In der Präsidentensuite über den Yangtse!

Liebe Mitreisenden!

Ja, ich hänge ein bisschen nach mit dem Schreiben. Habt Geduld mit mir, China ist so prall und drall, ich finde selbst bei nur 4 Stunden Schlaf nicht genug Zeit, das Land aufzusaugen. Ein bisserl von dem entspannenden, aber keineswegs unspannenden Teil habe ich in Fotos und brottrockenem Kommentar für euch aufbereitet. Viel Spaß beim Bad im und um den Yangste.

Noch einmal einen ungläubigen Blick auf Chongqing, eine Phantasiestadt der Realität. China kann man genauso wenig mit dem Kopf verstehen wie Russland. Ob wirklich so viele Menschen in den gerade erbauten Häusern wohnen werden, ist sehr fraglich.


Und noch eine Brücke. Bauen, Bauen und noch mal Bauen. Chongqing wächst wie eine Krake am Lauf des Yangste.


Auf dem Yangste-Kreuzfahrtschiff geht es uns eigentlich sehr gut. Essen dreimal am Tag und das Leben genießen. Wenn es denn so einfach wäre. Denn einige sind erkältet. Besser hier als auf der Piste mit dem Wohnmobil.


Massage mit Knalleffekt. Nach der Massage ist Gisela richtig steif. Meistens ist eine chinesische Massage ein Genuss. Meistens. Aber ich will nichts schön reden. Alles, was ihr seht, ist authentisch.


Einfach zu hoch für das Reich der Mitte.


Und wieder geht es unter einer Brücke durch. Beeindruckend, was da an uns vorbeigleitet.


Reisen wie ein Oligarch. Meine Familie, die uns auf der Rundreise begleitet, hat von der chinesischen Agentur ein Gastgeschenk bekommen. Wir dürfen in der Präsidentensuite die drei Tage auf dem Schiff genießen. Das Frontdeck nur für uns, die Räume so groß wie eine Zwei-Zimmerwohnung. Ja, so kann man leben.


Der Yangtse wird als Transportweg genutzt. Die Autos auf den Fähren erleben ihre letzten ruhigen Stunden bevor sie auf chinesischen Straßen ihr Unwesen treiben dürfen. Chinesische Kleinwagen gibt es bereits ab 3000 Euro, die teuren hier erbauten Volkswagen kosten 18.000 Euro.


Brückenbauarbeiter arbeiten an einem weiteren Verkehrsweg über den Yangtse. Das ganze Land erscheint in Aufbruchstimmung.


Wir dinieren an Deck, es gibt ein reichhaltiges Buffet. Dünner werden ist auf dem Schiff nur drinnen, wenn man sich kräftig erkältet hat und nicht zum Essen kommt.


Eine der vielen neuen Städte entlang des Yangtse, der bereits um über 100 Meer aufgestaut wurde. Man sieht deutlich, wie hoch das Wasser noch steigen wird. Es ist ein monumentaler Eingriff in natur und Gesellschaft, der sicher auch Nutzen bringen wird. Aber was wird überwiegen? Wir schauen mit Erstauen auf das, was wir vom Schiff aus sehen. Neue Kunststädte und Verkehrsadern, Abertausend umgesiedelte Bauern, deren ursprüngliche Heimat überflutet wurde, wohnen nun in solchen urbanen Gebieten. Für die alten Menschen bestimmt nicht einfach. Die Jungen Generationen dürften damit eher zufrieden sein. Wir bleiben Beobachter des Yangtsespektakels und diskutieren angeregt pro und contra des Staudammprojektes. Dazu später noch ein paar mehr Bilder.


Ausflug in eine Nebenschlucht des Yangtse. Früher vor dem Beginn des Aufstauens waren hier tiefe Täler mit einem Gebirgsbach, heute steht das Wasser über hundert Meter tief!


Bei schwülwarmen 35 Grad ist es an Deck nur durch den Fahrtwind auszuhalten.


