China ist laut, bunt und nichts für schwache Nerven

Lauter Trommelwirbel dringt bereits ab 6 Uhr morgens unerbittlich durch jede Wand unserer „Wohnungen“ auf Rädern. Hatten wir den bei uns parkenden Kranfahrer am gestrigen Abend noch überreden können, nicht vor 7 Uhr mit der Arbeit anzufangen, übersahen wir das Schlagzeugensemble, dass nun in aller Herrgottsfrühe den Schulhof mit rhythmischem Trommelfeuer überflutet. Aber was rede ich, um 6 Uhr ist hier ohnehin schon die Hölle los. Die Straßen mit hupenden Autos verstopft, die Geschäfte längst auf, Straßenarbeiter und Händler sind am lauten Rufen.
Dann kommt Presse und Reiseagentur, will uns Exoten ablichten.

Ab hier beginnt sie wieder, die Erzählung in Bildern und Kommentaren, die euch ein bisschen China miterfahren und erleben lassen. Schnallt euch gut an, es geht rund auf dem Weg in die Millionenmetropole Shenyang, die wir hoffentlich beulenfrei erreichen werden.

Wir sind noch gar nicht in Medien- und Agenturlaune, da spannen sie schon wieder ein Banner auf. Das erste Mal in der Geschichte Janjis taucht hier eine Gruppe Reisemobilisten auf.


Mithilfe zu finden fürs Anbringen des Banners am Auto ist kein Problem.


Boah, ist der lang, der Langnasenmann! Oder wie ist sie klein und niedlich, die Frau aus dem Reich der Mitte! Größe und Sprache spielen oft keine Rolle, wenn es um Sympathien geht. Wir genießen es, dass man uns Langnasen mit so viel Lächeln empfängt.


Gruppenfoto vor dem Banner. Wer da nicht drauf zu finden ist, leert gerade Bioklo oder tankt Wasser. Seit sicher, es geht allen gut!!!

Gruppenfoto vor dem Banner
Bild anklicken für Original


In wie weit werden wir die erste nennenswerte Etappe überstehen? Wie klappt es mit der Orientierung? Sobald mein korrigierter Führerschein eingetroffen ist, soll es losgehen.Skeptisch sind die Blicke der RMCP (Reisemobilistenchinapioniere), als es an die Besprechung der kommenden Fahretappe geht.


Blick nach Süden, Blick nach Nordkorea, an dem wir phasenweise wenige Kilometer vorbeifahren.


Reisfelder soweit das Auge reicht. Brachliegende Flächen gibt es nicht, alles Bebaubare wird auch genutzt. 1,3 Milliarden Chinesen und 29 Reisemobilisten wollen schließlich ernährt werden.


On the Road in China. Ochsenkarren prägen bei der Überlandfahrt das Bild genauso wie hochmoderne Reisebusse.


Pilzkulturfelder sind im Nordosten Chinas sehr häufig anzutreffen. Der leckere Pilz wird abgeerntet, dann getrocknet und etwas später von uns mit Hochgenuss im Abendrestaurant gegessen. Die Kulturen der Region versorgen große Teile des übrigen Chinas.


Ein Dreirad-LKW parkt neben uns. Diese Lastfahrzeuge sind hier sehr populär und am markanten Knattergeräusch des Motors sofort auszumachen.


Bahnübergang. Nun warten auch die Chinesen, die an Verkehrskontenpunkten normalerweise nicht die Spur von Regelbewusstsein haben.


Wenn die Schranken endlich auf sind, fahren alle auf einmal. Es dauert einige Minuten, bis auch wir über die Gleise kommen.


Und wieder heißt es zahlen. Die Maut ist fällig, die zu berappenden Beträge halten sich in Grenzen. Wir zahlen für 100 Kilometer Landstraße ca. 3 Euro. Fast alle größeren Straßen sind in China kostenpflichtig. Wir nehmen dies aber gerne in Kauf, die gute Qualität der Verkehrswege wiegt dies zweifelsfrei auf.


Tanken in China macht Spaß. Oft ist eine freundliche Tankwartin zur Stelle und befüllt das Fahrzeug. Erst anschließend wird bezahlt (in Russland musste man immer zuerst zahlen). Der Preis für einen Liter Diesel liegt unter 50 Eurocent.


Die gut bepackten LKW sind für uns ein Hingucker. Die Fahrzeuge sind oft so stark bepackt, dass sie Steigungen nur im Schritttempo passieren können. Was bei uns auf zwei bis drei LKW gepackt würde, findet hier in einem Fahrzeug Platz.


Die Tiertransporte sind nichts für mitfühlende Menschen. Die Kühe stehen eng und ungeschützt auf der Ladefläche. Die Schweine sind fast alle halbtot, so eng und lange werden sie transportiert.


Und wieder voll bepackte LKW. Anfangs müssen wir so etwas noch fotografieren, irgendwann haben wir uns dran gewöhnt.


Schlafender LKW-Fahrer. Zur Mittagspause legt man sich einfach neben das Fahrzeug. Chinesen sind begnadete “Inallenpositionenschlafer“.


Kaum stoppen wir mit unseren Fahrzeugen auf dem Markt entlang einer Überlandetappe, sind wir auch schon von vielen neugierigen Menschen umringt, die ungläubig staunen, wenn wir ihnen erzählen, dass wir aus dem fernen Deutschland kommen.


Alles ist interessant bei so einem Marktstopp. Der junge Mann hat sein Motorrad mit einer tollen Radioanlage mit Subwoofer ausgestattet, aus dem völlig übersteuerte chinesische Musik an die Ohren
der in der Nähe Weilenden dringt.


