Hinter dem Polarkreis

Liebe Daheimgebliebenen,

liebe Reisende in nah und fern,

nachdem wir die Bekanntschaft des weißen Schamanen von Belomorsk geschlossen und um Sonnenschein gebeten hatten, brachen wir weiter gen Norden auf. Aufgrund bestimmter bürokratischer Widrigkeiten steuern wir mit Kandalakscha einen außerplanmäßigen Stellplatz am Weißen Meer an.

Unterwegs können ausgeruhte Augen zwischen Sumpf- und Waldlandschaften auch endlich ein paar Elche erspähen!

Und wenig später ein außergewöhnlicher Anblick: Der gemeine Sumpf-Lada. Heimisch in den Mooren und Sümpfen Nordrusslands, inzwischen aufgrund sich stets verbessernder Straßenverhältnisse beinahe ausgestorben.

(Scherz beiseite: Abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden und einem gehörigen Schrecken ist der Fahrer wohlauf; unsere Hilfe hat er dankend abgelehnt, der russische „ADAC“ war schon unterwegs.)

Wir werfen letzte Blicke auf die faszinierende Sumpflandschaft, die sich im strahlenden Sonnenschein von ihrer besten Seite zeigt.

Wir nähern uns nämlich den Chibinen, die Gegend wird nun zunehmend hügliger. Auf einer kleinen Anhöhe kommen wir für einen besonderen Fototermin zusammen: Nach etwa 2000km haben wir es zum Polarkreis geschafft! Für die LKWs, die an uns vorbeifahren, scheint die laaaaange Reihe von Wohnmobilen aber die größere Attraktion gewesen zu sein.

Nach einem ereignisreichen Tag erreichen wir Kandalakscha, eine kleine Hafenstadt mit malerischer Aussicht auf die Weißmeerbucht. Am nächsten Morgen brechen wir zu einer kleinen Stadtführung auf und genießen den Sonnenschein. Dass Gipfel der Chibinen noch schneebedeckt sind, nehmen wir aus der Ferne noch recht teilnahmslos zur Kenntnis…

Vom Hügel der Altstadt aus (Kandalakscha ist etwa 900 Jahre alt) können wir das Treiben des Vormittags beobachten.

Am nächsten Tag brechen wir in Richtung Kirowsk auf. Spätestens jetzt glauben alle den Prognosen des Reiseleiters: Wir werden Schnee sehen!

Viel Schnee sehen…

1,50 m Schnee bei 20 Grad im Juni. Kaum zu glauben, aber wahr. Wir erleben die ersten warmen Tage in Kirowsk. Egal wo auf unserer Reise, unsere Guides erzählen uns immer wieder, wie außergewöhnlich kalt der Frühling und der Sommerbeginn waren.

Die Natur hat daher viel nachzuholen. Zumindest in freier Wildbahn! Unser Stellplatz befindet sich auf dem Gelände des botanischen Gartens, einem von nur drei botanischen Gärten, die nördlich des Polarkreises liegen. Während draußen erst die langsam die Knospen sprießen, herrscht in den Gewächshäusern schon üppiges Grün.

Aber so ein „bisschen“ Schnee wird uns doch nicht davon abhalten, uns an der frischen Luft zu bewegen! Gemeinsam mit unserem Guide Sergej stapfen wir durch Schnee und durch saftigen Tundraboden. Man braucht nur das richtige Schuhwerk. Wer seine Wanderschuhe nicht finden kann, muss eben erfinderisch werden. Oleg macht‘s vor.

Auch gute Wanderschuhe garantieren nicht immer festen Tritt… Aber wir nehmen es mit Humor.

Sergej kennt sich in den Chibinen ausgezeichnet aus und erläutert uns anschaulich, warum die Winter in Kirowsk so viel Schnee mit sich bringen. Schnee im Juni… wir können es immer noch nicht glauben. Darauf erst einmal ein Gruppenfoto!

Grüße an dieser Stelle übrigens an die Wüstenspringmaus Kostya auf der Düsseldorf -Pekin-Tour von Schneehase Oleg!

Dass der Schneereichtum dieses Jahr bis in den Juni währte, ist allerdings auch für Russlands Norden sehr ungewöhnlich. Der Reichtum an Mineralien ist für die Chibinen hingegen ganz typisch. Julija führt uns durch das Mineralienmuseum. Neben Apatit, das in Nordrussland abgebaut, teilweise auch schon verarbeitet wird, zeigt die sympathische Dame uns Schmucksteine und Mineralien mit merkwürdigen Namen wie das „Gold der Dummköpfe“ oder auch das „Samenblut“. Die Herren sind sich übrigens schnell einig geworden, welches das schönste Schmuckstück der Sammlung ist…

Wir machen das beste aus dem Wetterchaos. Abends kann man ein Schneemobil mieten und mit Sergej durch die Berge sausen.

Am nächsten Tag fahren wir zur größten hinter dem Polarkreis liegenden Stadt der Welt, zum Endpunkt unserer Reise auf der russischen Seite: auf nach Murmansk!
Die mit 101 Jahren junge Stadt kann wegen des Golfstroms das ganze Jahr über einen eisfreien Hafen betreiben – bzw. mehrere Häfen: Einen Handelshafen, Militärhafen und Fischereihafen.
Ein Denkmal für die wartenden Frauen, deren Männer zu See fahren betont eine Schattenseite der Arbeit an Deck der zahlreichen Schiffe, die ihre Basis im Murmansker Hafen haben.

Nachmittags besuchen wir das Museumsschiff „Lenin“ – den ersten atomar betriebenen Eisbrecher der Welt. Eine echte Freude für Technikinteressierte.

Das Leben hinter dem Polarkreis ist nicht leicht, doch das Ansehen der Einwohner Murmansks ist in Russland hoch. Die Stadt zählt zu den „Heldenstädten“ Russlands – ein Titel, der die Ausdauer der sowjetischen Städte im Zweiten Weltkrieg würdigt.

An den Krieg erinnern hier viele Denkmäler; das imposanteste ist sicherlich das im Volksmund „Aljoscha“ genannte Denkmal für die „Verteidiger der Sowjetischen Polarregion im Großen Vaterländischen Krieg“ – 35,5m hoch blickt die Statue in Richtung Westen.

Auch wenn es nun nicht mehr dunkel wird, so merken wir doch allmählich, dass unsere Reise nun allmählich zu Ende geht.

Unser Seabridge-Abschiedsessen wird gekrönt von einer wunderschönen Torte.

Zum Abschluss bleibt uns nur, ein herzliches Dankeschön an eine tolle Gruppe auszusprechen! Behaltet uns und Russlands kalten Norden in guter Erinnerung. Wir hoffen, dass unser Abschiedpräsent, die karelischen Glücksvögel, euch gute Dienste erweisen. Do svidanija!

Euer Team

003 Russland – ein Sommermärchen
Nachdem wir in Kizhi richtig froren, tat ein Fahrtag im warmen…

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