Die Landschaft ist grandios. Einige Monate zuvor stand das Wasser bereits viel höher. Mit dem Staudamm will man Hochwasser vermeiden und eine Menge Strom erzeugen.


Auf geht es Richtung ursprünglichem Flusslauf mit den Nussschalen, wie es unsere chinesischen Guides heute angekündigt haben. Mit Nussschalen meinen sie die kleinen Boote,…


…in denen wir nun im Rahmen eines Tagesausfluges unterwegs sind. Es ist brütend heiß, wir kommen ins Schwitzen allein, wenn wir den anderen beim Rudern zusehen.


Nach so viel braunem Yangtewasser endlich mal wieder klares Nass. Wir sind nach 90 Minuten Fahrt soweit in den Nebenarm vorgedrungen, dass hier der Gebirgsbach zum Vorschein kommt.


So wie früher ziehen sie nun die Boote entgegen der Strömung weiter. Früher waren das Waren und es dauerte erheblich länger, heute sind es Touristen, die gerade mal einige hundert Meter gegen die Strömung hochgezogen werden.


Die einzig angemessene Tragweise von Schwimmwesten bei solchen Temperaturen.


Unser Bootsführer singt chinesische Liebeslieder auf dem Rückweg zum großen Fluss.


Die Ruderer liefern sich ein Rennen, wir ziehen gerade an unseren „Gegnern“ vorbei.


Am Abend erreichen wir den großen Staudamm und fahren nun in die Schleusenanlage ein.


Um mehr als 100 Meter fallen die Schiffe in der 5-Stufen-Schleuse. Die riesigen Betonwände links und rechts scheinen uns fast zu erdrücken, so gewaltig sind sie.


Gigantische Eisentore öffnen und schließen sich je nach Bedarf. Ich kannte so etwas bisher nur aus Sciencefiction-Filmen.


Mehrere Schiffe passen in eine Schleusenkammer und klettern in diesem Falle nach unten. Die neben dran liegende Schleuse ist für den Gegenverkehr, für die Schiffe, die Flussaufwärts fahren. Weltweit ist dies die erste fünfstufige, in zwei Richtungen gleichzeitig arbeitende Schleuse.


Auf der anderen Seite hinter dem Staudamm. Jetzt ist der Yangstefluss wieder auf seinem normalen Niveau. Wir sind noch immer zu tiefst beeindruckt von der Schleusendurchfahrt und der Gigantomanie Chinas. Besser, höher, größer.


Die Staumauer liegt einen halben Kilometer neben den Schleusen. Der Staudamm soll 10 Prozent des gesamten Strombedarfs Chinas decken. Ein Teil der riesigen Turbinentechnik kommt aus Deutschland, nun können sie alles selber nachbauen, was unser lokaler Führer auch zugibt.


Klar, das viele Chinesen auf ihren Dreischluchten-Staudamm stolz sind. Hinterfragt wird nicht, eher fotografiert und triumphiert.


Noch einmal einen Blick auf die Schleusenanlage, die täglich Dutzende Schiffe durch den von Menschenhand geschaffenen Höhenunterschied bringt.


Weiter geht die Reise, diesmal auf Normalniveau. Wenn der Damm hält, dann erreichen wir auch unsere letzt Etappe, die Wirtschaftszone Shanghai. Für die Aberts geht das Leben in der Präsidentensuite vorbei, sie werden es verkraften!


So werden unsere Koffer transportiert. Bisher haben wir keinen verloren.


Trotzdem blicken viele sorgenvoll auf die Art und Weise der Kofferverladung. Wir sind nun mal keine Pauschaltouristen und können uns an all diese klassische Touristenlogistik nicht gewöhnt.


Noch einmal Flugzeug und dann sind wir in Shanghai, der Wirtschaftsmetropole schlechthin. Dranbleiben, ich hole wieder auf, mein Wort!

Kostya

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