Was man so alles aus ausgedienten Autoreifen machen kann. Hier ist das billigste Modell einer Wasserschüssel zu sehen.


Frisches Fleisch in der prallen Marktsonne. Man sieht dies hier nicht so eng.


Und weiter geht es, hinein in das Verkehrschaos, durch das wir uns langsam aber sicher fortbewegen, immer Richtung Westen, wir sind ja auf dem 4-Monate-Heimweg.


Jaja, ich habe gesagt, dass wir irgendwann diese Dinger nicht mehr fotografieren werden. Aber zur Zeit ist das noch zu exotisch.


Melonenverkäuferin am Straßenrand. 5 Stück kosten umgerechnet ein Euro.


Der Vierbeiner schaut skeptischer als die beiden Chinesen, die wie fast alle es genießen, wenn wir sie fotografieren.


Der erste Exkursionsstopp in der Stadt Shangchun. Wir stehen auf dem Parkplatz des Kaiserpalastes.


Unsere Gruppe vor dem Kaiserpalast Changchuns. Der Schein trügt, wir sind hier alles andere als allein und müssen uns erst noch an die Massen von Touristen gewöhnen. Seit Moskau zu Anfang der Reise waren wir praktisch die einzigen Touristen bei Stadtbesichtigungen, nun sieht das völlig anders aus. Massentourismus und Reisemobilist – das passt irgendwie nicht ganz.


Weiterfahrt zum Standplatz am Hotel. Die Soldaten winken uns zu, sie freuen sich über die Exoten aus dem Westen genauso wie viele andere Chinesen. Sobald sie bemerkt haben, dass wir westliche Ausländer sind, werden Handys und Fotoapparate gezückt und wir mehrfach abgelichtet. Oft fahren sie den Konvoi komplett ab, um alles auf der Kamera zu bannen.


Es ist gerade Rot für die Radfahrer. Gut für uns, wir kommen schneller durch die Stadt. Insgesamt ist der Drahtesel aber auf dem Rückzug und weicht mehr und mehr motorisiertem Fahrgerät.


Das ist nicht die Einfahrt zu Disneyworld, sondern eine der großräumig angelegten Mautstationen.


Wir sammeln uns vor der Stadteinfahrt an einer Tankstelle. Die ersten großen Etappe liegen hinter uns. Wir lesen nun sogar die chinesischen Zeichen auf den Schildern der Überlandstraßen. Oft sind eben nur diese ausgeschildert.


Paderborner Frust. Schon wieder einen Plattfuß. Es ist im Moment der Wurm drin.


Ahnungslose Chinesen werden unendgeldlich in Reparaturprozesse eingebunden. Im Ernst: Alle sind sehr hilfsbereit, einer der Zuschauer wird selbst zum Akteur und legt spontan Hand an.


Wieder einer der besonderen Tiertransporte. Hier eher amüsant als erschreckend. Man muss höllisch aufpassen, dass man als Fahrer trotz all des Geschehens am Straßenrand noch den Blick nach vorne behält.


Die Städte präsentieren sich modern und aufgeräumt. Es ist in den letzten Jahren eine Menge Geld in die Infrastruktur und das Erscheinungsbild gesteckt worden


Grünanlagen werden mit einer erstaunlichen Akribie gepflegt. Man sieht oft ganze Brigaden von Menschen, die in Parks und auf der Straße arbeiten. Betrunkene und Herumgammelnde sind praktisch nicht anzutreffen.


Fast die Hälfte unserer Autos ist mittlerweile mit Werbe- und Begrüßungsbannern der örtlichen Reiseagenturen versehen.


Wir kennen das von Russland. Das Medieninteresse ist groß, wo immer wir auch auftauschen. Manchmal kann das sogar nerven, selbst um zehn Uhr nachts streichen noch die Paparazzi um unsere Fahrzeuge herum


Drei Frauen mit sechs Stäbchen (nicht Sexstäbchen!). Hopperla, wir haben schon ein paar Bier und Chinaschnäpse intus und garantieren nicht weiter für das Gesagte…


Besichtigung eines weiteren Kaiserpalastes, diesmal in Shenyang. Das Foto ist das einzige, auf dem keine Touristenmassen zu sehen sind. Ich erspare euch den Anblick, in Peking bekommt ihr davon noch mehr als genug,.


Mama und Tochter posieren für die Touristen, die meistens aus China kommen. Nur jeder zehnte Besucher ist ein Ausländer.


Sie sind modebewusst, die jungen Menschen aus dem Reich der Mitte. Hier erst von unten…


… und dann von oben.


Die schön dekorierten Früchte befinden sich auf der mehrere Meter langen Ladefläche eines Lastenfahrrads, das kunstvoll durch die engen Gassen zwischen all den anderen Fahrzeugen und Menschen hindurch manövriert werden will.


Die ersten Fahrtage in China haben wir überstanden. Beulenfrei! Manchmal bekommen wir den Mund nicht zu vor lauter Staunen über das, was da so alles auf der Straße passiert. Angenehm überrascht sind wir von der Freundlichkeit der Menschen. Nicht ein einziges Mal haben wir uns unsicher fühlen müssen.

Auch der Verkehr, so chaotisch er erscheinen mag und wohl auch ist, ist zu bewältigen, wenn man wachen Auges und mit etwas Mut fährt. Rechnen muss man allerdings mit allem und insbesondere damit, das Regeln im Verkehr nur Makulatur sind. Ihr dürft mit weiteren schönen Momentaufnahmen auf unserem Weg nach Peking rechnen, bleibt uns erhalten.

Kostya

Auf Wiedersehen, liebe Langnasen! Wir freuen uns sehr über euren weiteren Besuch.


nach oben