eine Satellitenschüssel ist hier mehr als nur der Blick nach draußen in die freie Welt. Jeder Haushalt hat einige davon.


Wir haben kurzerhand für einige Euro 1,5 Tonnen Diesel geordert und können nun alle unsere Kisten vollaufen lassen.


In der Frühe starten wir gemeinsam zur Fähre, die im Laufe des Tages abfahren soll und uns auf die andere Seite des Kaspischen Meeres bringen soll. In der Hafenanlage herrscht wie in vielen Bereichen Turkmenistans strengstes Fotografierverbot. Daher stammen die nächsten Bilder erst von der Fähre. Turkmenistan verlassen wir noch heute, die Fähre selbst ist bereits aserbaidschanisches Territorium.


Was so alles auf einem Schiff, das in heftigen Seegang gerät, passieren kann. „Auf dem Kaspischen Meer herrscht immer Sturm mit hohen Brechern“ habe ich vollmundig angekündigt. Und auch die Aushänge auf dem Schiff, dass uns nach langer Überredungskunst und einigen Sondergeldzahlungen aufgenommen hat, lassen auf stürmische Zeiten schließen.


Wir können einige Kabinen auf dem nur für Frachtverkehr ausgelegten Schiff organisieren. Ilse, Gerlinde und Siegfried schauen gespannt von außen durchs Kabinenfenster.


Und so sieht´s innen ais. Nicht gerade luxuriös, nicht mal ein Paderborner würde hier mehrere Sterne vergeben wollen. Unser Seelenverkäufer legt ab und tuckert langsam, sehr langsam auf die Kaspische See. Zunächst kein Wellengang, aber dann geht es los. Immer mehr Wellen, immer größer, der Karren schaukelt gewaltig, alle Szenarios des eben gezeigten Posters werden wahr. Die Motoren kämpfen verzweifelt gegen die hohen Wellen und …fallen schließlich aus. Hektik bricht aus, wie soll das Schiff nach Baku gelangen?


Da besinne ich mich meiner Pflicht, alle Reiseteilnehmer bis in die Türkei zu bringen und nehme die Sache selbst in die Hand. Auf Deck habe ich ein Tretboot entdeckt und dann nicht mehr gezögert. Spontan steige ich in die Pedale und treibe unter Einsatz aller meiner Kräfte das Schiff voran Richtung Baku, was wir nach fast 20 Stunden Fahrt endlich erreichen. Beweise fällig? Bitte sehr:
Baku ist schon zu sehen, es herrscht nach meiner Heldentat eine ausgelassene Stimmung. Was, das reicht euch nicht als Beweis? Na gut, ich zeigt auch einige Ausschnitte aus der Rettungsaktion.


Deutlich sind die Schaufelräder des Tretbootes und meine Beine zu erkennen, die voll in die Pedale treten und das gesamte Schiff mit 45 Knoten antreiben. Und wem das noch nicht als Beweis reicht, sei auf das nächste Foto hingewiesen:


Nun erlaubt mir doch einen kleinen Scherz und seid euch gewiss, dass nur die Geschichte mit dem Tretboot in die Kategorie „Seemannsgarn“ einzuordnen ist. Die anderen Beschreibungen sind wahr.


Wahr ist auch, dass bald die Fortsetzung der Erzählung unserer Abenteuerreise erfolgt. Dranbleiben kann ich da nur sagen. Es gibt weitere wahre Abenteuer

Cheers Kostya

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