Finale: Nach der Reise ist vor der Reise

Ja, liebe Freunde des Ostens, nun ist es also soweit: selbst eine derart lange Reise wie die unsrige geht irgendwann zu Ende. Und ebenso wie nach dem alten Jahr direkt das neue beginnt, so lautet auch bei uns Reiseorganisatoren das Motto „Nach der Reise ist vor der Reise“! So war ich in den letzten Wochen des alten Jahres bereits wieder in Moskau und Riga unterwegs, um Vorbereitungen für das neue Jahr zu treffen, aktuelle Informationen zu sammeln sowie Partner und Kollegen – von denen viele mittlerweile zu Freunden geworden sind – zu treffen. Und eins kann ich euch, liebe Asienfahrer 2012, schon sagen:

ob Gorkij-Park

und Roter Platz in Moskau

oder der Marktplatz im alten Wladimir – im Mai ist es hier doch deutlich wärmer und angenehmer!

À propos angenehm: das sind sie auf jeden Fall, die letzten Herbsttage im Kaukasus. Auch wenn viele von uns in Gedanken teilweise noch immer im Iran sind, so befinden wir uns am Ende unserer Reise bereits in Armenien und obwohl mich mein Navigationsgerät von Täbris aus auf eine Tagesetappe von schlappen 8764 km schicken will,

so schaffen wir doch alle den Grenzübergang trotz iranischer, russischer, armenischer und aserbaidschanischer Grenztruppen. Ja, diese Ecke der Welt ist politisch nach wie vor höchst interessant und hat man das Grenzprozedere erstmal hinter sich, so kann man in aller Ruhe die meist bergige Schönheit Armeniens genießen.

Ist man hier vor Ort, so wundert es einen kaum, dass gerade in dieser Region der Berg Ararat mit seinen 5137 Metern Höhe (wenn auch heute auf türkischer Seite) sowie einige der ältesten christlichen Kirchen der Welt ihren Platz haben.


Der christliche Glaube spielt für die Armenier bis heute im Alltag eine große Rolle.

Wir treffen in alten Kirchen stets auch junge Menschen, die nicht nur an Feiertagen dorthin kommen.

Nach Monaten in überwiegend islamisch geprägten Kulturkreisen fühlen wir uns hier fast schon wieder wie zu Hause.

Schließlich haben hier die Mülleimer EU-Aufkleber.

Jerewan wie jede (post)sowjetische Stadt ein bewaffnetes Mütterchen zu seiner Verteidigung.

…und ja, es darf wieder alles gegessen und getrunken werden, was auf den Tisch kommt – Prost!

Ja, gar lustig geht es zu und dies alles ist wie so oft ohne die Hilfe unseres internationalen Teams nicht möglich, weshalb euch liebe Julia und Naira, lieber Diran und lieber Juri unser Dank gebührt!

Ob unermüdlicher Einsatz von morgens bis in die Nacht, organisatorische Hintergrund- arbeit bei Autoversicherungen oder dem Besuch einer Cognacfabrik, das tägliche Dolmetschen und Besorgen von allem möglichen

– lediglich deine Gesangseinlagen, Diran, können dies noch toppen!

So vergeht die Zeit wie im Flug und schon sind wir in Georgien und seiner Hauptstadt Tiflis, welche uns zwar etwas herbstlich, dafür aber fast komplett renoviert und mit

futuristischem Präsidentenpalast

und mindestens ebenso futuristischen Brücken


und Polizeistationen empfängt.


Vom schmuddeligen und kriminellen Image der 1990er Jahre ist wirklich nichts übrig geblieben und so führt uns Beka durch eine moderne Großstadt, deren Einwohner und Politiker bekannter Weise einen eindeutigen Westkurs Richtung EU- und Nato-Mitgliedschaft verfolgen. Dass hier dennoch so gut wie alle Russisch sprechen macht uns das Leben leichter und zeugt mal wieder davon, dass Politik und das alltägliche Leben der Menschen zwei verschiedene Dinge sind.


Aber auch außerhalb der Hauptstadt gibt es in Georgien vieles zu entdecken. Stimmt´s, Harald?


Die Höhlenklöster von Wardsia aus dem 12. Jahrhundert zählen zwar zum UNESCO-Weltkulturerbe, wir sind jedoch erstaunt, wie entspannt es hier zugeht und erinnern uns an so manchen Tag in China und den dortigen Besucherandrang – aber nur ganz kurz. Dann genießen wir wieder die Ruhe an diesem Ort.


Denn die letzte Etappe bis zum Schwarzen Meer und Batumi, unserem lang ersehnten Fernziel, hat es noch einmal in sich und fordert von Mensch und Maschine vollen Einsatz und bietet eine Alternative zur Autobahn.


Landschaftlich spektakulär und uns den Eindruck vermittelnd, als wären wir in den Alpen, fehlt später jeglicher Fahrbelag,


Brücken sind in katastrophalem Zustand und Bäche schwemmen den Grund weg und so müssen wir uns auf das Fahren konzentrieren, weshalb es nicht mehr Bilder von dieser Passage gibt.


Wer von euch, liebe Asienfahrer 2007, 2009, 2010 oder 2011, jedoch oben war, wird es sicherlich nicht vergessen!


Kaum zu glauben, dass man sich hier auf knapp über 2000 Metern Höhe über gefrorene Pisten kämpfen muss, während keine 50 km Luftlinie entfernt der Schwarzmeerstrand Batumis auf uns wartet.


Eine Strandpromenade, Palmen am Straßenrand und eine Fahrradverleihstation – so erleben wir Batumi am Nachmittag des gleichen Tages. Der seit Sowjetzeiten beliebte Badeort hat sich in den letzten Jahren auch Dank türkischer und kasachischer Investoren zu einem wahren Hotspot des Schwarzmeerraums entwickelt und hält mittlerweile den Vergleich mit vielen französischen oder italienischen Strandorten locker aus.


Aber wer kommt schon aus dem Westen hierher? Ich meine, außer uns. Dies ist sicherlich nach wie vor eine große Hürde auf dem Weg der sich noch immer entwickelnden Tourismusindustrie im Bereich der ehemaligen Sowjetunion. Und vielleicht auch gut für uns. Was würden wir auch an einer von Ost- und Westtouristen überrannten Schwarzmeerküste machen?


Mit diesen Worten, liebe Reisefreunde, endet unsere Große Asientour 2011 und wer von euch die Bilder vom Abschiedsabend in Batumi vermisst, dem sei gesagt: was in Batumi geschehen ist, das bleibt auch in Batumi! Und natürlich in unseren Erinnerungen. Den Reiseorganisatoren, Helfern, allen Beteiligten und mir persönlich bleibt nur danke zu sagen. Danke für eine unvergessliche Reise mit jeder Menge unvergesslicher Momente!

Euer Arthur



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