Mit Vollgas durch die Gobi

Liebe Reisefreunde!

Die Nacht an der Mauer hat allen so gut getan. Jungtsche, unser chinesischer Reiseleiter, der aus der Millionenstadt Xian kommt, hat nun zum ersten Mal seit Jahren wieder einen klaren Sternenhimmel gesehen. Und uns, die nun eine kühle und ruhige Nacht erlebt haben und ausgeschlafen sind.

Dann kann es ja wieder rausgehen auf die Piste, die sich nun längst Seidenstraße nennt. Aber bitte nicht zu früh, wir wollen heute morgen noch ein bisschen das längste Bauwerk der Menschheitsgeschichte genießen. Hier gefällt uns die Mauer einfach viel besser als bei Peking, wo man vor lauter Touristen fast nichts vom Bauwerk sieht und dauernd von den Souvenirhändlern angebaggert wird.

Echtes Mauerfeeling kommt dabei natürlich nicht auf. Aber hier, hier ist es genau richtig.

Die an dieser Stelle 600 Jahre alte Mauer beeindruckt, ist sie doch aus Lehm erbaut, der über Jahrhunderte gehalten hat.


Im Gestrüpp neben der Mauer hangelt sich ein Raubheuschreckenweibchen entlang.


Diese Heuschrecke hat einen langen Stachel und sieht bedrohlich aus. Die Heuschrecken werden sehr groß und können dann ganze Säugetiere und sogar Menschen in arge Bedrängnis bringen. Besonders gerne attackieren sie in der Dämmerung Reisemobile und deren Insassen, die wild an der Mauer campen… Spätestens jetzt merkt ihr, dass ich nicht mehr seriös bin. Die Heuschrecke ist in Wirklichkeit das weibliche Gegenstück zu der singenden Männerheuschreckenwelt, die in kleinen Käfigen sitzend nach ihrem fehlenden Pendant rufen. Chinesen sagen, sie bringen Glück. Und ich sage euch, dass der Stachel der Heuschrecke die Legeröhre ist und damit völlig harmlos! Last euch nicht verschaukeln!


Auch völlig harmlos ist die Polizei, deren echte Funktion wir ernsthaft hinterfragen. Bis jetzt haben wir noch nicht gesehen, dass Verkehrsverstöße geahndet werden, egal wie viele Polizisten dastehen.


Sie sind wieder unterwegs, die riesigen Autotransporter und versorgen den Westen Chinas mit neuen fahrenden Untersätzen.


Autobahnen in China haben viele Überraschungseffekte parat. Wieder mal Hunderte Geisterfahrer unterwegs, muss der uns entgegenkommende Fahrer wohl denken.


Der Flair sieht gut aus, hat seit Zig-Tausend Kilometer Asien die defekte Scheibe drinnen. Es ist keiner von uns, sondern ein Reisemobil aus China, dass ebenfalls mit einer Gruppe unterwegs ist.


Am Rand der Straße, viele Kilometer von der nächsten Besiedlung entfernt, finden wir Grabhügel neuern Datums. Die Flaschen sind kein Müll sondern gehören zur Grabdekoration und wurden irgendwann mal dem Verstorbenen gebracht. Dann wurde das Grab vergessen.


Vergessen kann man getrost auch den nächsten Standplatz in Dunchan. Wir ersaufen unseren Kummer über das hässliche Ambiente im Bier. Es ist heute nachgeholtes Bergfest, aber eine Superstimmung kommt irgendwie nicht auf. Zu stressig ist es, immer zwischen den aufgeheizten Mauern der Hotelhinterhöfe zu stehen. Für nächstes Jahr ist jetzt schon klar. Viele Hotelhinterhofstandplätze werden Plätzen in der Natur weichen. Mein Wort drauf!


Wenden wir uns nun dem Sehenswerten Dunhans zu. Es hat wohl lange gebraucht, bis die Haarpracht diese Länge erreicht hat.


Direkt an der Stadtgrenze sind die spektakulärsten Dünen gelegen. Über mehrere Hundert Meter hoch, sind sie auch von weitem zu sehen.


Gisela und Werner setzen auf einen Kamelritt (die orangefarbenen Überzieher sogen dafür, dass man sich nicht im heißen Sand verbrennt), während…


…Christian, Helmut und Kostya einen Quad zum Erklettern der Dünenberge wählen.


Christians Haare flattern im Wind, wenn der Fahrer richtig Gas gibt. Teils dürfen wir die Dinger selbst fahren, in den schwierigen Abschnitten fahren die


So dicht liegen verschiedene Zonen nebeneinander. Abrupt hört die Wüste auf, die Oase, heute die Stadt Dunhang, beginnt. Die kleinen Hügel stehen für Gräber, hier liegt der Stadtfriedhof.


Die Gräber passen zur Wüstenlandschaft, scheinen fast, sich tarnen zu wollen.


Von den Kämmen der Dünen ergeben sich fantastische, touristenfreie Blicke in die Gobi.


Schlafender Händler zur nächtlichen Stunde. Viele übernachten bei ihrem Stand. Auch ich gehe nun schlafen, nachdem mich einige Mal Minutenschlaf über der Tastatur des PCs ereilt haben.


Bis bald

Kostya

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