140 Millionen Russen suchen das Notebook! Und finden es! Yeeeaaahhh!

Liebe Mitfiebernden!

Wie schrieben doch gleich einige unserer Mitreisenden? Nur ein Wunder koenne uns helfen, das Notebook zurueckzubekommen? Ja, ein Wunder brauchten wir. Und wir machten uns eins. Nach einer der wohl schrecklichsten Naechte meiner Reisekarrierere folgte ein genauso schrecklicher Tag fuer mich. In der Nacht der Tat wurde ich auf Polizeistationen geschleppt, laengst nachdem die Spurensicherung am Auto vorgenommen war. Ich schrieb Protokolle, wurde befragt, musste mir die Verbrecherkartei ansehen, musste X Dokumente unterzeichnen. Ich war so desolat und todmuede, dass ich einige Mal waehrend der Verhoere einschlief. Der Schlaf ist so erloesend gegenueber all dem Elend, dass da ueber mich hereingebrochen war.

Gegen 7 Uhr in der Fruehe kam ich an unserem Platz an. Verkroch mich fuer 2 weitere schlaflose Stunden unter der Decke des Hotelbettes unseres Expeditorenteams, wollte einfach nichts wissen. Alle unsere Mitreisenden fragten sich, was los war und waren auch sehr betroffen, nachdem sie erfuhren, was geschehen war. Natuerlich nichts wirklich Schlimmes, denn ich war gesund und alle unserer Gruppe standen unversehrt im Stadion von Dynamo Irkutsk.

Wir fingen an, die Kinder in der Umgebung zu befragen, ob sie etwas bemerkt haetten. Der Anfang zu eine beispiellosen Suchaktion nach dem gestohlenen Notebook. Nun besannen wir uns alter Tugenden. Kaempfen, bloss nicht aufgeben. Zunaechst mal ging ich zum Friseur und liess mir den 4-Wochen-Bart abrasieren, ein symbolischer Neuanfang. Dann riefen wir die Presse auf die Tagensordnung, informierten dazu Buergermeister und das Innenministerium. Alle versprachen uns zu helfen. Die Presse erschien wahrhaftig zahlreich, es war eine packende Geschichte. Und sie machten daraus eine Riesensache. In allen regionalen und im Russlandweit ausgestrahlten Staatsfernsehen lief unser Beitrag, gleich die dritte Meldung, fast 6 Minuten lang in dem Pendant der deutschen Tagesthemen. Sensationell, eine Reichweite von Kamtschatka bis Koenigsberg! Sie strahlten unseren flammenden Apell an alle Irkutsker aus, uns das Notebook und besonders die Fotos und Texte wiederzugeben. “Irkutsk ist mein Tiefpunkt einer bisher wunderbaren Reise, in der Russen und Deutsche unvergessliche Stunden miteinander verlebt haben.

Ihr, liebe Irkutsker, koennt nun dazu beitragen, dass aus dieser negativen Erfahrung die positivste der Reise wird, wenn ihr uns das Notebook bringt.” So sprach ich vor den Mikrofonen und sagte noch vieles anderes, lobte unter anderem eine Belohnung von 150.000 Rubeln (knapp 4500 Euro) fuer die Finder aus. Schliesslich verliesen wir am naechsten Tag Irkutsk, um fuer einige Tage auf der Insel Olchon den Baiklasee von seiner Schokoladenseite – und er hat viele davon – kennen zu lernen. Mit Polizeigeleit wurden wir auf die Ausfallstrasse zum Baikal gebracht und praktisch jeder, dem wir begegneten, wusste durch Zeitung, Fernsehen oder Radio, was uns widerfahren war. Erstaunlich, diese Wirkung. Auf der Insel Olchon genossen wir den Baikalsee in vollen Zuegen, wie ihr noch sehen werdet. Und wir erhielten noch auf Olchon die Meldung, dass das Notebook gefunden sei. Alle wussten es auf der Insel, meist vor uns. Nach drei Tagen kamen wir zuruck, mussten auf unserem Weg nach Osten noch einmal durch die Stadt Irkutsk. Helle Aufregung bei der Polizei. Sascha und ich standen bereits bei der verantwortlichen Polizeistation und warteten nun auf die Kriminologen, die den Fall aufgeklaert haben sollten. Die Strassenpolizei hielt unsere Reisemobile fest und geleitete auch eins gegen dessen Willen direkt zur Station, die anderen wurden an der Stadtgrenze aufgehalten. Immer wieder fiel das Wort “Notebook”. Schliesslich gelang es sie davon zu ueberzuegen, dass nicht alle von uns da sein muessen, um das Notebook, gesetzt den Fall, es sei das Richtige, entgegen zu nehmen.

9.30! Der grosse Moment war gekommen. Ich wurde ins Gebaeude gebenen. Ueber verwinkelte Gaenge fuehrte mich ein Man in Zivil ins Zimmer der Chefkriminologen. Zu zweit sassen sie da, zogen genuesslich an ihren Klimmstengeln. Dann holten sie seelenruhig etwas rechteckig flaches schwarzes aus dem Tresor hervor: Ein Notebook….
Ja, es war das Richtige. Ja! Angespannt oeffnete ich es und fuhr den Rechner hoch. Ewig erschienen mir diese zwei Minuten Hochfahren. Dann den Explorer aufmachen. Mit zittrigen Finghern ins Laufwerk D hinein und dann den Ordner “Asientour” oeffnen. Dann die Erloesung. Alles an Bord, die Fotos von unseren Schlammpassagen, den herrlichen Landschaften, den tollen Begegnungen mit den Menschen dieses faszinierenden Landes. Das Wunder war geschehen.

Eine Belohnung wollten sie nicht, es sei ihr Job. Ein Fall wie jeder andere, sagten sie. Ich glaube aber, sie alle haben die Ehre Russlands gerettet.

Die Taeter hat die Polizei gefasst, die Diebe sitzen nun hinter schwedischen Gardinen und warten auf die Gerichtsverhandlung. Wie sie geschnappt wurden? Das bleibt Geheimsache. Es war auf jeden Fall Chefsache!

Ich muss mich bedanken bei Dina und Sergej, unseren Expeditoren, die mir zugeredet und mich aufgebaut haben genauso wie unsere Gruppe, die mir stets Mut und Hoffnung zusprach und natuerlich den Irkutskern, die unsere Ansprache verinnerlicht haben. Buergermiester, Poliziechef, Innenministerium und alle die anderen vielen, die mitgewirkt haben. Ob so etwas auch bei uns zuhause moeglich waere? Weiss ich nicht, aber das hier werde ich nicht vergessen.

Eine grosse Reise ist um ein tolles Kapitel reicher. Was auch immer in den naechsten Wochen passieren wird – das was war, kann uns keiner mehr nehmen. Meine Lieben, jetzt sind sie alle wieder da, die schoenen und dramatischen Fotos, die ich euch bisher nur in Worten wiedergeben konnte. Ab Morgen arbeite ich fuer euch das Gewesene auf, auch das war wirklich packend und einmalig. Uebrigens, wir sind alle wieder zusammen, 16 Reisemobile und ein Haenger, der schon ein bisschen Heimweh bekommen hat…

Nun aber erst mal die Fotos zum Russischen Notbook-Wunder!

Voller neuer Energie wuenscht Euch Euer Kostya: Alles Gute

PS: Wir haben mittlerweile alles zwei Mal abgespeichert und an verschiedenen Plaetzen deponiert.

Woche VI: 140 Millionen Russen

Sergej und Dina, unsere beiden Expeditoren. Sie bilden normalerweise die Vorhut und melden uns die Beschaffenheit der Strecke und der Standplaetze.


Woche VI: 140 Millionen Russen

Segej hat stets einen guten Draht zur Polizei. Man geleitete uns in die Stadt und sperrte Kreuzungen und Kreisel, damit wir freie Fahrt hatten.


Woche VI: 140 Millionen Russen

Schon nahe unseres Standplatzes vorbei an der Kirche. Auch der Polizei macht es Spass, so eine Gruppe von Verrueckten durch die Stadt zu geleiten.


Woche VI: 140 Millionen Russen


Woche VI: 140 Millionen Russen

Einfahrt im Stadion Dynamo Irkutsk. Wieder haben Sergej und Dina einen exklusiven Standplatz organisiert.


Woche VI: 140 Millionen Russen

Da stehen wir nun alle bis auf Freddy und Myrtha, die in einer tollen Aufholjagd nun nur noch 400km vor Irkutsks stehen und morgen zu uns stossen werden.


Woche VI: 140 Millionen Russen

Die schreckliche Nacht. Spurensicherung am Auto, Fingerabdruecke werden genommen. Ich bin den Dieben auf dem Leim gegangen.


Woche VI: 140 Millionen Russen

Katerstimmung am Morgen. Gemeinsame Betroffenheit ueber den Vorfall.


Woche VI: 140 Millionen Russen

“Jungs, habt ihr was gesehen? Es gibt ne fette Belohnung, wenn ihr das Notebook bringt oder uns sagt, wer es hat.”


Woche VI: 140 Millionen Russen

Pressekonferenz im Stadion. Flammender Appell an ganz Russland: “Bringt uns die Fotos zurueck!”


Woche VI: 140 Millionen Russen


Woche VI: 140 Millionen Russen

Alles, der ganze Tathergang, wird abgelichtet. Die Pressevertreter versprechen, uns zu helfen. “Die Chancen seien gut bei so einem massiven Aufgebot.”


Woche VI: 140 Millionen Russen

Auch unsere Gruppenmitglieder werden befragt, wie ihnen die Reise den gefallen habe. Und die Antworten unisono. “Bis auf den Vorfall in Irkutsk wunderbar.”


Woche VI: 140 Millionen Russen

Im Fernsehen wird es in der russlandweiten Nachrichtensendung zur besten Sendezeit uebertragen. Wir koennen es kaum glauben.


Woche VI: 140 Millionen Russen

Polizei gut, alles gut! Sie geleiten uns bis zur Ausfallstrasse zum Baikalsee. Wir fahren in den Urlaub waehrend sie fieberhaft das Notebook suchen.


Woche VI: 140 Millionen Russen




Vier Tage spaeter

Woche VI: 140 Millionen Russen

Ich kann es kaum fassen. Es ist das Notebook und noch alles ist drauf. Alles. Der Taeter Paesse liegen vor mir. Vielen Dank an alle, die zur Aufklaerung beigetragen haben. Das war ein Meisterstueck, liebe Irkutsker. Irkutsk ist wieder ganz oben in meiner Beliebtheitsskala.


Woche VI: 140 Millionen Russen

Ohne das Wunder haette dieses Plakat wieder etwas weh getan. So habe ich es am Abend gleich abgespeichert… Doppelt!


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